Willich hat erste Klimaschutzsiedlung

Klimaschutz : Willich hat die erste Klimaschutzsiedlung

Am Roeddersfeld in Willich ist die erste Siedlung nach neuem Konzept mit Landesförderung entstanden.

Gewohnt wird in der Klimaschutzsiedlung Roeddersfeld in Willich schon seit dem vorigen Jahr. Nun wurde das Vorzeigeprojekt der Stadt, wie es Bürgermeister Josef Heyes in seiner Eingangsrede beschrieb, offiziell übergeben. Dazu wurde einer Hinweistafel enthüllt. Jeder Besucher kann sich nun direkt am Eingang der Siedlung an der Ackerstraße dank der Luftbildaufnahme auf der Tafel einen ersten Eindruck über die Anlage verschaffen. Dazu gibt es jede Menge Informationen über das Projekt und die daran Beteiligten. „Mit der Klimaschutzsiedlung wurde Geld in die Zukunft investiert“, betonte Heyes.

Entstanden ist die Siedlung im Rahmen des Landesprogramms „100 Klimaschutzsiedlungen in Nordrhein-Westfalen“. Dieses fördert den Bau von Energiesparhäusern, deren Verbrauchswerte deutlich unter den Anforderungen der Energieeinsparverordnung von 2009 liegen. „Von den geplanten 100 Siedlungen sind bereits 41 fertiggestellt. Letztlich werden 20.000 Menschen in den verschiedenen Klimaschutzsiedlungen in ganz NRW wohnen. Sie alle können sagen, dass jeder Tag für die Zukunft ist und nicht nur der Freitag“, sagte Hartmut Murschall. Damit spielte der stellvertretende Referatsleiter Klimagerechte Gebäude und Quartiere vom Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes NRW auf die Bewegung „Friday for future“ an.

In Willich begann man 2011 mit den Planungen zum Bau der Klimaschutzsiedlung. Mitte November 2011 wurde das Konzept der Siedlung vorgestellt und von der Auswahlkommission der Energieagentur NRW als Klimaschutzsiedlung in Planung anerkannt. Die ersten Häuser wurden ab September 2015 errichtet und waren im November 2018 bezugsfertig. Die Neusser Architekten Hopp/Klebach entwickelten, die DJS GmbH Neuss fungierte als Bauträger. Mit im Boot war zudem das Bau Know How Ingenieurbüro aus Meerbusch. Insgesamt wurden 57 Wohneinheiten in zwölf Einfamilienhäusern, 20 Doppelhaushälften, 14 Reihenhäusern und elf so genannte Kettenhäusern gebaut. Die Kettenhäuser verfügen über Einlieger-Wohnungen, die Mehrgenerationenwohnen ermöglichen.

Doch egal, um welche Bauform es sich handelt, alle Gebäude unterliegen einer strengen, rational kubischen Geometrie, die durch die Flachdachkonstruktionen und die einheitlichen Gebäudehöhen unterstrichen wird. Der Wärmebedarf der Häuser entspricht teilweise dem Passivhaus-Standard und teilweise dem Drei-Liter-Standard. Alle verfügen über dezentrale Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung. Während die Heiz- und Warmwasserversorgung bei den Einfamilien- und Doppelhäusern über Erdwärme-Pumpen erfolgt, läuft bei den anderen Varianten die Versorgung über ein Nahwärmenetz mit Blockheizkraftwerk und Gas-Spitzenkessel. Wobei es sich um das Blockheizkraftwerk der benachbarten Robert-Schuman-Europaschule handelt. Durch die modernste Technik lässt sich eine CO2-Einsparung von bis zu 45 Prozent gegenüber einer konventionellen Bauweise erzielen, was 70 Tonnen CO2 entspricht.

Der Technische Beigeordnete der Stadt Willich, Gregor Nachtwey, sprach von einer Symbiose, bestehend aus hochwertiger Architektur, Städtebau sowie fortschrittlichen Umwelt- und Klimagesichtspunkten. Christian Pakusch, Aufsichtsratsvorsitzender der Grundstücksgesellschaft der Stadt Willich, blickte bei der Einweihung in die Zukunft. „Eine zweite Klimaschutzsiedlung ist bereits angedacht. Sie soll ebenfalls in Alt-Willich gebaut werden“, sagte er und erinnerte daran, dass der Klimaschutz die große aktuelle Herausforderung ist.

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