Willicher Kunstverein stellt im Stahlwerk Becker aus

Jahresausstellung im Stahlwerk Becker: Willicher Kunstverein in Raum und Zeit

Im Stahlwerk Becker zeigen Kreative des Willicher Kunstvereins und Gäste ein facettenreiches Spektrum zum Thema „Der freie Raum“.

Erst ein Blick über den freien Raum zwischen Parterre und Oberstock macht die Installation des Künstlers mit Pseudonym „Richart – Atelier Dibbern“ in ihrer Gänze erfahrbar: Im Stahlwerk Becker hat er einen „Kunstfluss“ angelegt. Hier liegen akkurat sortiert Hinterlassenschaften des „Frühbaders“, weiter oben scheinbar achtlos derangiert Dessous der „Zeitanglerin“. Assoziativ ergibt sich eine rätselhafte Geschichte, eingebunden in die Reflexion über Raum und Zeit. Fallende Tropfen symbolisieren Zeit, das im Becken gesammelte Wasser verweist im Prozess der Verdunstung auf temporäres Dasein.

„Der freie Raum“ ist die Ausstellung des Willicher Kunstvereins betitelt. 14 Kreative stellen über verschiedenste Medien sehr individuelle Lösungen vor. Sigi Nootz setzt dem vorgefundenen Raum über den scheinbar schwebenden Kubus einen weiteren Raum entgegen. Der Künstler umspielt in klarer Formensprache Vorstellungen von umgrenztem und freiem Raum sowie über verbindende Diagonalen das Thema Bewegung und damit die Zeit. Wandobjekte in der oberen Galerie variieren die Auseinandersetzung im Geflecht von flächenbezogenen, dreidimensional ausbrechenden und scheinbar in die Fläche gezogenen Spuren.

Jutta Otto-Gesterling verweist über den äußeren Raum auf innere Räume und thematisiert gefährdete Kommunikation.  Über Glassplitter gibt sie abgegrenzte und geöffnete Flächen vor, die sie mit selbst geschweißten Stühlen besetzt. In ihrer Verschiedenheit werden die Stuhlobjekte zum Statthalter unterschiedlicher Charaktere, die zueinander verschieden positioniert sind. Besucher sind eingeladen, Platz zu nehmen und im Werk Kommunikation zu wagen.

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Temperamentvoll pulsierend erobern Rike Oetzels großformatige Bilder den innerbildlichen Raum. Im aufbrausend vielschichtigen Duktus fordern sie die Begegnung, die das Geflecht der Farbräume entdecken lässt. Kontrastreich dazu entfalten sich in dieser Nachbarschaft Reinhardt Heinens Acrylbilder. Heinen fragmentiert und kombiniert das Raumerlebnis neu über geometrisch gegliederte Bezüge. Ein jeweils aufsteigendes Dreieck gibt die kompositionelle Grundstruktur vor und wird ergänzt um weitere konstruierte Einzelflächen. In symbolisch aufgeladener Komposition entwirft der Künstler ein Geflecht unterschiedlichster räumlicher Beziehungen.

Zu den Gästen zählt die Akademieschülerin Feng Li. Sie hat in einer Auseinandersetzung mit Dantes Vorstellung der Hölle eine große Papierbahn über zarte Bleistiftlineaturen gegliedert. Gleichmäßig gereihte chinesische Schriftzeichen bleiben für die meisten Besucher geheimnisvoll, wie auch eingefügte, meist dunkel changierende Fotos. Benjamin Vogel verbindet auf erstaunliche Weise eine real anmutende Landschaftsmalerei mit der Freiheit der Fiktion. Seine in Öl gemalte Bergansicht entfaltet in naturalistisch anmutender Manier einen großzügig ausgebreiteten Landschaftsraum. Doch diese Landschaft ist erfunden. An der Wand gegenüber breitet der Künstler „märkische Gebirge“ aus, theoretisch und akribisch erarbeitet, ergänzt um ebenso fiktive Vermessungen und Legenden.

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