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Dreieinhalb Stunden Comedy in Wülfrath vergehen wie im Flug

Ausgehen in der Kalkstadt : Dreieinhalb Stunden Comedy vergehen wie im Flug

Ein Akzent-übender Russe, ein gekidnappter Blinder, eine arbeitslose Musical-Darstellerin, ein depressiver Sänger und eine Perserin ohne Kopftuch unterhielten das Publikum im Paul-Ludowigs-Haus bestens.

Dreieinhalb Stunden Comedy: Bora-Ahmet Altun präsentiert seine Schlüssel-Comedy im Paul-Ludowigs-Haus mit zehn Künstlerinnen und Künstlern. Bisweilen scheint es, als spielten Minderheiten auf, wie ein Akzent-übender Russe, ein gekidnappter Blinder, eine arbeitslose Musical-Darstellerin, ein depressiver Sänger oder eine Perserin ohne Kopftuch. Das Geburtstagsspecial von Bora zeigt die Vielfalt von Comedy. Einen Zuschauerchor trällert Bora spontan ein „Happy Birthday“ Richtung Bühne, denn der Gastgeber wird 33.

Einer, der einzige mit Gitarre, verweigert ein Ständchen: Sebo Sam. Das passe nicht zu ihm. Der Melancholiker singt stattdessen über Suizid und Duschgel in einem Stück. Frauen hätte mehr Glück mit den Duschgel-Attributen als Männer, meint er. Daher sei die höhere Selbstmordrate bei Herren nicht verwunderlich. Sams Auftritt stimmt traurig, dennoch bringt er den gut gefüllten Saal zum Lachen.  

Das erreicht der erste Künstler des Abends mit Charme und Leichtigkeit: Vladimir Andrienko, dessen deutsche Sprache getrennt von ihm geboren wurde. Seinen russischen Akzent hat er mühsam in der Schule gelernt, erklärt der Sozialarbeiter. Möglich auch, dass seine Aussprache als phonetischer Herpes vom Nachbarn übergesprungen sei.

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Falls noch mehr Russen kommen, ist Tobias Rentzsch gewappnet. Seine Oma schenkt ihm regelmäßig Marmelade, selbstgemachte und gekaufte. Unterm Strich zu viele Gläser. Auf die Frage, warum sie das tue, antwortet diese „für schlechte Zeiten“. Die kennt der Mittzwanziger nicht und fragt nach. „Na, wenn die Russen kommen“, erklärt ihm seine Oma. Naiv, denkt er – Marmeladenbrote zu schmieren, wenn Herr Putin seine Leute schickt.

Die würde Timur Turga nicht sehen, denn der Comedian ist fast erblindet. Was andere als überzogene Hilfeleistungen bezeichnen würden, nennt er Kidnapping und verwandelt seine Geschichten in Komik. Beispielsweise scheint er häufig in den falschen Zug gezogen zu werden. Schräge Alltagsszenen, humoristisch aufgearbeitet und trocken erzählt. Eine großartige Premiere von Turga bei der Schlüssel-Comedy.

Bora – so hat sich im Laufe der Jahre herausgestellt - benötigt einen Sparringspartner, um seine Qualitäten zu zeigen. Den findet er in Negah Amiri. Die „verschimmelte“ (28 Jahre alt und Single) Iranerin sucht noch immer ihren Traummann. Bora hilft und macht sie mit dem AMG-Türken Machmud bekannt, der an diesem Abend leider nicht kommen kann. Zum einen sei die Eintrittskarte zu teuer, zum anderen habe er kein Geld zum Tanken.

Auch wenn er nicht dabei war: Die deutlich mehr als 100 Zuschauer lachen, klatschen, glucksen. Sie haben Spaß mit denen, die erstmalig bei der Schlüssel-Comedy auftreten. Und die alten Bekannten wie Tobi Freudenthal oder Der Storb rocken – wie immer – die Bühne. Dreieinhalb Stunden vergehen wie im Flug, nur der Rücken lacht nicht über die Stühle.