Die Wülfratherin Jennifer Stauff hat ihr Hobby zum Beruf gemacht

Wülfrath : Mit Nadel und Faden in die Selbstständigkeit

Mit ihrem Stofflädchen hat Jennifer Stauf ihr Hobby zum Beruf gemacht – auch, wenn sie dafür einige Umwege gehen musste.

Blaue Strümpfe, Sternohrringe und ein Kleid, das mit grünen Kakteen und anderen Sukkulenten bedruckt ist: Jennifer Stauf mag es bunt. Auch in ihrem Stofflädchen „Perlestar“ in der Wülfrather Innenstadt reihen sich pinkfarbene, blaue, grüne und gelbe Stoffballen aneinander. Kordeln in allen erdenklichen Farben füllen die Regale, gestreifte und gepunktete Kleider hängen in den Schaufenstern. „Ich steh’ nicht so auf Standard schwarz und weiß“, sagt die Ladenbesitzerin.

Seit zweieinhalb Jahren besitzt Stauf das gemütliche Stofflädchen in Wülfrath, eine weitere „Perle“ gibt es seit fünf Jahren in Velbert. „Wenn mir früher jemand gesagt hätte, dass ich später mal Stoffe verkaufe und damit erfolgreich bin – ich hätte der Person einen Vogel gezeigt“, sagt sie. Denn eigentlich hat sie Kommunikationsdesign studiert. Nach ihrem Abschluss arbeitete sie in einem Werbetechnikbetrieb, wurde dann aber schwanger und „aussortiert“. Mit Diplom und Kind sei sie laut Arbeitsamt schwer vermittelbar gewesen. Nach einer Weiterbildung stand sie vor der Wahl: Entweder sie macht sich selbstständig oder sie arbeitet in einer Werbeagentur. Allerdings erst ab 13 Uhr – wenn das Kind aus der Kita kommt.

Sie entschied sich für die Selbstständigkeit und konnte so nicht nur Zeit mir ihrem Sohn verbringen, sondern auch ihr Hobby zum Beruf machen: das Nähen. Schon ihr Studium finanzierte sie mit bunten, selbst genähten Taschen, die sie auf Kunsthandwerkermärkten verkaufte. Die Tätigkeit gab sie auch während ihres Vollzeitjobs im Werbetechnikbetrieb nicht auf. Nach und nach bekam sie mehr Anfragen, nähte irgendwann auch maßgeschneiderte Kleider, Wolljacken und Wohnaccessoires. „Der Großhändler, bei dem ich meine Stoffe gekauft habe, hat mich immer zur Selbstständigkeit ermutigt. Sechs Jahre hat er mich bequatscht. ‚Laber Rhabarber’ habe ich lange gedacht. Und jetzt stehe ich hier“, sagt sie und lacht. Auch ihr Großhändler habe sich kaum einkriegen können, als es endlich so weit war.

Ihre Entscheidung gegen die Werbebranche und für die Selbstständigkeit bereut sie nicht: „Ich habe so viel Spaß hier. Ich bin auch nicht der Bürotyp.“ Neben dem Verkauf von Stoffen und der Maßanfertigung von Kleidung bietet sie auch Nähkurse an. Und hat darin eine weitere Leidenschaft gefunden: „Ich dachte immer, ich wäre viel zu ungeduldig, anderen das Nähen beizubringen. Jetzt freue ich mich am meisten darauf.“

Zwei Abende die Woche verbringt sie damit, ihren Kundinnen den Umgang mit Schnittmustern, Nähmaschine und Stoffen nahe zu bringen. Aus den Teilnehmerinnen sind mittlerweile gute Bekannte geworden: „Wenn wir nicht nähen, dann lachen wir.“ Abgesehen vom geselligen Miteinander gefalle ihr der schnelle Fortschritt ihrer Schneiderlehrlinge: „Die gehen hier beim ersten Mal natürlich nicht mit einem Ballkleid raus. Aber ich achte darauf, dass sie am Ende des Kurses etwas Fertiges in der Hand halten“, sagt Stauf. Das kann beim ersten Mal ein einfacher Shopper sein und beim letzten Mal eine Hose.

Mit ihrem Konzept liegt die 35-Jährige im Trend: Nachhaltigkeit, das bedeutet auch, Kleidung selbst zu nähen, zu reparieren und wiederzuverwenden. Während ihres Studiums sei sie aufgrund ihres Hobbies häufig belächelt worden: „Fängst du jetzt auch an zu nähen wie deine Oma? wurde ich oft gefragt. Schön, dass sich das gewandelt hat“, sagt sie. Jedoch müsse sich noch einiges tun. Viele seien nicht bereit, für ein selbst genähtes Kleid 69 Euro auszugeben und würden sich bei Billigketten einkleiden. Dabei sei Selbstgenähtes viel langlebiger: „Meinen ersten Rock habe ich 2008 genäht – den habe ich immer noch“, sagt sie.

(Danina Esau )