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Tönisvorst: Zickzack am Himmel verschleudert Sprit

Tönisvorst : Zickzack am Himmel verschleudert Sprit

Europapolitiker Karl-Heinz Florenz setzt sich in Brüssel für weniger Umwege an Europas Himmel ein – um CO2 zu sparen. Bürgermeister Thomas Goßen ist neuer Vorsitzender der Lärmschutzkommission am Düsseldorfer Flughafen.

Europapolitiker Karl-Heinz Florenz setzt sich in Brüssel für weniger Umwege an Europas Himmel ein — um CO2 zu sparen. Bürgermeister Thomas Goßen ist neuer Vorsitzender der Lärmschutzkommission am Düsseldorfer Flughafen.

Am Montag kam Karl-Heinz Florenz (CDU), langjähriges Mitglied des Europäischen Parlaments, zu einem Informations- und Meinungsaustausch über die aktuellen Auswirkungen der europäischen Gesetzgebung auf die Kommunen ins Rathaus nach St. Tönis. Besonders interessierte Bürgermeister Thomas Goßen, der zum Vorsitzenden der Lärmschutzkommission am Düsseldorfer Flughafen in Lohausen gewählt wurde, die Auswirkungen der europarechtlichen Regelungen zum "Single European Sky". Florenz, dessen Wahlkreis vom Kreis Neuss im Süden bis zur Grenze zu den Niederlanden reicht, kennt die Nöte der Anrainer des Düsseldorfer Flughafens, ist aber auch Realist, der die Notwendigkeit des Flughafens und seine Zukunftsfähigkeit nicht in Frage stellt.

Von 2004 bis 2007 war Florenz im Europaparlament Vorsitzender des Ausschusses für Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit. Und auch heute liegt sein Hauptaugenmerk auf dem CO2-Ausstoß der Flugzeuge an Europas Himmel. Am einfachsten sei es, möglichst gerade zum Zielort zu fliegen. Doch die Flugrouten an Europas Himmel ähnelten eher Zickzack-Linien. Manche Umwege sind nötig, wenn es um Städte geht oder um besondere Industrieanlagen. In der Zeit des Kalten Krieges wurden auch viele Raketenstellungen und militärische Depots nicht direkt überflogen. Florenz fordert von der Brüsseler Bürokratie, den Verlauf der Luftstraßen an Europas Himmel zu überarbeiten. Auch wenn man 50 Jahren lang drum herumgeflogen sei, müsse man sich heute doch die Frage stellen, ob die Notwendigkeit dazu noch gegeben ist.

Ein kritischer Punkt ist zum Beispiel ein militärischer Flughafen in Ostbelgien in der Nähe von Lüttich. Die Militärs haben durchgesetzt, dass zivile Flugzeuge erst ab einer Höhe von 21 000 Fuß in den belgischen Luftraum einfliegen dürfen. Da Flugzeuge, die in Düsseldorf starten und Belgien Richtung Frankreich und iberische Halbinsel ansteuern, können auf dieser relativ kurzen Distanz zur belgischen Grenze diese Flughöhe nicht erreichen. So erfanden die Technik die Nordkurve über Osterath, Willich, Tönisvorst und Kempen, die 60 Kilometer Umweg bedeuten.

Florenz sieht durchaus die Notwendigkeit des ungestörten Flugbetriebs auf dem Fliegerhorst, doch hätten die Flugbewegungen so abgenommen, dass eine 24-Stunden-Umwegsregelung heute Unsinn sei. Er plädiert dafür, über die EU-Politik Druck zu machen, um zu kooperativen Lösungen zu kommen. Florenz weiß, dass diese Vorhaben "das Bohren langer dicker Bretter" bedeute. Die Idee ist auch nicht neu, Florenz hat sie bereits 2009 Bürgern in Meerbusch vorgestellt - ohne, dass sich bis heute etwas getan hätte. Brüssel sei der richtige Rahmen, um mit den Belgiern zu sprechen. Aber auch in NRW gebe es weiterhin Raketensilos, die bisher umflogen werden.

Gerade im militärischen Sektor habe sich vieles verändert. Im Hunsrück sei ein Fliegerhorst zu einer Opel-Teststrecke umgewandelt worden, auf einem anderen sei eine Solaranlage entstanden. Trotzdem seien sie in der Luft immer noch militärische Sperrgebiete.

Ganz abgeschafft wird die Modru-Route wohl nie, sind sich Florenz und Goßen sicher. Bürgermeister Thomas Goßen weist darauf hin, dass der Düsseldorfer Flughafen für 2014 neue Grenzwerte beantragen will. Die Zahl der Flugbewegungen soll von 220 000 auf 252 000 steigen. Sind heute in der Stunde 45 Flugbewegungen zulässig, so könnten es in Zukunft 60 sein. Um das bewerkstelligen zu können, will der Flughafen die "Reserve"-Nordbahn flexibel nutzen dürfen. Für den Wirtschaftsstandort Niederrhein ist der Flughafen Düsseldorf unersetzbar. Goßen will ihn erträglicher machen. So könne eine lärmabhängige Landegebühr ein möglicher Weg sein. Auch bei Fracht müssten moderne Flugzeuge eingesetzt werden.

(RP)