Willich: Wo die wilden Schlangen wohnen

Willich : Wo die wilden Schlangen wohnen

Zwei der sieben Schlangenarten Deutschlands leben im Kreis Viersen. Der Biologe Niklas Banowski stellte Schlingnatter und Kreuzotter bei einem Vortrag im Infozentrum der Biologischen Station Krickenbecker Seen vor

Ganz schön bissig, die Kleine: "Ja, unsere Schlingnatter beißt gern mal zu, aber keine Bange, das piekst höchstens ein bisschen", sagt Niklas Banowski (24). Zudem sei "die häufigste Schlange im Kreis Viersen völlig harmlos". Welche Schlangenarten hier bei uns in der Region sowie überhaupt in Deutschland leben, darüber informierte der Biologe am vergangenen Mittwoch in seinem spannenden, kurzweiligen Lichtbilder-Vortrag "Die Schlangen Deutschlands" im Infozentrum der Biologischen Station Krickenbecker Seen.

"Da müssen Sie schon Geduld haben und ein bisschen Glück, um mal eine Schlingnatter zu Gesicht zu bekommen", sagt Banowski. Diese Geduld, das Glück und vor allem ein geübtes Auge hat der junge Biologe allemal, präsentiert er doch auf der großen Leinwand beeindruckende Fotografien der verborgen lebenden Nattern. "Erkennen Sie die Schlange auf dem Bild?", fragt er seine Zuschauer, unter ihnen auch manche Kinder. Tatsächlich ist sie schwer zu sehen, weil unter Heidekraut versteckt. Aber natürlich zeigt der Biologe auch Nahaufnahmen, auf denen der typische dunkle Fleck auf dem Kopf und der Streifen unterm Auge gut zu sehen ist.

In Heide und in trockenen Mooren leben sie gern im Naturpark Schwalm-Nette, so im Naturschutzgebiet Brachter Wald und in der Venloer Heide, die wärmeliebenden Nattern, die kaum länger als einen halben Meter werden. "Die gerade geborenen Jungschlangen sind winzig, höchstens so groß wie ein Bleistift", erklärt Banowski. Hauptsächlich ernähren sich die Schlangen mit den runden Pupillen von Eidechsen, sie selbst aber müssen sich vor Reihern und Greifvögeln, Igeln und Marderartigen in Acht nehmen. Ihren Lebensraum teilen sie sich mit der anderen Schlangenart im Kreis Viersen: "Die Kreuzotter kommt bei uns ganz gut vor", so Banowski.

Die Kreuzotter kommt häufig im Kreis Viersen vor. Foto: Banowski

Die kleine, meist bräunliche oder graue Viper mit dem Zickzack-Muster auf dem Rücken und den senkrecht geschlitzten Pupillen, die sich sonst eher rarmacht in NRW, habe hier einen wachsenden Bestand, beispielsweise im Naturschutzgebiet Meinweg: "Ich habe vergangenes Jahr hier etliche Weibchen gesehen, die waren richtig schön dick schwanger." Dazu präsentiert der Biologe Bilder von zierlichen Kreuzottern nach der Geburt und verrät: "Kreuzottern mögen's eher kühl. Männchen sind oft schon im Februar aktiv, wenn sie nach dem Winter in Hochzeitsstimmung sind."

Banwoski plaudert verständlich, hängt nicht den Wissenschaftler raus, beantwortet geduldig die vielen Fragen der Zuschauer. Etwa, wie gefährlich die Kreuzotter sei: "Sie hat eigentlich ein äußerstes starkes Gift, aber weil sie so klein ist, hat sie nur eine geringe Menge, da kommt es nach einem Biss meist nur zu Schwellungen." Lediglich für Allergiker könne ein Biss bedrohlich werden - wobei nicht bei jedem Abwehrbiss Gift abgegeben werde. Gefährlich für die Schlangen selbst werde es im Winter, wenn Wildschweine den Boden aufwühlen und sich über die winterstarren Vipern hermachen.

Niklas Banowski. Foto: Burghardt

Auch die anderen fünf in Deutschland heimischen Arten stellt Banowski vor: Aspisviper, Äskulapnatter, Würfelnatter und zwei Ringelnatter-Arten. Ausgerechnet Deutschlands häufigste Schlange, die Ringelnatter, sei für den Kreis Viersen "leider nicht gesichert nachgewiesen", erläutert er auf Nachfrage.

Immerhin könne man sich hier an Kreuzottern und Schlingnattern erfreuen, beide übrigens ovovivipar, also lebendgebärend, und im Bestand wachsend. Banowski: "Diese Schlangen zu beobachten, ist immer ein besonderes Erlebnis." Wer sich daran halte, in Naturschutzgebieten die Wege nicht zu verlassen, der müsse auch nicht fürchten, von den streng geschützten Schlangen gebissen zu werden.

(RP)
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