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Kreisweite Aktion gegen Catcalling in Wülfrath

Kreisweite Aktion in Wülfrath : Catcalling – Alles andere als ein Kompliment

Bei einer kreisweiten Gemeinschafts-Aktion des SKFM und der Gleichstellungsbeauftragten in Wülfrath stand am Samstag das Phänomen „Catcalling“ im Fokus.

Ein auffälliger Pfiff, gefolgt von Kussgeräuschen und dann der Spruch: „Geiler Arsch!“ Für die einen ist es ein sehr plumper Versuch einer für sie attraktiven Dame ein Kompliment hinterherzurufen, für die anderen eine dreiste, sexuelle Belästigung. Catcalling nennt sich dieses Phänomen der verbalen sexuellen Belästigung, das am Samstagvormittag bei einer Gemeinschaftsaktion von SkFM Mettmann und Gleichstellungsbüro auf dem Wülfrather Heumarkt buchstäblich angekreidet wurde.

„Na Puppe, was kostest Du?“ ist mit Kreide auf dem Boden vor dem Aktionsstand zu lesen. „Das hat eine Frau geschrieben, die an unserem Stand zuerst vorbeilief, dann aber zurückkam, weil sie auch Erfahrung mit Catcalling gemacht hat“, berichtet Franca Calvano, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt. Zahlreiche Gespräche konnten sie und ihre Kollegin der Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt des Sozialdienstes katholischer Frauen und Männer (SkFM) bereits führen. „Eine über 80-jährige Dame konnte sich noch gut daran erinnern, was sie früher im Büro erlebte.“

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Das Phänomen ist generationenübergreifend, wobei die jungen Frauen heutzutage sich zumindest häufiger selbstbewusster gegen solche Sprüche wehren. Jasmin Ahlborn (25) etwa erlebt es häufiger, dass ihr beim Spazierengehen, meistens in Düsseldorf, wildfremde Männer irgendwelche unangebrachten Sprüche und Kommentare an den Kopf werfen. „Das ist immer unangenehm“, sagt sie entschieden. Als angenehmes Kompliment habe sie solche Zurufe noch nie empfunden. „Ich fühle mich dadurch eigentlich immer nur als Objekt reduziert.“ Wenn ihr zugerufen wird, wenn sie alleine unterwegs ist, ignoriert sie die Sprüche. „Ich hätte sonst Angst, wenn ich etwas sage, dass derjenige dann nicht von mir ablässt“, sagt sie. „Wenn ich mit Freunden unterwegs bin, dann traue ich mich schon eher, sage dann klar, dass derjenige damit aufhören soll.“

Wie Ahlborn ergeht es vielen. „Catcalls sind mit 89 Prozent die am weitesten verbreitete Form sexueller Belästigung“, weiß Calvano. Wie in anderen südeuropäischen Ländern wie Frankreich oder Spanien, findet sie, sollte Catcalling auch in Deutschland eine Straftat sein. „Ich denke, wenn das Strafrecht verschärft würde und für solche Handlungen Strafen von bis zu 1500 Euro drohten, würde sich so mancher Mann vielleicht eher zurückhalten.“

Bei der Aktion wurden nicht nur Sprüche gesammelt, die hinterher in einer Ausstellung münden sollen, auch mit Herren kamen die Damen am Stand in Gespräch, klärten über das Phänomen auf. „Die meisten hatten Verständnis dafür. Andere sagte aber, dass es doch nicht so schlimm sei“, berichtet Calvano. Es herrscht also noch deutlicher Aufklärungsbedarf.