Wülfrath: Jugendliche nehmen Angebote der Stadt gerne an

Wülfrath : Jugendliche nehmen Angebote der Stadt gerne an

Sechs Jugendliche berichten im Jugendhilfeausschuss. Angebote erreichen mehr als 1100 Kinder.

Das ist der Ernstfall für den Jugendhilfeausschuss: Direkter Kontakt mit sechs Jugendlichen. Die Jungs bauen sich vorn auf und sagen, dass sie "Buddies" sind. Was nicht bei allen Politikern und Jugendexperten im großen Ratssaal auf Verständnis stößt.

"Was sind 'Buddies'?" Da springt die Chefin der Kinder- und Jugendhilfe, Angela Sprink, dem Sextett bei: "Das sind Gäste des Kinder- und Jugendhauses, die sich besonders engagieren. Buddies - Freunde eben." Natürlich geht so eine Bilanz der Abteilung Kinder- und Jugendförderung auch in nüchternen Zahlen: Neben den vielen Gruppen gab es 2016 rund 40 Einzelveranstaltungen. Die Wülfrather Angebote erreichten mehr als 1100 Kinder und Jugendliche, so der Bericht.

Doch wesentlich authentischer kommt all die Arbeit rüber, wenn die Jugendlichen selbst sprechen. Zum Beispiel über die extrem miese Internetleitung zum Rathaus. Die machte das Mindcraft-Projekt echt zur Qual, bei dem die jungen Teilnehmer den Ratssaal in ein kleines Computerzentrum verwandelten und das Rathaus samt all seinen Abteilungen und der Innenausstattung vier Tage lang aus kleinen, digitalen Klötzchen zusammen setzten. Um zu verstehen, was in dem Bau eigentlich so passiert. "Da mussten wir uns ein Switch mit den ganzen Sachbearbeitern teilen", sagt einer der Administratoren betroffen, blickt in ratlose Ratsgesichter und schiebt gnädig nach: "So ein Switch teilt eine Internetleitung auf für mehrere Nutzer." Die Wasserwelt wurde virtuell um ein Freibad ergänzt, Sparkasse und Jugendhaus entstanden ebenfalls als Mindcraft-Modelle. Szenenapplaus bekamen zwei junge Berichterstatter, die bekannten, sie führen jeden Tag von Velbert nach Wülfrath - weil im Jugendhaus die anderen sind und "weil man hier echt stressfrei abhängen kann".

Sie haben einen 13-köpfige Jungs-Gruppe gegründet und unternehmen viel miteinander. Fußballspielen zum Beispiel. Oder Computerduelle untereinander. Was sie sich von der Politik wünschen? Da müssen die sechs nicht lange nachdenken. "Wülfrath fehlt ein Ort, an dem man sich draußen ungestört treffen kann." Ungestört meint ohne Aufsicht und Vorgaben der Erwachsenen. Auf Spielplätzen gebe es Stress ,mit den kleinen Kindern und den Eltern". Anderswo meckern Anwohner "über laute Musik und so." Ein Skaterpark wäre schön, sagen sie. Die Zuhörer gewinnen den Eindruck, dass da Jugendliche Spaß daran gefunden haben, sich zu engagieren. Als ein Ratsherr so weit geht, die sechs zum Fifa-Computerfußball-Turnier herauszufordern, schweigen die Gäste. Vermutlich aus Höflichkeit.

(RP)