Der Englisch-Stammtisch in Wülfrath hat Tradition.

Wülfrath : It’s Teatime im Café Schwan

Regelmäßig einmal im Monat treffen sich Wülfrather, die eine Affinität zu England und der englischen Sprache haben.

Sie heißen nicht „Peter, Paul and Mary“- wie in den handelsüblichen Schulenglischbüchern -, sondern Siggi, Brigitte oder Mansur, und sie sind auch keine waschechten Engländer, sondern Wülfrather, die sich „very amused“ einmal im Monat zum abendlichen Englisch-Stammtisch im gemütlichen Café Schwan an der Schwanenstraße treffen. Diesmal hat Initiatorin Rita Bondsfield-Atteln als Thema den Unterhaltungsbereich ausgewählt: Which music, which entertainment do you like and why? Welche Musik mögt Ihr, welche Art der Unterhaltung?

Die etwa 15 Anwesenden an der langen Tischtafel überlegen kurz, Claudia rührt nachdenklich in ihrer großen Tasse Tee mit Milch, Mansur, der das erste Mal dabei ist, hat direkt eine Eingebung. „I like Gary Moore very much“, sagt er langsam und gewählt und noch ein wenig unsicher, aber das freundliche zugewandte Nicken und Lächeln und das aufmerksame Zuhören der anderen machen Mut, „I like the way he plays the guitar and I love his song ,Still got the blues for you’ very much.“

Die anderen Teilnehmer können das gut nachvollziehen. „Oh yes, I like him, too“, schwärmt eine Frau am anderen Ende der Tischtafel, „It is a wonderful lovesong“, ergänzt eine andere. Alle sind, mit wenigen Ausnahmen, ungefähr eine Generation, zwischen 50 und 60 Jahren, viele kommen regelmäßig zu diesem britischen Beieinandersein, bei dem es immer wieder viel zu erzählen gibt, auch viele Anekdoten rund um das vereinigte Königreich. „You know, in the earlier days, people had lunch at twelve and dinner at ten in the evening. So everybody got hungry between, and that is the reason, why british people have their tea time at five o clock”, erzählt Rita Bondsfield-Atteln. (Übersetzung: früher haben die Menschen in England schon um 12 Uhr zu Mittag und erst um 22 Uhr zu Abend gegessen. Da hatten die Leute natürlich immer Hunger zwischendurch, und so entstand die typische 17 Uhr Teatime).

2006 eröffnete Rita Bondsfield-Atteln, die Witwe eines Engländers, ihren kleinen Lernladen „Mrs. Bondsfield“ an der Wilhelmstraße, inzwischen kommen Sprachinteressierte aus dem gesamten Bergischen Land nach Wülfrath, um sich von der fröhlichen und unkonventionellen gelernten Sprachlehrerin und Dolmetscherin ihr ganz individuell benötigtes Englisch-Know-How beibringen zu lassen, ganz egal ob Basiswissen oder hochwissenschaftliches Wirtschaftsenglisch. Und doch muss auch Mrs. Bondsfield schon mal linguistische Hilfe in Anspruch nehmen. „Was heißt eigentlich aus dem Nähkästchen plaudern?“, möchte eine Teilnehmerin an diesem Abend wissen. Rita Bondsfield-Atteln überlegt kurz. „Oh dear! What a question! One moment, let me see what google tells me“, sagt sie in feinstem Adelsenglisch und zückt das Smartphone. „Google tells me, it is: ,to chat out of a sewing box’.”

Es wird viel gelacht an diesem Abend, jeder hilft jedem die passenden Worte zu finden, so gut es geht. „Es macht einfach unheimlich viel Freude, sein Englisch in diesem Rahmen aufzubessern“, schwärmt Claudia, und auch Mansur scheint nach anfänglicher Skepsis nun aufgetaut zu sein. „Ich finde es schön hier“, sagt er in gebrochenem Deutsch und lächelt in die Runde, „Ich komme sehr gerne wieder. Very, very nice people.“

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