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Willicher Kultursommer: Sven Post lud zum Improvisationstheater

Willicher Kultursommer : Schauspieler reagieren auf Wünsche

Der Schauspieler Sven Post hatte mit seinen Schülern zum Improvisationstheater ins Schloss Neersen geladen. Es war die zweite Veranstaltung des Willicher Kultursommers in diesem Jahr. Im Publikum saßen viele jüngere Gäste.

Toast, Zweiraum, Reigen, Schreibmaschinenspiel – das Improvisationstheater wartet mit witzigen und kreativen Varianten des gemeinsamen Theaterspiels auf. Am Sonntagabend konnten sich die Gäste im Schloss Neersen von dem spontanen Spiel unterhalten lassen. Mit den Worten „Heute ist alles ein bisschen anders“ begann der Schauspieler Sven Post den zweiten Veranstaltungsabend des Willicher Kultursommers im Schloss Neersen.

Und damit waren ausnahmsweise einmal nicht (nur) die Auswirkungen der Corona-Pandemie gemeint. Sondern: „Wie wissen nicht, was wir spielen. Denn wir spielen auf Wunsch des Publikums.“ „Improvisationstheater mit Sven Post“ stand auf dem Programm. Was sofort auffiel: Im Saal saßen außergewöhnlich viele junge Gäste. Viele davon sind oder waren Schüler von Post. Er unterrichtet aktuell rund 90 Schüler in neun Improvisationsgruppen. Einige davon standen am Sonntagabend auf der Bühne: Sonja Klempert, Lara Stelling, Michel Weber und Stefan Henaku-Grabski.

„Wir erfinden die ganze Zeit etwas und hoffen, dass es Ihnen gefällt“, fuhr Sven Post in seiner Anmoderation fort. Improvisationstheater, das stellt eine enorme Herausforderung dar: Nichts ist vorher einstudiert, nichts abgesprochen, alles kann passieren. Das Publikum beteiligt sich per Zuruf. Einige Spielarten und Spielregeln gibt es natürlich, und die erläuterte Post. „Toast“ bedeutet: Jeder Schauspieler wartet wie eine Toastscheibe darauf, aus dem Toaster auf die Bühne geschleudert zu werden und loszumimen. Die Zutat des Publikums besteht darin, den Ort zu wählen, an dem das Spiel stattfinden soll.

An den spontanen in den Saal gerufenen Vorschlägen merkte man, dass Profi-Improvisateure im Saal saßen. Für den Ort im Toast-Spiel wurde der „Neersener Urwald“ vorgeschlagen. Und dann ging es los. Eine Schatzsuche im Urwald entwickelte sich – der Blumenschmuck auf der Bühne wurde hier wie in den folgenden Szenen kreativ eingesetzt. Post blieb im Hintergrund. Nur hier und da gab er neue Anweisungen: „Das klingt nach einem Lied“, konnte er beispielsweise rufen, und dann mussten nicht nur Dialoge, sondern auch Melodien improvisiert werden. Dabei unterstützte die jungen Schauspieler der Pianist Gregory Gaynair.

Beim „Schreibmaschinenspiel“ wurde es noch ein wenig anspruchsvoller. Die Rufer aus dem Publikum entschieden zwei Dinge. Erstens das Genre: eine Krimi-Fabel. Zweitens den Ort des Geschehens: eine Baustelle in Düsseldorf. Post fügte noch eine künstliche Hasenpfote hinzu. Stefan Henaku-Grabski übernahm die Rolle des Autors, der an seiner Schreibmaschine sitzend eine Geschichte entwickelt. In dem Moment, in dem darin ein Lebewesen auftaucht, übernimmt einer der drei Schauspieler den Part und entwickelt ihn weiter. So entstand eine verrückte Geschichte über von Bayer Leverkusen manipulierte, Glück bringende Hasen beziehungsweise deren Pfoten.

Mit Leichtigkeit – so erschien es dem Publikum – stellten sich Klempert, Stelling und Weber auf die schnellen Wendungen der Geschichte ein. Die sich in jeder Sekunde ändert. Und dann muss jeder Mitwirkende seine Geschichte, die er im Kopf hat, sofort neu denken. Viel Einfühlungsvermögen ist hier gefragt. Viel Flexibilität. Spricht man mit Sven Post über das Improvisationstheater, dann wird klar: Hier wird nicht nur fürs Vergnügen, sondern fürs Leben gelernt. Kreativität, Spontaneität sind gefordert – die setzen viele seiner Schüler, so Post, später ein, um im Bewerbungsgespräch zu glänzen.Die Fähigkeit, eigene Ideen nicht auf Biegen und Brechen durchzusetzen, sondern ein Spiel gemeinsam zu entwickeln, bereitet nebenbei ebenfalls auf das private und berufliche Leben vor.

In einer letzten Aufgabe mussten die vier Impro-Schauspieler sich noch einmal aufs Härteste beweisen. In einem Song sollten sie den Abend Revue passieren lassen. Da es nur drei Mikrofone für vier Akteure gab, war hier besonderes Improvisationstalent gefragt: Michael Weber ergänzte die Zutaten seiner Kollegen durch eine witzige Pantomime.