Stadt Willich: Zu wenige Kita-Plätze in Neersen

Stadt Willich : Zu wenige Kita-Plätze in Neersen

Wie groß ist der Bedarf an Kita-Plätzen in den einzelnen Stadtteilen? Die Verwaltung stellte jetzt ihre Prognose für die nächsten beiden Kindergarten-Jahre vor. Einige Kinder aus Neersen sollen nach Schiefbahn ausweichen.

Michael Süßbeck nahm kein Blatt vor den Mund: "Neersen ist der kritischste Standort." Süßbeck, bei der Stadt Willich zuständig für die Planung und Aufteilung der Kindergartenplätze, stellte im Jugendhilfeausschuss die Kindergartenbedarfsplanung für das im Sommer beginnende Kindergartenjahr sowie das Folgejahr vor. Die Stadt rechnet damit, dass insgesamt 1743 Plätze benötigt werden - davon 502 Plätze für unter Dreijährige und 1241 für über Dreijährige. In Alt-Willich sind 39 Gruppen vorgesehen, in Anrath 16, in Schiefbahn 13 und in Neersen 10.

Im Ergebnis werden aber in ganzen Stadtgebiet im Bereich der unter-dreijährigen Kinder in diesem und im nächsten Jahr 60 Plätze fehlen. Bezogen auf Neersen fehlen dabei in diesem Jahr acht Plätze. Das erklärt sich daraus, dass in der Kita Bengdbruchstraße bereits eine fünfte Gruppe gestartet ist und dass die Dependance im früheren Pfarrheim "die Brücke" nur noch ein Jahr möglich ist. Sie entfällt definitiv ab 2016. Daher werden dann in Neersen 20 Plätze für Kinder unter drei Jahren fehlen.

Im Bereich der über Dreijährigen fehlen in Neersen in diesem Jahr acht Plätze - obwohl die Stadt und die Träger das gesetzlich zugelassene Instrument der Überbelegung nutzen: Stadtweit wird fast jede Gruppe ein Kind mehr als regulär vorgesehen haben - insgesamt entstehen so 77 zusätzliche Plätze. 2016/2017 rechnet Süßbeck mit einem Fehlbedarf von 27 Plätzen in Neersen - wobei dabei die Möglichkeit der Überbelegung noch nicht eingerechnet ist.

Dr. Robert Brintrup (CDU) fand die Auskunft "unzureichend. Was gedenken Sie zu tun?" Um die Situation in Neersen zu entschärfen, werde die Verwaltung versuchen, Kinder aus Neersen in Schiefbahner Kindertageseinrichtungen unterzubringen - sie habe in früheren Jahren den umgekehrten Weg auch schon mit Eltern aus Schiefbahn gemacht, so Süßbeck. Eine Vergrößerung der Kita Pappelallee sei unmöglich, eventuell gelte es zu überdenken, ob die Bengdbruchstraße noch vergrößerbar wäre.

Der Ausschussvorsitzende Dietmar Winkels sah im Moment die Situation nicht so angespannt: "Wir hatten schon früher solche Szenarien, und sie wurden durch Geduld und Sorgfalt gelöst."

Auf jeden Fall will sich die Stadt auf die nächsten Jahre gut vorbereiten. Als nächsten Tagesordnungspunkt stellte sie die Idee vor, eine "Bedarfsabfrage Kinderbetreuung" durch ein Fach-Institut machen zu lassen. Weil in Willich Tagespflege, Tageseinrichtung und Offene Ganztagsgrundschulen verzahnt seien, solle eine Vollerhebung unter allen Kindern bis zum zweiten Schuljahr durchgeführt werden.

Dazu hatte die SPD noch einen Erweiterungsantrag gestellt: Sie möchte unter anderem herausfinden lassen, ob es zusätzliche Betreuungsbedarfe in Randzeiten (vor 7.30 Uhr und nach 16.30 Uhr) gibt, die vom bisherigen Angebot noch nicht abgedeckt werden. Außerdem soll untersucht werden, wie Träger und Einrichtungen mit der Möglichkeit umgehen, dass Eltern die Betreuungszeiten auch unterschiedlich auf die Wochentage verteilen können. Weitere Fragen: Welche Rolle kommt künftig der Forderung nach Inklusion zu, und wie gestaltet sich der Betreuungsbedarf während der planmäßigen Schließzeiten von Kitas und OGS?

Der Jugendhilfeausschuss beauftragte die Verwaltung, ein konkretes Angebot für eine Bedarfsabfrage noch in diesem Jahr einzuholen und dieses Angebot in der Mai-Sitzung zur weiteren Beratung vorzustellen.

(djm)
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