Der Wülfrather Dirk Schlüter ist ein Jäger der verborgenen Whisky-Schätze

Wülfrather Fachgeschäft : Jäger der verborgenen Whisk(e)y-Schätze

Für Kenner und Händler Dirk Schlüter wird es immer schwieriger, an alte und seltene Tropfen heranzukommen.

Whisky ist nicht gleich Whisky, weiß Dirk Schlüter, Inhaber des Genießertreffs in Wülfrath. Schon allein in der Schreibweise unterscheidet man den schottischen und kanadischen Whisky von dem irischen und amerikanischen Whiskey.

Seit 15 Jahren beschäftigt sich Schlüter mit der vielfältigen Spirituose, zu Beginn eher zufällig: „Früher haben mein Vater und ich hier nur hochwertige Tabakwaren verkauft und regelmäßig Zigarrenabende veranstaltet. Wir wollten unseren Gästen ein begleitendes Getränk anbieten – und was passt besser zu Zigarren als Whisky?“ Mit 20 Flaschen fing er damals an, „08/15-Whiskeys, die es auch im Handel zu kaufen gab“. Als 2013 dann das Rauchverbot eingeführt wurde, begann er, sich „ins Whisky-Geschäft reinzuknien“. Mittlerweile besitzt er über 500 zum teil rare Flaschen.

Statt Zigarrenabenden bietet er nun Whisky-Tastings an, die so gut wie immer ausgebucht sind. Sein Geheimnis: „Es darf nicht langweilig werden“. Für die einmal im Monat stattfindenden Probierabende lässt er sich immer etwas Neues einfallen. So fand beispielsweise am 6. Dezember ein Tasting mit Maggy Miller, der „Grand Dame der deutschen Whisky-Szene“ statt.

Sie brachte die letzten Flaschen ihres verstorbenen schottischen Ehemannes aus den 70er, 80er und 90er Jahren mit, die zwischen elf und 38 Jahre Lagerzeit hinter sich haben. Für viele ein unwichtiges Detail, für Kenner ein Highlight: „So einen Whisky wird es in der Form nie wieder geben.“

Um sich abzuheben und außergewöhnliche Sorten anzubieten, steckt Schlüter viel Zeit in sein Hobby. Einmal im Jahr fährt er für drei Tage nach Bruichladdich in Schottland, um dort mit weiteren Händlern verschiedene Whiskys auszuprobieren und die besten mit nach Deutschland zu bringen. „Wenn wir zu sechst oder siebt sind, sucht sich jeder ein Fass aus. Dann werden sie in Flaschen abgefüllt und untereinander verteilt. So kann jeder von uns verschiedene Geschmacksrichtungen anbieten.“

Leider werde es immer schwieriger, an die seltensten und ältesten Whiskys heranzukommen. In den letzten Jahren sei es häufig vorgekommen, dass viele Sorten bereits ausverkauft waren. „Auf dem asiatischen Markt boomt das Geschäft zur Zeit. Die zahlen ohne mit der Wimper zu zucken zehn bis 20 Prozent mehr“, erklärt Schlüter. Und so entwickele sich das Geschäft seit Jahren in eine Richtung, die ihm nicht gefalle.

„Die Jagd ist oft wichtiger als das Trinken selber“. Außerdem würden durch die begrenzte Menge die Preise immer weiter angehoben, einen guten Whisky für 30 Euro zu finden, sei heute nicht mehr möglich. „Schade“ findet das Schlüter, denn dadurch werde  das Klischee bestätigt, Whisky sei nur ein Luxus für die Oberklasse.

Vom neu entfachten Hype, Whisky selber zu brennen, hält er nicht allzu viel. „In Deutschland gibt es mittlerweile mehr Whisky-Brennereien als in Schottland. Aber die Schotten profitieren eben immer noch von ihrer langen Tradition“, sagt der Fachmann.