Willich: Zurück in die Zukunft

Willich: Zurück in die Zukunft

Auf Kopenhagens Straßen machte Christian Falsnaes seine ersten künstlerischen Schritte. Er mochte die Öffentlichkeit und die Begegnung mit den Passanten. Mit Performances und Interaktionen entwickelte sich früh die DNA seiner Kunst. Das Kaiser-Wilhelm-Museum knüpft mit der Präsentation seiner Installationen an eine große Tradition an.

Der studierte Philosoph Christian Falsnaes gehört zu einer jungen Generation von Künstlern, die mit multimedialen Performances experimentieren. Der in Berlin lebende Däne fesselt mit seinen Performances und multimedialen Installationen ein internationales Publikum. In Krefeld präsentiert er ab morgen im Kaiser-Wilhelm-Museum seine erste groß angelegte Einzelausstellung. Damit knüpfen die Kunstmuseen Krefeld an ihre lange Tradition der Projekte an, bei denen sich die Besucher beteiligen können.

Weltbekannte Protagonisten wie Joseph Beuys, Yves Klein oder Franz Erhard Walther haben über die Jahrzehnte mit ortsbezogenen Performances in Krefeld gearbeitet - genau das entspricht auch dem Konzept des 1980 geborenen Dänen. "Mit Christian Falsnaes bewegen wir uns zurück in die Zukunft", erklärt Museumsdirektorin Katia Baudin. "Die Kunstmuseen waren immer sehr experimentierfreudig und eine Hochburg der ortsspezifischen Kunst. Als Kind der virtuellen Zeit entwickelt Falsnaes aus dieser Vergangenheit heraus Perspektiven für die Zukunft."

Christian Falsnaes lebt und arbeitet in Berlin. Foto: Thomas lammertz

In der Krefelder Ausstellung führt er acht Arbeiten zu einer beeindruckenden Inszenierung zusammen. Für Krefeld hat er eigens zwei neue realisiert. "Jedes der acht Werke steht für ein anderes Modell des Zusammenspiels zwischen dem Künstler und seinem Publikum", berichtet Sylvia Martin, Kuratorin und stellvertretende Museumsleiterin. Die Arbeit "Available" gibt den Besuchern die Möglichkeit, mit dem Künstler zu sprechen. Über ein Telefon erhalten sie von Falsnaes Anweisungen, wie sie sich in den Ausstellungsräumen bewegen, was sie tun sollen.

"Für mich ist das eine tolle Möglichkeit, einen Überblick über mein Werk zu zeigen und einen roten Faden zwischen den unterschiedlichen Strategien herauszuarbeiten", betont der Künstler. In vielen seiner Arbeiten kommt moderne Technik zum Einsatz. Oftmals übernimmt der Besucher selbst eine Rolle in der Erschaffung des Kunstwerks. So ist es zum Beispiel in der titelgebenden Arbeit "Force". Um den entsprechenden Ausstellungsraum betreten zu können, müssen sich die Besucher in einen schwarzen Ganzkörperanzug hüllen. Hinter einem Vorhang finden sie einen komplett weißen Raum, in dem sie sich selbst und einander in einem riesigen Spiegel betrachten können. "Die individuelle Identität wird durch das vollkommen schwarze Kostüm ausgelöscht", erklärt Falsnaes. "Die Besucher schaffen selbst die Bilder, die sie betrachten."

  • Krefeld : Zurück in die Zukunft

Ein ähnliches Prinzip gilt bei "Feed". Hier wird man in einem abgedunkelten Raum von einem Kamerateam empfangen, das genaue Handlungsanweisungen gibt. Die Bilder, die dabei entstehen, werden live auf eine Großbildleinwand projiziert, allerdings weder mitgeschnitten noch in ein Medium übertragen. Die Fremd- und die Selbstinszenierung ereignen sich nur im jeweiligen Moment - ohne Nachhall im virtuellen Raum oder in den sozialen Medien.

"Aktion und Reflexion geschehen im gleichen Moment - das hilft uns, Facetten unserer eigenen Emotion zu erkunden", sagt Sylvia Martin. "Wenn kein Besucher anwesend ist, existiert das Kunstwerk nicht."

Zum Krefelder Säulenheiligen Joseph Beuys verbindet Falsnaes nach eigener Aussage "eine eigenartige Hassliebe". Er sieht ihn als "machtvollen, autoritären, weißen, männlichen Künstler", der in seinen Arbeiten immer auch eine Hierarchie zum Ausdruck gebracht habe.

Die Ausstellung "Force" von Christian Falsnaes ist bis zum 24. Juni m Kaiser-Wilhelm-Museum Krefeld, Joseph Beuys-Platz 1, zu sehen.

(sti)