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Freie Aktive Schulen Wülfrath nutzen Lockdown für neue Formate

Bildung in der Kalkstadt : Digitaler Unterricht mit prominenter Unterstützung

Das Lernen auf Distanz bietet nach Meinung von Jonas Röser auch Chancen. Der Musiker, der das Fach an den Freien Aktiven Schulen Wülfrath unterrichtet, lädt in seine digitalen Musikstunden Profis ein.

Natürlich freut sich Jonas Röser darauf, seine Schüler bald wieder vor Ort zu erleben. Den durch den Lockdown bedingten Distanzunterricht empfindet der Musiklehrer, der an den Freien Aktiven Schulen Wülfrath, kurz FASW, unterrichtet, aber nicht als Hürde. „Die Umstände sind, wie sie sind. Ich bin der Überzeugung, sie bieten auch eine Chance.“ Nämlich in allen Fächern neue Dinge auszuprobieren und das Lehrangebot zu erweitern. „Gerade im kreativen Bereich versuche ich, neue Wege zu gehen und Chancen abzutasten“, sagt er über die Idee, prominente Musiker in seinen Distanzunterricht einzubinden. Live-Chats, Video-Konferenzen oder die Erstellung eines Blogs gehören nun ebenso zum einerseits spielerischen Experiment wie technisch-pädagogischen Alltag der Schüler.

Zu Gast auf der Lernplattform war beispielsweise Oliver Henrich, der nicht erst seit seiner Teilnahme an der Castingshow „Voice of Germany“ als Lokalmatador in Wülfrath gefeiert wird. Nele Janning, einer der FASW-Schülerinnen, bereitete ein Interview mit dem Musiker vor. „Das ist halt der besondere Aspekt: Den Bogen zu schlagen aus der Theorie des Unterrichts in den praktischen Alltag eines Profis“, beschreibt der Lehrer den Hintergrund der Fragestunde.

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In einer weiteren Unterrichtseinheit war Frank Heim virtuell zu Gast. Der Bassist der Band Saltatio Mortis berichtete aus dem Alltag, wie eine Band funktioniert „und was man macht, wenn man einen Hit geschrieben hat“, erinnert sich Jonas Röser. Als nächstes ist Julia Lißel dabei. Die Musicalsängerin berichtet aus ihrem Alltag und wie es ist, unter den Lockdown-Bedingungen zu arbeiten. Letztlich, erklärt Jonas Röser, geht es jenseits der Vermittlung von Lerninhalten immer darum, „individuelles Interesse zu wecken“. Als Ergebnis des Gesprächs mit Frank Heim kam ein Schüler beispielsweise auf die Idee, ein mittelalterliches Instrument bauen zu wollen.

„Eine Herausforderung auch für mich“, gesteht Jonas Röser, dessen Ansatz ist, auf Augenhöhe zu vermitteln und zu lernen. „Also musste ich mich schlau machen, wie ein solches Instrument funktioniert.“ Dazu nahm er Kontakt mit Instrumentenbauern in Köln und dem Westerwald auf, „um solides Grundlagenwissen per Video an den Schüler leiten zu können“. „Probier Dich aus und trau’ Dich, eigene Wege zu gehen“, ist das Motto, nach dem der Musiklehrer versucht, seine Schüler zu begeistern.

Das Ergebnis ist, dass Fünft- und Sechstklässler gerade einen eigenen Song aufnehmen, andere im schuleigenen Makerspace (Englisch für offene Werkstatt) Instrumente basteln und eine weiter Gruppe an einer Dokumentation dieser Unterrichtseinheit arbeitet. „Wenn Unterricht vielschichtig ist, dann ist letztlich immer etwas dabei, das jeden Schüler begeistert.“