Zum 19. Mal führte der Förderverein Willicher MusikProjekt seine Matinee im Schloss Neersen durch

Förderverein Willicher MusikProjekt : Matinee im Schloss: Virtuosität wurde nicht zum Selbstzweck

Zum 19. Mal führte der Förderverein Willicher MusikProjekt seine Matinee im Schloss Neersen durch. Da war in den vergangenen Jahren viel Qualität zu hören, und das war auch diesmal so. Die Solistin Julia Golkovaya wurde im russischen St.

Petersburg geboren. Dort debütierte sie als Zehnjährige mit einem Klavierkonzert von Joseph Haydn und besuchte am Konservatorium erfolgreich eine Spezialmusikschule für begabte Kinder. Aber eine weite Anreise nach Neersen hatte sie nicht. Nach einem Aufbaustudium in Deutschland ließ sie sich in unserer Region nieder. An der Düsseldorfer Robert-Schumann- Hochschule ist sie als Dozentin für Klavier und Korrepetition tätig.

Beethovens Klaviersonate Op. 31 Nr. 2 wird auch „Der Sturm“ genannt. Die Pianistin spielte sie so, dass der Name einleuchtete. Das Aufgewühlte, eben Stürmische dieses Werkes wurde zum Klingen gebracht. Bei Beethoven kommen normalerweise auch gegensätzliche Stimmungen zum Zuge, das ist auch für diese Sonate typisch. Da klingt es schon einmal eher leise fragend. Sensibel arbeitete Golkovaya die Gegensätze des Werkes heraus.

In eine andere musikalische Welt führten zwölf ausgesuchte Préludes (aus Op. 28). Da stand mal zarte Empfindung im Mittelpunkt, mal Verspieltes, mal Kraftvolles. Auch hier wurde die souveräne Virtuosität nicht zum Selbstzweck. Die unterschiedlichen Facetten Chopins wurden deutlich herausgehoben. Einfühlsam erklangen die Melodiebögen.

Johannes Brahms war ein Johann-Strauß-Fan. So verwundert es nicht, dass er selber auch einige Walzer schrieb. Die klingen durchaus anders als die des Walzerkönigs, ganz in Brahms‘ eigenem, empfindsamem Stil. Dass sie für Klavier zu vier Händen geschrieben sind, war kein Problem. Klaus Peter Pfeifer, der Leiter des Willicher Musikprojekts und Kantor der Emmaus-Kirchengemeinde Willich, griff selbst in die Tasten. Das Duo Golkhovaya/Pfeifer fand schnell die Sympathien der Zuhörer mit sechs Walzern aus der Feder von Brahms.

Bevor das gelungene Konzert mit vier Intermezzi von Brahms und Debussys spielerisch-lebhafter „Insel der Freude“ (L‘Isle Joyeuse) zu Ende ging, gab es einen Einblick in die aktuelle Probenarbeit. Von Golkovaya begleitet, trugen Mitlieder des Willicher Musikprojekts unter Pfeifers Leitung den ersten Satz aus Brahms’ Deutschem Requiem vor. Das wird im November aufgeführt. Die Termine sollte man sich jetzt schon merken: am 8. November um 20 Uhr in der Anrather St.-Johannes-Baptist-Pfarrkirche und am 17. November um 18 Uhr in der Krefelder Friedenskirche.

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