Kartoffelfest leidet unter Wind und Regen

Traditionsveranstaltung in Wülfrath : Kartoffelfest leidet unter Wind und Regen

Weniger Besucher als gewohnt fanden diesmal in die Innenstadt. Die Anwesenden setzten dennoch auf gute Laune.

Es ist das bereits dritte Mal, dass Fabian Schulz und Jan David ihre mittlerweile legendäre Tornadokartoffel auf dem Kartoffelfest anbieten – eine spiralförmige, frittierte Kartoffel der Sorte „Belana“. Und die macht in diesem Jahr ihrem Namen alle Ehre, denn es ist nass und windet stark. Während in den vergangenen Jahren die Kunden an ihrem Stand Schlange standen, findet heute nur vereinzelt ein Besucher, meist vermummt in Regenjacke oder mit Regenschirm, den Weg an den Tresen: Drei Euro kostet eine Tornadokartoffel, wahlweise mit Aioli oder mit Kräuterdip. „Ich bin ehrlich gesagt nur wegen dieser unfassbar leckeren Kartoffel hergekommen“, schwärmt eine Kundin. „Ansonsten geht man doch nicht freiwillig vor die Tür bei so einem Shitwetter.“

Fabian Schulz nickt. „Das ist echt ätzend, aber wir wussten es ja durch die Wettervorhersage. Daher haben wir auch nur 80 Kilo Kartoffeln dabei. Das aber war genug Arbeit im Vorfeld. Wir bekommen die Kartoffeln ja von einem Ratinger Bauern, wir müssen sie dann alle noch einzeln schrubben.“ Conny Weimer, Leiterin der Awo Wülfrath, hat anders kalkuliert. 250 Kilo Drillinge wurden vorab von ehrenamtlichen Helfern gekocht und zahlreiche verschiedene Saucen, unter anderem ein Lachsdip, zubereitet. „Wir sind das erste Mal von der Awo dabei. Wir wurden von Wülfrath Pro gefragt, und da wir für alles offen sind, haben wir direkt ja gesagt“, erklärt die Leiterin und reibt sich wärmend die Hände. „Ich denke mal, einen Großteil der Kartoffeln nehmen wir wieder mit zurück.“

Auf der Bühne rocken mehrere Bands, um den Bierstand herum versammeln sich Musikfans. Man kennt sich, die Bands werden gefeiert, und die ganz hart Gesottenene sitzen an den Bierbankgarnituren vor der Bühne und schützen sich mit Regenschirmen gegen die Nässe und den stärker werdenden Wind. „Ich bin mir nicht sicher, ob uns nicht gleich das Standzelt um die Ohren fliegt“, sagt Beate Wessel. „Wir sind seit mindestens 15 Jahren hier auf dem Kartoffelfest“, erklärt die Mettmanner Fischhändlerin, „aber an ein so schlechtes Wetter kann ich mich nicht erinnern. Entsprechend schlecht ist natürlich auch der Umsatz.“ Calamaris, Kibbeling, Matjesbrötchen – das lasse sich, wenn überhaupt, noch am Besten verkaufen.

Luisa ist mit ihren beiden Freundinnen Sophie und Eliana zum Kartoffelfest gekommen. Die drei jungen Frauen haben gearbeitet, nun wollen sie sich ein wenig erholen, gönnen sich einen Cocktail mit dem Namen „San Fransisco“. „Der ist alkoholfrei, ich bin ja noch keine 18“, erklärt Luisa und nimmt einen Schluck durch den Strohhalm, „lecker, fruchtig, super.“

Fabian mixt derweil zwei weitere Cocktails. „Die sind für die Kollegen vom Stand gegenüber“, erklärt er und winkt ihnen zu – im Gegenzug gibt es für ihn und seinen Kollegen herzhaft duftenden Flammkuchen. Nur wenige Meter weiter, am Stand der Feuerwehr, riecht es nach Bratwurst und Pommes. Sven Salomon schaut in den Himmel. „Gut sieht das nicht aus“, resümiert der Feuerwehrmann, „aber was soll’s, wir nehmen es wie es ist. Und ne Bratwurst geht doch wohl immer, oder?“