1. NRW
  2. Städte
  3. Wülfrath

Knorr-Bremse - Gewerkschaft ruft zu Demo auf

Wülfrath : Knorr-Bremse: Gewerkschaft ruft zu Demo auf

Die Kundgebung ist für Donnerstag, 23. Mai, 14 Uhr, geplant. Ziel ist der Heumarkt in der Innenstadt.

Die IG Metall ruft für Donnerstag, 23. Mai, zu einer Demonstration in Wülfrath auf. Mit der Kundgebung will die Gewerkschaft die Mitarbeiter der Knorr-Bremse Steering Systems GmbH an ihrem Standort in Wülfrath unterstützen. Der Demonstrationszug wird sich um 14 Uhr in Bewegung setzen. Treffpunkt ist das Werkstor an der Henry-Ford-II-Straße, die Demonstranten gehen dann zum Heumarkt in der Wülfrather Innenstadt. Zur Teilnahme angesprochen sind rund 400 Mitarbeiter.

Seit mehr als zwei Jahren warte die Belegschaft auf ein zugesichertes Zukunftskonzept, schreibt der Betriebsratsvorsitzende Ahmet Yildiz in seinem Aufruf zur Demonstration. „Investitionen sollten erfolgen, Aufträge gewonnen und Arbeitsplätze gesichert werden“, heißt es weiter. Stattdessen sei in Asien investiert und ein anderer Lenkungshersteller eingekauft worden. „Deswegen fürchten wir die Vernichtung unserer Arbeitsplätze und den Verlust des Wülfrather Standorts“, schreibt Yildiz. Die IG Metall unterstützt dieses Anliegen der Belegschaft: „Durch eure Teilnahme unterstützt ihr den Kampf um eure Arbeitsplätze“, ruft Hakan Civelek, Erster Bevollmächtigter und Geschäftsführer der IG Metall, zur Teilnahme auch Werksfremde auf. Offenbar soll der Mutterkonzern zwischenzeitlich erneut in Geschäftsfelder in Asien investiert haben, die in Konkurrenz zum Standort Wülfrath stehen. Der Betriebsratsvorsitzende war jedoch am Freitag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Auch an die Pressestelle des Unternehmens richtete unserer Redaktion eine Nachfrage, eine Antwort steht aktuell noch aus.

  • Wolfgang Peetz.⇥Foto: WG
    Nach den Corona-Beschränkungen : Wülfrather Gruppe schlägt Hilfen für Neustart vor
  • Pfarrer Thomas Rehrmann präsentiert den maroden
    Sanierung des Glockenstuhls : Wer lässt Wülfrath in Zukunft läuten?
  • Gerd Schlüter ist Klimaschutzmanager in Wülfrath.⇥rp-archivfoto:
    Klimaschutz in der Kalkstadt : Watt-Wette: Stadt will Wülfraths Photovoltaik-Leistung verdoppeln

Die Partei „Die Linke“ erklärt sich solidarisch mit den Beschäftigten und kündigt an, „die Demonstration der IG Metall aktiv unterstützen“ zu wollen. „Die Linke ist solidarisch mit den Beschäftigten der Knorr-Bremse SteeringSystems GmbH und ihrer Gewerkschaft IG Metall im Kampf um den Erhalt des Wülfrather Standortes und den damit verbundenen Arbeitsplätzen“, schreibt Ilona Küchler in ihrer Pressemitteilung. Auch sie treibt die Sorge um die Arbeitsplätze in Wülfrath um. Denn zum einen gehe es um Existenzen, zum anderen aber auch um das Wohl der Stadt. Küchler verweist auf die finanzielle Schieflage des städtischen Haushaltes: „Einen weiteren Wegfall von Gewerbesteuereinnahmen könnten wir nur schwer verkraften“, sagt sie.

Anfang April hatten sich die Mitarbeiter des Unternehmens einstimmig dafür ausgesprochen, den so genannten Zukunftstarifvertrag mit ihrem Arbeitgeber zu kündigen. Das hat zur Folge, dass sie den in den vergangenen beiden Jahren von ihnen gezahlten Beitrag zurückfordern und auch auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld des laufenden Jahres nicht mehr verzichten wollen. Nötigenfalls will die IG Metall diesen Anspruch auch gerichtlich durchsetzen. Das sagte Hakan Civelek, Erster Bevollmächtigter der Gewerkschaft, im Nachgang zu der etwas mehr als zweistündigen Versammlung.

Doch worum geht es? Das Werk in Wülfrath, ehemals Tedrive Steering, wurde mit seinen jetzt mehr als 350 Mitarbeitern im Jahr 2016 von Knorr-Bremse übernommen. „Der Standort befand sich von Anfang an in einer angespannten finanziellen Lage“, berichtet Unternehmenssprecherin Alexandra Bufe. Bestandteil der Übernahme sei eine Personalvereinbarung zwischen Tedrive Steering und dessen Kunden Ford gewesen. Bis zum Jahr 2000 gehörte Tedrive Steering zum Kölner Ford-Konzern. Bis zu 200 Arbeitsplätze sollten nach der Übernahme durch Knorr-Bremse von Tedrive Steering in Wülfrath zu Ford nach Köln übertragen werden. „Von dieser Regelung haben bislang 73 Beschäftigte Gebrauch gemacht“, erläutert Bufe.

Teil der Übernahme war aber auch ein Fertigungsvertrag am Standort Wülfrath für Pkw-Lenkungen, der in diesem Jahr – und damit früher als erwartet – auslaufen wird. Die Beschäftigten erwarten daher ein Bekenntnis der Unternehmensleitung zum Standort in Wülfrath. Derzeit gilt für Knorr-Bremse Steering Systems ein Zukunftstarifvertrag, der 2016 geschlossen wurde und eine Laufzeit bis Ende 2019 hat. Die Mitarbeiter verzichten darin auf Lohnbestandteile, damit die Unternehmensleitung ein Zukunftskonzept entwirft und den Standort damit zukunftsfähig macht.

Die Beschäftigten sehen jedoch jetzt die Abmachung durch die Unternehmensleitung gebrochen, da bislang kein Zukunftskonzept vorliege. Alexandra Bufe hingegen betont, dass die Gespräche zwischen Geschäftsführung und Wirtschaftsausschuss sowie Betriebsrat noch andauern. „Die Mitarbeiter wurden in verschiedenen Betriebsversammlungen über die Möglichkeiten informiert“, sagt Bufe. Die Beschäftigten wollen jedoch offenbar nicht mehr abwarten und planen weitere Aktionen vor dem Werkstor. So sollen auch Wülfrather Bürger die Möglichkeit erhalten, sich mit ihnen solidarisch zu zeigen. Jetzt macht die IG Metall offenbar Ernst.

(arue)