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Friedhofsbesuch mit Fotografien in Wülfrath

Alte Ratinger Landstraße : Friedhofsbesuch mit Fotografien

Die Hobby-Fotografen Jan Meyburg und Fritz Reich beobachten, dass Friedhöfe neue kulturelle Funktionen bekommen. Und lassen Wülfrath jetzt mit teilhaben.

Es gibt gute Gründe dafür, dann und wann den Friedhof zu besuchen. Die Ruhe wirkt meditativ und es ist ein Ort tiefer Erkenntnisse. Der Hildener Fritz Reich schildert, wie da ein Inspirationsfunke zündete: „Jan Meyburg und ich waren Arbeitskollegen. Während meiner Zeit bei der Stadt Wülfrath bin ich im Hochbauamt für den Friedhof zuständig gewesen. Damals haben wir bemerkt, dass wir beim Fotografieren ähnliche Interessen haben.“

Meyburg ist als Friedhofsgärtner für die Stadt tätig. Bei einem Arbeitsgespräch entwickelten die beiden die Idee, einmal eine Ausstellung auf dem Friedhof zu realisieren. Meyburg spricht dabei von einem ganz konkreten Nutzen: „Das schafft Aufmerksamkeit für den Ort an sich. Man bringt die Leute auch mal wieder auf den Friedhof.“ Die ausgestellten Motive stammen allesamt aus der Region. Die wildwüchsige Gegend zwischen Remscheid und Solingen hat sich als ergiebiges Fotosafarirevier herausgestellt.

Die Touren unternimmt jeder der Fotografen für sich allein; die vorgestellten Bildergebnisse wirken aber so wesensgleich, als wären sie von einem einzigen Künstler geschaffen. Deshalb haben sich die beiden zu dem besonderen Kniff entschossen, keinen Hinweis darauf zu geben, von wem welches Foto aufgenommen worden ist.

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Dass Friedhöfe verstärkt zusätzliche kulturelle Funktionen bekommen, hat Reich beobachtet. „In Bergisch-Gladbach gibt es einen privaten Träger, der sehr viel Kunst und Kultur auf dem Friedhof macht. Das Beispiel hat uns gezeigt, dass das geht und, dass man das machen kann. Der Friedhof erzählt Geschichten von den Leuten, die die Stadt geprägt haben.“

Schon bei seiner Ausbildung hat Meyburg Konzepte für Kultur auf Bestattungsplätzen kennengelernt:  „Für riesige Friedhöfe wie Melaten in Köln oder der Nordfriedhof in Düsseldorf ist die Idee nicht neu. Wir haben die Ausstellung ‚Lebensraum Friedhof‘ genannt, denn hier sind viele Menschen und Tiere unterwegs.“

Die Resonanz auf die Initiative zeigt sich bislang so zurüchhaltend wie die Ausstellung selbst. Die Verwaltung, die für den Städtischen Friedhof die Genehmigung erteilte, war von Beginn an aufgeschlossen. Von den kirchlichen Vertretern, die dort seelsorgerisch tätig sing, gab es bislang noch keine Rückmeldung. Besucher hatten bislang eine durchweg zustimmende Haltung; kritische Resonanzen gab es an diesem sensiblen Platz gar nicht.

Bei der technischen Umsetzung haben die Macher der Schau auf wetterfestes Material aus der Bauwirtschaft zurückgegriffen. Die Stellwände bilden Beton-Alu-Zäune und an Bäume sind Bildbanner mit robusten Spanngurten geschnallt. Die  3,30 mal 1,70 großen PVC-Folien, auf welche die Naturfotos in beeindruckender Qualität gedruckt sind und die ganz neue Sichtachsen und Raumperspektiven  schaffen, werden an Interessierte verkauft oder aber nach dem Schau-Ende an die Gemeinnutzige Beschäftigungs-Gesellschaft des SKFM Velbert weitergegeben, wo Taschen daraus gefertigt werden.

Im Abstand von zwei Jahren könnten sich Reich und Meyburg vorstellen, Folgeveranstaltungen zu organisieren. Beachtlich sind allerdings die nötigen Investitionen in niedriger vierstelliger Summe. Der Aufwand war durch einige Unterstützer und Förderer tragbar. Und falls die Zeiten je einfacher werden sollten, sind später einmal auch Konzerte, Lesungen und die Einbindung von Schulklassen auf dem Gedenkgelände denkbar.