Wülfrath In Wülfrath wurden Traumautos gebaut

Wülfrath · Großes Wiedersehen beim Oldtimer-Treffen: Die Wülfrather Firma Hebmüller veredelte nicht nur VW-Käfer.

 Balazs Keller kam mit seinem Opel Kapitän von 1940 aus Budapest nach Wülfrath.

Balazs Keller kam mit seinem Opel Kapitän von 1940 aus Budapest nach Wülfrath.

Foto: D. Janicki

Traumfabrikate vergangener Epochen von Hanomag, Hanseat, Opel-Diplomat und -Kapitän, über VW-Cabriolets und Tornax-Rex-Sportwagen gab es Sonntagfrüh an der Henry-Ford-Straße zu bewundern. Die geballte Ladung schöner Automobilkunst traf sich nicht ohne Grund an dieser Adresse. "Hier sind all die Karosserien entstanden", erzählt Dr. Frank Hebmüller. Zusammen mit seinem Vater Klaus Hebmüller, einem Enkel des Gründers des ehemaligen Familienunternehmens, hatte er zur Veranstaltung eingeladen. Die Tour begann in Mettmann, in Wülfrath wurde Station gemacht und in Meerbusch endete die Ausfahrt am Abend. Ähnliches gab es bereits vor fünf Jahren, diesmal kamen über 40 Inhaber dieser Jugendträume aus Blech, unter ihnen Balazs Keller aus Ungarn.

"Zwei mal zehn Stunden bin ich bis Wülfrath gefahren", blickte der studierte Bauingenieur mit liebevollen Blick auf seinen nachtblauen Opel-Kapitän. Von dem Modell, Baujahr 1940, gibt es exakt noch ein weiteres. Was das Besondere an dem Auto ist? "Das ist ein Hebmüller", betont er stolz jede Silbe. "andere bauten Autos wie vom Band, Hebmüller war immer eine Exklusiv-Schmiede, in der nach eigenen Wünschen quasi maßgeschneidert wurde."

 Klaus (l.) und David Hebmüller mit einem Käfer-Cabrio aus dem Jahr 1949.

Klaus (l.) und David Hebmüller mit einem Käfer-Cabrio aus dem Jahr 1949.

Foto: Janicki, Dietrich (jd-)

Die Geschichte der Karosseriewerke Joseph Hebmüller und Söhne ist lang (Info-Box), hat einen klangvollen Namen weltweit und beginnt 1924. Damals wurde das inzwischen legendäre Hebmüller Cabriolet gebaut. 1956 übernimmt Ford den Standort und produzierte Press- und Schmiedeteile für Modelle wie "T" und "Scorpio". Welchen Preis sein Juwel inzwischen hat, interessiert den 37-jährigen Ungarn nicht. "Den würde ich nie verkaufen." So geht es auch Matthias Schmitt (46) aus Winsen an der Luhe mit seinem Tornax-Rex-Sportwagen anno 1934. Der Lack glänzt silbrig, die Karosserie ist aus Eschenholz, und alles in einem wie fabrikneuen Zustand.

149 weitere Exemplare wurden damals im Hebmüller-Werk hergestellt. Seit 1999 ist das Prachtstück in Familienbesitz, "eigentlich sammelten wir bis dahin Tornax-Motorräder", erzählt der 46-Jährige, der den Bilderbuch-Oldtimer nur im Sommer ausführt. 90 Stundenkilometern Spitzengeschwindigkeit erzielt der Wagen, der "für damalige Verhältnisse unglaublich bequem ist".

 Matthias Schmitt und sein Tornax Rex von 1934: Spitze 90 km/h reicht.

Matthias Schmitt und sein Tornax Rex von 1934: Spitze 90 km/h reicht.

Foto: Janicki, Dietrich (jd-)

Ob Dreiräder wie der Tempo Hanseat, dessen Holzkarosserie im September 1950 bei Hebmüller gefertigt wurde und der sich seit August 2008 in Arnold Berkes liebevoller Obhut befindet, oder ein zweisitziges Cabriolet, das VW in einer Stückzahl von 675 in den 40er Jahren in Auftrag gab, und das Klaus Hebmüller (80) nun sein Eigen nennt, waren historische Preziosen zu bewundern. "Das Auto fahre ich ausschließlich zu besonderen Gelegenheiten", erklärte Klaus Hebmüller. Für jeden Tag wäre es einfach zu schade. Zu einer so besonderen Gelegenheit wie Sonntag holte er das Schätzchen gerne aus der Garage.

Nur Sohn Frank, der von sich sagt, er habe Benzin im Blut, "wie soll das bei der Familie anders gehen?", war im zeitgenössischen Flitzer unterwegs. "Heute morgen musste es schnell gehen, da habe ich meinen Ford Rheinland zu Hause gelassen."

(RP)
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