Kulturschaffende wollen sich in Wülfrath stärker vernetzen.

Wülfrath: Kultur bringt Geld in die Stadtkasse

Das Kreativangebot in Wülfrath ist vielseitig und gebündelt im Stadtkulturbund. Trotzdem wünschen sich die Macher mehr Vernetzung untereinander sowie mehr Aufmerksamkeit und Interesse der Bürger.

Stephan Bock ist ein erfahrener Mann, seit 35 Jahren erarbeitet der Kulturmanager aus Koblenz unter anderem Strategien und Ideen für Kommunen und Kreise. Kein Wunder also, dass der Stadtkulturband sich einen solchen Experten ausgewählt hat, um in einem Tagesseminar im Rathaus am Wülfrather Kulturfahrplan zu arbeiten: Wo stehen wir, was bieten wir, was können wir, wohin wollen wir? „Wir erreichen zwar die Bürger in gewissem Maße, aber die Motivation sich etwa an ein Kulturangebot zu binden ist nicht sonderlich hoch“, weiß Sandra Leidig-Diekmann, Vorstandsmitglied im Stadtkulturbund. Und: es gibt diese zwei Handvoll engagierter Macher, die sich mit viel Herzblut, Zeit und Motivation ihrem jeweiligen Projekt widmen – Sandra Leidig-Diekmann seit Jahren dem Theater Minestrone, Bernd Kicinski der Schlupkothener Kathedrale.

„Das meiste, was an Kultur geschieht, stützt sich auf diese individuelle Manpower, das ist schwierig im Hinblick darauf, dass die Menschen ja irgendwann auch mal wegbrechen könnten und niemand dann da ist, der in ihre Fußstapfen tritt“, erklärt Kulturreferent Bock, der mit einer Bestandsaufnahme beginnt: es gibt Kunst, Theater, Musik, kulturelle Kirchenkonzepte. „Für eine kleine Stadt ist das wirklich viel“, lobt der Fachmann, „nun müssen wir eine gemeinsame Strategie entwickeln, wie können die Vereine besser vernetzt werden, wodurch können stärkere Synergieeffekte entstehen?“

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In Gruppen erarbeiten die Teilnehmer einzelne Bereiche, die es zu verbessern gilt, allen voran steht der Gedanke: Wenn die Menschen nicht zu uns finden, dann müssen wir zu ihnen kommen. „Denkbar wäre eine Art Marktplatz der Kulturen, eine Veranstaltung, bei der sich die Vereine vorstellen und in Mitmachworkshops den Bürgen anbieten sich auszuprobieren“, schlägt jemand vor. „Wir bräuchten mehr Koproduktionen, eine Art Musicalprojekt“, meint ein anderer, „ein Ressourcenpool, ein Raum für Bühnentechnik, Licht- und Tonanlagen, aus dem wir uns gemeinsam bedienen können“, schreibt ein Dritter auf eine große Pappe. All das seien wichtige und gute Erkenntnisse, lobt Referent Bock, von denen auch die Stadt wiederum profitieren könne. „Es ist so, dass Kultur ja oft als freiwillige Leistung der Kommunen angesehen wird, und wenn gespart werden muss, dann zuerst dort. Fakt aber ist, das hat das IFA-Institut belegt, dass jeder Euro, der für Kultur ausgegeben wird, zwei Euro zurück in die Stadtkasse fließen lässt, etwa auf Grund vermehrter Steuereinnahmen durch den erhöhten Umsatz lokaler gastronomischer Unternehmen, die bei einer Kulturveranstaltung vor Ort sind. Man nennt das Umwegrentabilität.“

Der Kulturraum muss mehr in das Bewusstsein rücken, die Nachwuchsförderung ist ganz wichtig und jeder muss die Möglichkeit haben, sich einzubringen, langfristig. „Viele kommen gerne mal zu einer Chor- oder Theaterprobe, aber es gilt, daran zu arbeiten, das Zugehörigkeitsgefühl zu stärken“, betont Sandra Liedig- Diekmann; und: die Motivation muss hochgehalten werden. „Motivation ist der Schlüssel aller Dinge.“