Willich: Auf dem Gelände des historischen Gefängnismuseums ist am 23. November der traditionelle Weihnachtsbasar.

JVA Willich : Unikate aus der Arbeitstherapie

Auf dem Gelände des historischen Gefängnismuseums ist am 23. November der traditionelle Weihnachtsbasar. Was in der Arbeitstherapie der JVA entstanden ist, verkaufen die Potthusaren des Museumsvereins für einen guten Zweck.

Das große Holzhaus mit seinen vielen Fenstern und der breiten Haustür, die allesamt als herausziehbare Schubladen gearbeitet sind, fällt sofort ins Auge, wenn man den Werkraum der Arbeitstherapie der Justizvollzugsanstalt (JVA) Willich I betreten hat. „Es ist noch nicht ganz fertig, aber bis zum Weihnachtsbasar sind die Arbeiten abgeschlossen, und dann freuen wir uns, wenn dieser handgearbeitete Arbeitskalender, der ein Unikat ist, einen neuen Besitzer findet“, sagt Adrian Kalk. Der Tischlermeister und Hauptwerkmeister der JVA Willich I hat den komplett aus Holz bestehenden Adventskalender zusammen mit den Inhaftierten, die die Arbeitstherapie der JVA besuchen, hergestellt.

Aber nicht nur dort laufen die Arbeiten auf vollen Touren. Ein Stückchen weiter entsteht aus angeflammten Besenstielen ein Eichhörnchenhaus, und an den großen Buchstaben in Form eines X wird gerade letzte Hand angelegt. Etliche Insektenhotels stehen dicht an dicht am Boden, Vogelhäuser sind zu sehen, und auf einem Tisch liegt Hundespielzeug aus Holz. Was über das ganze Jahre in der Arbeitstherapie entstanden ist, verlässt am 23. November die Mauern der Haftanstalt. Der traditionelle Weihnachtsbasar steht an, den die Potthusaren des historischen Gefängnismuseums Niederrhein organisieren.

Vor dem arbeitstherapeutischen Hintergrund können die Produkte günstiger verkauft werden, als wenn betriebswirtschaftliche Aspekte berücksichtigt werden müssten. Das Geld, das die Potthusaren als Veranstalter des Weihnachtsbasars einnehmen, hilft wiederum anderen Menschen. Der Erlös des Weihnachtsbasars kommt nämlich der Stiftung Deutsche Kinderkrebshilfe in Bonn zugute. „Unsere Teilnehmer der Arbeitstherapie erfüllt es mit Stolz, wenn ihre Holzhandarbeiten verkauft werden. Dadurch erfahren sie für ihre Arbeit Anerkennung und Wertschätzung – und das ist wichtig“, sagt Kalk.

Seit Jahrzehnten gehört die Arbeitstherapie in der JVA mit zu den Angeboten. In erster Linie geht es darum, den Inhaftierten eine Tagesstruktur zu gegeben. Sie erleben einen geregelten Tagesablauf, bei dem um 6.30 Uhr die Arbeit beginnt und um 16 Uhr endet. Gleichzeitig lernen sie die Holzverarbeitung kennen, denn darauf liegt der Schwerpunkt der Arbeitstherapie. Sie lernen den Umgang mit verschiedenen Werkzeugen und Maschinen. Dabei dürfen die Inhaftierten in der Arbeitstherapie frei entscheiden, was sie bauen möchten. „Wir hatten so auch schon Puppenhäuser dabei. Einer unserer Teilnehmer hat hingegen mit Begeisterung phantastische Holzkrippen gebaut“, sagt Kalk. Mit sechs JVA-Insassen ist das Angebot derzeit voll ausgelastet. In der Regel besuchen die Inhaftierten die besondere Form der Therapie ein Jahr lang. Oft geht es danach in die Schreinerei der JVA.

Mit dem Neubau der JVA wird der Bereich der Arbeitstherapie ausgebaut. Das gilt auch für die weiteren Betriebe innerhalb der Gefängnismauern. Die JVA Willich I verfügt über eine Schreinerei, eine Schlosserei, eine Druckerei, einen Elektrobetrieb, eine Buchbinderei, einen Versand, eine Bäckerei, einen Stempel- und einen Papierbetrieb. Dazu kommen Werkhallen, in denen die unterschiedlichsten Arbeitsaufträge, die von Fremdunternehmen kommen, umgesetzt werden. Aktuell ist es so, dass Inhaftierte in der Behördenkantine eine Ausbildung zum Gastrohelfer absolvieren können. Mit dem JVA-Neubau soll das Angebot der Ausbildungsmöglichkeiten ebenfalls ausgebaut werden. Angedacht sind bis jetzt eine Bäcker- und eine Druckerausbildung. Da in den Betrieben der JVA Handwerksmeister beschäftigt sind, die über Ausbildereignungsscheine verfügen, stellt die Ausbildung kein Problem dar.