Kalligrafie-Workshop in der Wülfrather Medienwelt war ausgebucht.

Wülfrath : Das schöne Schreiben ist wieder in Mode

Der erste Kalligrafie-Workshop in der Wülfrather Medienwelt war mit zehn Teilnehmern komplett ausgebucht.

Erst einmal wird ein Rahmen auf ein weißes DIN A3-Blatt gezeichnet, danach werden Wellenlinien in ungleichen Abständen in den Rahmen gesetzt. Zwischen diese Wellenlinien schreiben die Teilnehmer nun Worte. Dafür haben sie zwei unterschiedliche Farben zur Verfügung und können sie zur Gestaltung einsetzen, wie es ihnen gefällt.

Still ist es, alle arbeiten konzentriert, während die Leiterin des Kalligrafie-Schnupper-Workshops ein waches Auge auf die Teilnehmer und ihre Arbeiten hat. Es ist der erste Kalligrafie-Workshop, der in der Wülfrather Medienwelt angeboten wird. Mit zehn Teilnehmern ist er vollkommen ausgebucht. „Wir hätten ihn dreimal belegen können“, sagt Yvonne Jacobs, Leiterin der Medienwelt. „Das Bedürfnis ist da, in Wülfrath gemeinsam etwas Kreatives zu tun.“

Und darum, etwas selbst zu tun, ging es auch bei der diesjährigen Nacht der Bibliotheken, die unter dem Motto „Mach es!“ stand. Der Kontakt zur Workshop-Leiterin Ragna Bolender kam über die VHS Mettmann zustande. Die Diplom-Designerin führt bereits seit vielen Jahren Kurse und Seminare zum Wunder der Schrift in Grundschulen, Gymnasien und für Erwachsene durch. In der Medienwelt bekommen die Workshop-Teilnehmer einen kleinen Einstieg in die Kalligrafie, ein Appetithäppchen sozusagen.

Dabei werden nicht nur Filzstifte und die klassischen Schreibfedern verwendet, sondern auch ungewöhnliche Schreibmittel wie Weißblechdosen-Federn, Pipetten oder Holzwäscheklammern. „Schrift macht viel mit unserem Kopf“, weiß Ragna Bolender, „nicht jeder kann malen, aber jeder kann schreiben.“ Das Bedürfnis, etwas Schönes herzustellen, sei auch im Computerzeitalter immer noch da. „Ästhetik“, betont Bolender.

Rina Bisping und ihre Tochter Lily sind ebenfalls gekommen, um etwas Schönes herzustellen. Lily ist sehr am Handlettering interessiert. „Ich gestalte Geburtstagskarten selbst“, erzählt die Zwölfjährige. Eine eigene Feder besitzt sie noch nicht. Mutter Rina hat sich vor vielen Jahren in Kalligrafie versucht. „Ich habe in einer Kiste lauter alte Füller gefunden“, erzählt sie. Damit hat sie herumexperimentiert. Nun schreibt sie in Blau und Rosa Städte- und Ländernamen zwischen ihre Schlangenlinien: Berlin, Hattingen, Italien.

„Es soll keinen Sinn geben“, betont die Workshop-Leiterin, „es geht darum, die Buchstaben in dieser Art zu gestalten.“ Heike Schwelm genießt die Arbeit. „Das macht Spaß“, sagt sie, „man ist mit den Gedanken gleich ganz woanders.“ Sie beherrscht Sütterlin. „Über die alten Schriften bin ich ins Handlettering gekommen und nun möchte ich weiter in die Kalligrafie“, sagt sie. Dabei hat Ragna Bolender auch viel Interessantes über unsere Schrift zu erzählen. „In jedem unserer Großbuchstaben steckt noch eine ägyptische Hieroglyphe“, sagt sie. Das demonstriert sie am großen A, das einen Rinderkopf als Ursprung hat.

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