Bei Miss Allie wird Witz zur Therapie

Wülfrath : Bei Miss Allie wird Witz zur Therapie

Die nur 1,54 Meter große Sängerin begeistert mit Charme, Tiefgang und Lebenslust.

(dani) Vermutlich sind die allermeisten der männlichen Besucher vom Würg-Konzertabend mit Miss Allie emotional ziemlich beschwipst und ein klitzekleines bisschen verliebt in diese unfassbar kecke, süße Powerfrau mit dem strahlenden Lächeln und den blitzenden Augen. Und Miss Allie – eigentlich Elisa Hantsch aus Lüneburg – weiß das offensichtlich ganz genau. Sie spielt und flirtet, was das Zeug hält, macht aber zeitgleich auf ihre ganz eigene, liebevoll-freche und zynische Art klar, was sie von den Kerlen dieser Welt bislang zumindest gehalten hat, nämlich: nix. Und genau das ist der Grund, warum sie ihr Herz irgendwann in die Toilette gespült hat und glaubt, sich so nun vor weitere Enttäuschungen schützen zu können.

Jedem einzelnen Mann in ihrem noch jungen Leben habe sie ein eigenes Lied gewidmet, erzählt sie, und so erfahren die rund 80 Besucher des WüRG-Hauses – „Würgerinnen und Würger“, wie sie liebevoll von Miss Allie genannt werden – dass der Australier an ihrer Seite sich mehr dem Schweinesteak als der eigenen Fleischeslust gewidmet habe, der Therapeut ihr High Heels, also hohe Absätze empfohlen hat, und der betrunkene Schlossermeister im Irish Pub glaubt, mit der „kleinen Süssen“ habe er ein leichtes Spiel.

Ja, und dann ist da noch der Frauennichtversteher Dieter, dem eine Fee ein Zyklustagebuch auferlegt. All das klingt komprimiert, so reduziert sinnlos und gewollt albern. Wer aber den frechen, den ironischen und oft sehr klugen Worten und dem unfassbar grandiosen mimischen Spiel von Miss Allie folgt, merkt sehr schnell: Diese sprudelnde Powerfrau ist ein Wortgenie, ein Gefühlsakrobat, eine grandiose Musikerin. Ihr Gesang reicht von prolligem Gegröle über rockige Klänge bis zu allerzartesten Tönen. Denn die Liedermacherin kann auch leise und: liebevoll. Schließlich gibt es im Leben der kleinen, frechen Musikerin doch ganze zwei Männer, die sie sehr lieb hat. Ein Liebeslied widmet sie denn auch ihrem „Papa“, ein anderes ihrem frisch verheiratetem Bruder.

Zweieinhalb Stunden gehen so schnell vorbei mit Miss Allie, die einfach nur so da steht mit ihrer Akustikgitarre, ihrem frechen Mundwerk, ihrem einnehmenden Lachen und der großartigen Stimme. Und letztlich reift die Erkenntnis: Eigentlich geht es doch gar nicht um das, was andere mit einem machen, sondern nur um die eigenen Liebe zu sich selbst. „Herz, du kleine Sau“, ruft die vielgebuchte Künstlerin liebevoll in den Abend hinein und hält damit, was sie zu Beginn des Abends versprochen hat: „Ein Konzert von mir hat immer etwas Therapeutisches. Für mich rund 135 Mal im Jahr.“

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