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Berufungsrichter schickt 20-jährigen Wülfrather in Dauerarrest

Schlägerei in der Disko : Berufungsrichter schickt 20-jährigen Wülfrather in Dauerarrest

Am Ende half all das Jammern und Klagen nichts: Der Berufungsrichter bestätigte das erstinstanzliche Urteil und schickte den Angeklagten für zwei Wochen in die Zelle. Der hatte zuvor noch alle Hebel in Bewegung gesetzt, um den vom Amtsgericht gegen ihn verhängten Dauerarrest zu verhindern.

Seit er wisse, dass er schon wieder hinter verschlossenen Türen eingesperrt werden solle, habe er Alpträume. Die zwei Tage, die er dort bereits wegen Betruges und Erpressung habe verbringen müssen, hätten ihm gereicht. Spärliche Beleuchtung und das Fenster lässt sich nicht öffnen? All das wird der 20-jährige Wülfrather nun noch einmal erleben, und das zwei Wochen lang. Die Hoffnung des Gerichts: Dass der Heranwachsende dann „geläutert“ ist und die kriminellen Gleise verlässt.

Der junge Mann hatte sich zuvor hingegen keineswegs auf der schiefen Bahn gesehen. Er habe sich bislang eigentlich überhaupt nichts zuschulden kommen lassen. Die Sache mit den Faustschlägen in der Diskothek in Oberhausen? Das sei reine Notwehr gewesen und die vermeintlichen Opfer seien es dazu auch noch selbst gewesen, die ihn zuerst angepöbelt hätten. Eine der beiden 18 und 19 Jahre Schwestern soll ihm – am Ausgang stehend – gesagt haben: „Was guckst Du so blöd. Ich hau Dir gleich deine Brille platt.“ Wohlgemerkt: Zur Verhandlung war der Angeklagte ohne Sehhilfe erschienen. Vergessen, oder er hat gar keine Brille? Wir wissen es nicht. Unstrittig war hingegen von Beginn an: Die Faust des Angeklagten hatte die beiden Frauen im Gesicht verletzt.

Die jüngere der Schwestern soll er dazu noch bespuckt und die Ältere krankenhausreif geschlagen haben. Am Ende soll sie bewusstlos am Boden gelegen haben und erst im Krankenwagen wieder aufgewacht sein. Die Hand gebrochen, drei Tage im Krankenhaus, den Arm in Gips und dazu noch acht Wochen arbeitsunfähig: Die Folgen des Diskobesuchs wogen für die 19-Jährige schwer. Hinzu sei über Monate hinweg die Angst gekommen, abends allein die Wohnung zu verlassen.

Glaubt man den Aussagen des Angeklagten, so soll ihn die ganze Sache auch selbst ins Krankenhaus gebracht haben. Nach der Rangelei mit den Schwestern sollen mehrere Disko-Besucher auf ihn losgegangen sein, darunter auch die Freunde der beiden Opfer. Mindestens fünf Angreifer sollen ihn mit Schlägen und Tritten derart zugerichtet haben, dass er mit den Verletzungen noch in der Nacht in die Notaufnahme habe gehen müssen.

Und auch hier hörte die Kammer wieder die gleichen Beteuerungen: Er sei niemals jemandem zu nahe getreten und habe bislang nie Ärger gehabt. Dass es sich nicht um Körperverletzung und Beleidigung, sondern allenfalls um Notwehr gehandelt habe: Dass glaubte ihm der Richter allerdings nicht. Die Berufung wurde verworfen, der Wülfrather wird die zwei Wochen im Dauerarrest wohl oder übel absitzen müssen.