Bayerischer Verein spielt Glocken in Wülfrath

Wülfrath: Die Bayern lassen die Glocken läuten

Regelmäßig treffen sich die Bayerischen Landsleute, um ihr Brauchtum zu pflegen. Nur noch 22 Mitglieder sind übrig geblieben

Als nach dem Zweiten Weltkrieg nicht nur Italiener, sondern auch Bayern nach Wülfrath einwanderten, um in den Rheinischen Kalksteinwerken Arbeit zu finden, brachten sie ihre Kultur mit. Im traditionell protestantischen Städtchen gab es nun eine katholische Gemeinde, die sich eine eigene Kirche baute, und ein Bayerischer Heimatverein entstand. Den gibt es heute noch, und er trifft sich jeden Mittwochabend, um gemeinsam Musik zu machen und sich bei (alkoholfreiem) Weißbier auszutauschen.

Der „Verein Bayerische Landsleute Wülfrath“ hat zwar nur noch 22 Mitglieder, davon sechs bis acht aktive, doch die halten eisern an der Tradition fest. Neben den wöchentlichen Stammtischen gibt es monatliche Versammlungen, gelegentliche Ausflüge, und man zeigt bei verschiedenen lokalen Festen Präsenz. So halten die „Bayern“ jedes Jahr zum Volkstrauertag die Fahne für die gefallenen Kameraden hoch, treten beim Schützenfest auf und nahmen zuletzt an der Wiedereröffnung des Zeittunnels teil. Der heutige Vorsitzende Johann Ernst ist kein „richtiger“ Bayer, sondern sagt von sich, er sei „auf dem zweiten Bildungsweg“ dahin gekommen. Immerhin, seine Frau und Schriftführerein Elke Birkelbach-Ernst hat bayerische Wurzeln durch ihre Mutter Irene Wolski, die in München geboren ist.

Zu den Stammtischen erscheinen alle Mitglieder in bayerischer Tracht und bringen ihre Instrumente mit: Akkordeon, Tenorhörner, mehrstimmige Mundharmonika und, ganz wichtig,: rund 50 Mini-Kuhglocken in allen Größen und Tonlagen. „Früher haben wir auch geschuhplattelt, aber heute sind wir zu alt dafür geworden“ sagt Johann Ernst. „Heute machen wir nur noch Musik.“

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Dabei treffen süddeutsche Klänge auf westdeutsches Liedgut. Es gibt keine Berührungsängste, wenn auf bayerischen Instrumenten das Bergmannslied „Glück auf, Glück auf“ gespielt wird. Das Glockenspiel ist die besondere Herausforderung: auch wenn ein langsamer Takt angeschlagen wird, erfordert es doch eine hohe Konzentration, wenn Elke Birkelbach und Sohn Peter in Sekundenbruchteilen die richtige Glocke finden, aufheben, schütteln und wieder hinstellen müssen. Zusammen mit den Tenorhörnern von Manfred Müller und Johann Ernst sowie der Harmonika von Alfred Ottl ergibt sich ein ungewöhnlicher, aber raumgreifender Klang, der vor allem live seine Wirkung entfaltet.

Die Mitglieder nennen ihre wöchentlichen Treffen „Proben“, so dass dem gegenüber auch „Auftritte“ stehen müssten. Die finden bei gegenseitigen Besuchen auf Festen befreundeter Vereine statt, die alle im „Verband der Bayerischen Trachtengaue außerhalb Bayerns“ organisiert sind. „Wenn mer da vor 200 Leit in Lederhosn spuiln, des is scho geil“ sagt Ur-Bayer Alexander Donat, der der Liebe wegen nach Wülfrath gekommen ist. Man trifft sich übrigens seit 2015 nicht mehr in Wülfrath, „weil da nix mehr los war“, sagt Johann Ernst. Rund 30 Jahre war man in der Aula der Hauptschule Wolverothe, dann 16 Jahre im „Zur Deutschen Flotte“. Als auch dieses 2014 geschlossen wurde, hatte Hans Ederer (86), ältestes Mitglied, die Idee, nach Wuppertal-Dornap auszuweichen. Im Gasthaus „Kantine“ ist immer ein Raum für sie offen, und nach getaner Arbeit kann man dort vorzüglich Schnitzel essen. Den höchsten Mitgliederstand hatte der Verein 1975 mit 60 Nasen. Es wäre schön, wenn wieder jüngere Bayern oder solche, die es gerne wären, dazu stoßen würden.

(tpp)