In Wülfrath hat das Kartoffelfest Tradition.

Wülfrath: Kartoffelfest erstrahlt in der Herbstsonne

Für zahlreiche Wülfrather ist die Traditionsveranstaltung das Event des Jahres. Alle feiern gemeinsam, Alt und Jung, Freunde, Nachbarn, Kollegen, Familien.

Auf dem kleinen Klapptisch vor dem weißen und großen Toilettenwagen liegt ein dicker, aufgeschlagener Roman, „Des Teufels Gebetbuch“ steht darauf, viele Seiten hat Vera Oligmüller noch nicht gelesen, es fehlt der jungen Toilettenfrau schlichtweg an Zeit dazu. Die Toiletten sind gut besucht an diesem sonnigen Nachmittag. „Die Wülfrather sind wirklich nette Menschen und hinterlassen die Toiletten in der Regel sauber“, erklärt die 29-Jährige und wischt den Boden im Frauenbereich nach, „wobei Männer da die Frauen noch übertreffen, sie waschen sich viel häufiger die Hände nach dem Toilettengang.“

Gegenüber hat sich die freiwillige Feuerwehr platziert, unzählige Kinder klettern in den Löschwagen, setzen Helme auf, rollen Schläuche aus, spritzen mit Wasser, einige dürfen im Korb des Leiterwagens stehen. „Ich freue mich jedes Jahr auf die Feuerwehr hier auf dem Fest“, schwärmt ein Junge, sein Freund nickt, gemeinsam wickeln sie gerade den langen schweren Schlauch wieder auf. Von der Bühne aus hallt feinste Punkrockmusik durch die City, die „Ochmoneks“ aus Düsseldorf erinnern stark an die Toten Hosen, intelligente Texte, charismatische Musiker. „Super ist das hier“, ruft ein offensichtlicher Fan einem anderen zu, beide kennen die Texte, singen lautstark mit.

Ein Senior um die 80 groovt beim Laufen, zeigt den Musikern Daumen hoch, die winken ihm zu: Ein Moment, der den Charakter des Kartoffelfestes nicht besser wiedergeben könnte: Alle feiern gemeinsam, Alt und Jung, Freunde, Nachbarn, Kollegen, Familien. Es ist durch und durch ein Stadtfest, das für die Wülfrather nicht wegzudenken ist. „Es ist ein absolutes Muss“, erklärt Sabine Edlinger, die seit über 50 Jahren hier wohnt, „schade ist nur, dass es früher viel mehr Stände gab, vor allem mit Köstlichkeiten rund um die Kartoffel.“ Und doch gibt es scheinbar wieder mehr Angebote als im Vorjahr: Goldschmiedin Astrid Goldberg bietet Causa an, ein Kartoffelgericht mit oder ohne Fleisch aus Peru, beim Hörakustiker werden wunderbar duftende Kartoffelwaffeln verkauft, eine Spezialität aus Kartoffeln, Fleisch, Schmand und Zwiebeln - und ein Stand widerlegt definitiv die Bauernweisheit, dass die dümmsten Bauern die dicksten Kartoffeln haben: Die Knollen, aus denen die Tornadokartoffeln hergestellt sind, haben enorme Durchmesser. Für drei Euro gibt es die spiralförmig gedrehte frittierte Kartoffel mit Aioli oder Kräuterquark.

„Ich finde das zwar ein wenig teuer, aber sie schmecken wirklich toll“, sagt eine Besucherin, „aber auch die selbst gemachte Kartoffelsuppe beim Küchenstudio Mewes muss man einfach probieren, ganz, ganz wunderbar.“

  • Kreis Mettmann : Diese Gastwirte bieten regionalen Genuss

Die Herbstsonne strahlt vom Himmel, immer mehr Besucher drängen in die City, vor der Bühne gibt es auf den Bierbänken kaum noch freie Sitzplätze. „Was für eine nette Gemeinschaft“, stellt Dagmar Hahm begeistert fest und lenkt dann ihren Blick auf die kleinen Fachwerkhäuschen, „und was für eine niedliche kleine Stadt, ich habe gar nicht gewusst, dass Wülfrath so hübsch ist.“

Die Haaner Wellnesstherapeutin ist erstmalig auf dem Kartoffelfest, bietet an einem Stand energetischen Schmuck an. Besucherin Sabine Edlinger fühlt sich nahezu magisch angezogen. „Ich habe seit zwei Jahren solchen Schmuck, seit dem geht es mir viel besser, ich spüre so viel Harmonie und Kraft“, lässt sie die teils eher skeptischen Standbesucher fröhlich wissen.

Tenor auf dem Kartoffelfest: „Die vielen freundlichen Menschen an verschiedenen Orten, man bekommt so viel zurück von ihnen.“

Mehr von RP ONLINE