Das Gelände des alten Wülfrather Bahnhofs wird entwickelt.

Wülfrath: Stadt entwickelt das Bahnhofsareal

Jahrelang ist nichts passiert. Doch jetzt will die Bahn der Stadt Wülfrath nahezu 2,5 Hektar Brachfläche verkaufen. Wirtschaftsförderer Niemann und Kämmerer Ritsche appellieren an die Politik, bei der Offerte zuzugreifen.

Das alte Bahnsignal, übrig geblieben und längst zugewuchert von meterhohem Gebüsch, steht auf Stopp. Auf dem ehemaligen Gelände des alten Wülfrather Bahnhofs ist die Zeit stehen geblieben. Seit langem schon ist hier kein Zug mehr eingefahren. Das über vier Hektar große Areal wirkt wie eine vergessene Brache. Doch das Gegenteil ist der Fall: Wülfrath will jetzt den Flächenanteil der Bahn, den diese der Stadt veräußern will, kaufen – immerhin nahezu 2,5 Hektar. Dringend benötigte Gewerbeflächen sollen an der städtebaulich prägenden Stelle am östlichen Eingang zur Innenstadt entstehen.

Trotz aller Kosten sei dies eine große Chance und eine spannende Perspektive, warb Wirtschaftsförderer Karsten Niemann nun im Ausschuss für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung für den Kauf.

Die Politik wertete dies ganz ähnlich während der Debatte im Rathaus-Sitzungssaal. „Sind wir Eigentümer der Fläche, können wir ganz anders gestalten“, erklärte Ausschuss-Vorsitzender Axel Welp (SPD).

Axel Effert (CDU) begrüßte, dass nach Jahren des Stillstandes das Areal endlich angepackt werde. „Das Schlimmste für das Gelände ist, dass nichts passiert.“

Eine Herausforderung ist es aber allemal, die alte Bahnhofsfläche am Panoramaradweg für eine neue Nutzung aufzubereiten. Schwierigkeit ist nicht nur der Höhenunterschied von fünf Metern mit dem Plateau in der Mitte. Auch Altlasten sind zu berücksichtigen und Flächen für die „Circle Line“ zwingend vorzuhalten, falls die Bahnlinie eines Tages doch noch Realität werden sollte. Auch wenn daran heute keiner mehr so recht glauben mag.

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Zwei Konzepte, ausgehend von einem Kreisverkehr auf der Mettmanner Straße, um das neue Gewerbegebiet zu erschließen, hat ein Planungsbüro ausgearbeitet. Bei der ersten Idee wird eine neue Planstraße in nördlicher Richtung auf die Röntgenstraße geführt. Zudem wird – zumindest planerisch – eine neue Bahngleisanlage vorgesehen, die im nördlichen Bereich in Tieflage verläuft. Überhaupt ist die für die „Circle Line“ vorzuhaltende Gleistrasse möglichst weit nach Norden verschoben, um südlich angrenzend ausreichend Gewerbegrundstücke vorsehen zu können.

Bei Planungsidee zwei ist es umgekehrt und die zu berücksichtigende Fläche für die „Circle Line“ nach Süden verschoben, um nördlich angrenzend möglichst große Flächen für Gewerbegrundstücke zu erhalten. Beide Varianten haben Vor- und Nachtteile, erfordern unterschiedliche Erdbewegungen und Gestaltungskonzepte, erzeugen aber in jedem Fall erhebliche Kosten: 1,25 beziehungsweise 1,4 Millionen Euro.

Die Entwicklung des Geländes sei möglich, wenngleich dies eine Stange Geld erfordere, betonte Kämmerer Rainer Ritsche. Auch er warb, bei der Verkaufsofferte der Bahn zuzugreifen und das Grundstück des alten Bahnhofs zu erwerben. Die Stadt wolle nicht das dicke Geschäft machen. Wülfraths Interesse sei vielmehr, die Fläche in städtischen Händen vernünftig zu entwickeln, um langfristig Gewerbesteuererträge zu erzielen.

Die Zeit drängt. Erst kürzlich konnte die Kalkstadt einem ansiedlungsinteressierten größeren Unternehmen, das viel Geld in die Gewerbesteuerkasse gespült hätte, keine entsprechende Fläche anbieten.