Wülfrath: Luciana Volmer ist jetzt Hegering-Chefin

Wülfrath: Luciana Volmer ist jetzt Hegering-Chefin

Die neue Vorsitzende ist passionierte Jägerin und hält veganes Leben für einen Tick.

Ein flammendes Plädoyer in Sachen Jagd und Umweltschutz hat Luciana Volmer, die frischgebackene Vorsitzende des Hegerings Wülfrath, gehalten. Jäger, Förster und Landwirte sind die professionell Verantwortlichen für die heimische Natur, und ihre Interessen greifen wie Zahnräder ineinander. Eine Jägerin - schon eine eher seltene Passion bei Frauen, denn das Schießen gehört nun mal dazu. Hegen und pflegen - das sind die Aufgaben der Jäger: Den Wildbestand im Revier zu hegen und zu erhalten, denn übergroße Populationen von Wild schaden Wald und Äckern. Gerade in der jetzigen Zeit ist die Anzahl des sogenannten Schalenwilds wie Rehe, Hirsche und vor allem Wildschweine geradezu explodiert und damit ein Problem für die Umwelt.

Dagegen ist beim Niederwild, sprich Fasane, Rebhühner, Kaninchen, der Bestand dramatisch zurückgegangen. Warum? Die Landwirte nutzen heute jeden Quadratmeter ihrer Flächen für den Ackerbau - absolut verständlich. Aber für das Niederwild gibt es dadurch keine Schutzräume mehr, in die sie flüchten könnten. Hecken zäunten früher die Äcker ein und boten Schutz für das Niederwild. Ebenso sind Wildwiesen und -äcker weitgehend verschwunden, die Insekten, Nagern, Vögeln und Schmetterlingen Raum boten. Diese fehlen dann aber in der Nahrungskette für Mäuse, Füchse, Marder. Diese wiederum boten Greifvögeln die Möglichkeit zu überleben. Eine handfeste und faszinierende Logik. Schießen hat Luciana Volmer schon von ihrem Vater gelernt und die Verbundenheit mit der Natur ist Triebfeder für ihre vielfältigen Aufgaben. Für die engagierte Jägerin ist das Töten von Tieren im Sinne von Hegen und Pflegen. Wir alle ernähren uns auch von Fleisch, aber das Wildbret ist in ihren Augen das wirklich einzige Biofleisch. Keines der Tiere hat je Medikamente erhalten oder Stresssituationen erlebt wie im Schlachthof. Außerdem können sich Wildtiere immer frei bewegen. Und wenn tatsächlich mal ein Schuss ein Tier nicht tödlich trifft, gibt es ausgebildete sogenannte Schweißhunde, die das verletzte Tier finden. An den Reaktionen ihres Hundes, den Pirschzeichen, erkennt Luciana Volmer, wie sie vorgehen muss, um das Tier zu erlösen. Die erlegten Tiere werden geborgen und in eine Wildkammer gebracht. Abnehmer sind die Gastronomie und auch viele Privatkunden. Vegetarisch, aber vor allem vegan leben hält die Jägerin für einen Tick. Wollte sich die Menschheit vegan ernähren, brächen Hungersnöte aus, denn so viel Ackerland gibt es gar nicht, um genügend Getreide und Gemüse anzubauen.

Die Passion von Luciana Volmer, Natur und Umwelt zu pflegen und zu erhalten, ist auch an ihrem Engagement in Wülfraths Schulen zu erkennen: Immer wieder lädt sie Schulklassen ein, legt mit den Kindern Steinhaufen an, damit kleine Tiere wie Igel überwintern können, und sie baut mit den Kindern Nistkästen. An die 800 Schüler und Schülerinnen im Jahr lernen bei ihr die Zusammenhänge, die in der Natur das Überleben von Tier und Mensch bestimmen.

  • Gut Gegeben : Hegering spendet für Kinderheim

Martin Volmer, der, "wie schon mein Vater und jetzt unser Sohn", auch Mitglied im Hegering ist, freut sich darüber, dass seine Frau zur Vorsitzenden gewählt worden ist: "Das finde ich gut, weil sie den Leuten die Jagd und die Hege näher bringt. Es sind so viele Vorurteile im Umlauf", findet er.

Luciana Volmer, die einzige Hegering-Leiterin im weiten Umkreis, dankte ihrem Vorgänger Reinhard Weniger von Herzen für sein jahrelanges Engagement, das ihr Vorbild und Ansporn für die kommenden Jahre sein wird. Ausdruck der Wertschätzung war denn auch die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft an den langjährigen Leiter des Hegeringes Wülfrath.

(eise)