Freie Aktive Schule Wülfrath öffnete ihr beliebtes Repaircafé

Wülfrath : „Wir geben jedem Gerät noch eine Chance“

Die Freie Aktive Schule Wülfrath öffnete ihr beliebtes Repaircafé und hatte parallel zum Spendenflohmarkt eingeladen.

Die ältere Dame steht noch ein wenig verunsichert im Eingangsbereich der Werkstatt. „Bin ich hier richtig, ist das hier das Repaircafé?“, fragt sie schüchtern. Robert Freitag schraubt gerade am Rad eines defekten Pedalos und schaut auf. „Ja, wie können wir Ihnen helfen?“ Sie hält dem Geschäftsführer der FASW einen silbernen Radiowecker hin. „Das Gerät läuft soweit top, bis jetzt hat es auch immer die Uhrzeit leuchtend rot digital angezeigt, das funktioniert nicht mehr.“

Seit 2015 bietet die kleine Werkstatt der Schule einmal im Monat kostenlose kleinere Reparaturen für Kaffeemaschinen, Bügeleisen, Staubsauger, Wecker und tragbare Fernsehern an. „Alles, was man unterm Arm hierher transportieren kann, bekommt von uns eine zweite Chance“, erklärt Roland Härter, Vater von zwei Kindern an der FASW. Gemeinsam mit technikbegeisterten Kindern wird alles versucht, um einen Neukauf zu vermeiden. „In der heutigen Wegwerfgesellschaft hat das auch einen hohen pädagogischen Wert“, sagt Fachlehrer Mathias Wunderlich. Es gehe zum einen um die Werterhaltung, aber eigentlich um noch viel mehr. „Über den Bereich Handwerk und Technik können wir viele Schüler für Interesse an der Mathematik gewinnen.“

Draußen, auf dem großen Schulgelände, verkaufen Schüler, Eltern, Mitarbeiter an Ständen ausrangierte Sachen: Kinderkleidung, Spiele, Bücher, ein Reithelm wird angeboten und sogar ein Webstuhl. Lynn (8) verkauft Häkeltiere, niedliche Schweinchen, Mäuse, Bären und bunte Armbänder. „Das wurde alles in der Häkel-AG hergestellt“, weiß die Grundschülerin und schneidet dann ein Stück von dem Zitronenkuchen ab, der auf einem zweiten Tisch steht. „den haben wir in der Schule gebacken“, lässt sie die Kundin vor ihr wissen.

Zum dritten Mal veranstaltet die Schule ihren Spendenflohmarkt, informiert Pädagogin Susanne Keil, der größte Teil der Einnahmen fließe in die Schulkasse. „Wir haben damit beim letzten Mal den Kletterturm in der Grundschule mitfinanziert. Dieses Mal werden wir den Betrag wohl für die Verschönerung des Außengeländes und für Sportgeräte verwenden.“

Viele Besucher haben sich einen schattigen Platz gesucht, ein kleines Mädchen kämmt der soeben gekauften Barbiepuppe die Haare, andere Kind rutschen oder spielen fangen. Die Stimmung ist entspannt, während es im Repaircafé zur Sache geht: Der Radiowecker, rund 20 Jahre alt, wird von vier Männeraugen inspiziert, eine Erstanamnese soll erste Anhaltspunkte liefern, warum das Gerät die Uhrzeit verheimlicht. „Ich hatte mir tatsächlich einen Neuen gekauft“, erzählt die Wülfratherin, bevor es dem Wecker per Schraubenzieher nun ans Eingemachte geht, „aber bei der hellen Anzeige kann man doch nicht bei schlafen.“

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