Innenstadt Wülfrath: Was wünschen sich Bürger und Händler?

Wülfrath : Händler klagen über fehlende Laufkundschaft

Unsere Zeitung hat sich umgehört, was sich Bürger und Geschäftsleute bei der Innenstadtgestaltung wünschen.

Die Innenstadtgestaltung nimmt im Stadtentwicklungskonzept der Stadt Wülfrath wichtigen Raum ein. Vor kurzem waren Bürger aufgerufen, sich mit Ideen und Anregungen an der gestalterischen Zukunft ihrer Stadt zu beteiligen. Auch wir haben nachgefragt, welche Wünsche bei der Bürgerschaft sowie dem Handel vorherrschen, an welchen Stellen Handlungsbedarf besteht und welche Maßnahmen bisher von Erfolg gekrönt sind.

Dr. Luciana Martena ist Neubürgerin. Vor rund einem halben Jahr zog die gebürtige Düsseldorferin in die Kalkstadt. Positiv ist ihr sofort die Parksituation aufgefallen. „Mit dem Auto kann ich die Innenstadt sehr gut erreichen und finde genügend freien Parkraum.“ Auch scheint für die Neu-Wülfratherin der Branchenmix für eine Kleinstadt vollkommen ausreichend. „Für den täglichen Bedarf habe ich mit dem Anger Markt und den angrenzenden Geschäften alles Notwendige abgedeckt. Das gastronomische Angebot bietet mir ebenfalls einiges an Möglichkeiten.“ Lediglich die unschönen Leerstände im direkten Stadtkern sind Martena ein Dorn im Auge. „Diese könnte man mit noch mehr Kunst in den Schaufenstern aufwerten.“

Philipp Sonntag ist nicht ganz so optimistisch. Der Mettmanner pendelt zwar nur für die Arbeit in die Nachbarstadt, verbringt aber etliche Pausen und Geschäftstermine im angrenzenden Stadtkern. „Die Innenstadt stellt für mich ein Vakuum dar, das kaum mehr zu füllen ist. Besonders die Leerstände machen das Erscheinungsbild unattraktiv.“ Verantwortlich für den „aussterbenden Stadtkern“ macht der angehende Ingenieur den großen Alleinversorger Anger Markt. „Er zieht die Laufkundschaft aus dem Stadtkern, der eigentlich als Alleinstellungsmerkmal für diese Stadt genutzt werden sollte. Das größte Potential der Stadt liegt in dem historischen Erscheinungsbild, das sollte bei dem Stadtentwicklungskonzept stärker gefördert werden. Für mich stimmt das Gesamtbild nicht mehr überein.“

Tanja Graupner betreibt seit 2016 den Geschenkeladen „Lieblichedeko“ an der Schwanenstraße. Obwohl ihr Geschäft mitten im Innenstadtbereich angesiedelt ist, fühlt sich die Händlerin manchmal außen vor. „Die Schwanenstraße wird bei Aktionen nicht immer bedacht. Oft finden Feierlichkeiten nur in der direkten Fußgängerzone statt.“ Da die Laufkundschaft ausbleibt, hat Tanja Graupner auf individuelle Verkaufsideen umgesattelt. „Die Kunden können ihre Ware in meinem Onlineshop bestellen und vor Ort abholen. So kaufen meine Kunden zwar online, aber trotzdem lokal.“ Für die Wülfratherin fehlt ein großer Ankermieter, der den Stadtkern stärker frequentieren würde und den Fokus auch wieder mehr auf ihren Laden lenkt. „Ich habe einen 14-jährigen Sohn. Ein H&M oder ein anderer jugendlicher Bekleidungsladen wären ein echter Zugewinn.“ Entgegenkommen von Seiten der Vermieter ist ein weiterer Wunsch der Einzelhändlerin. „Es muss doch auch im Interesse der Vermieter sein, ihre Leerstände zu füllen. Warum hier kein Einlenken in Bezug auf die zu hohen Mieten geschieht, ist für mich unverständlich.“

Ilse Bergmann vom Wülfrather Reisebüro hat ähnliche Ansichten. Die Händlerin betreibt seit 25 Jahren ihr Reiseunternehmen und beobachtet die Innenstadtsituation kritisch. „Es fehlt eine Vielfalt an Geschäften, die einen Stadtbummel attraktiver machen würde.“ Das Versprechen der Verwaltung, mit dem Bau des Anger Marktes einen fließenden Übergang zur Innenstadt zu schaffen, scheint für die Wülfratherin nicht eingelöst worden zu sein. „Der Anger Markt bietet den Menschen alles Notwendige für den Alltag und der Grund, die Innenstadt zu besuchen, bleibt aus. Ein Kundenmagnet auf der gegenüberliegenden Seite der Fußgängerzone wäre wünschenswert und würde die  Laufkundschaft fördern.“ Unterwäsche, Schlafbekleidung und Kurzwaren sucht man laut der Händlerin vergebens. „Auch ein Sportgeschäft haben wir nicht. Die Bürger sind gezwungen, für solche Anliegen die Stadt zu verlassen.“ Ein weiteres Manko liegt laut Ilse Bergmann in den unterschiedlichen Öffnungszeiten der Händler. „Hier sind wir Händler natürlich selbst gefragt. Leider können wir uns auf keine einheitlichen Öffnungszeiten einigen. Ein falsches Signal für Kunden!“

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