Harry Abraham vom Nabu Willich Für Wildbienen ein Hotel bauen

Willich · Wer Wildbienen Gutes tun möchte, der muss einiges beachten. Bienenexperte Harry Abraham vom Nabu Willich erklärt, wie ein Wildbienenhotel gebaut und gepflegt wird.

 Harry Abraham vom Nabu Willich weiß, was man bei Bau und Pflege von Wildbienenhotels beachten muss.

Harry Abraham vom Nabu Willich weiß, was man bei Bau und Pflege von Wildbienenhotels beachten muss.

Foto: Ja/Wolfgang Kaiser (woka)

Das Instrument in der Hand von Harry Abraham mutet merkwürdig an. Es handelt sich um ein Mauerfugeisen, das der Willicher ein wenig gekürzt und verschmälert hat. Noch befremdlicher sieht auf den ersten Blick seine Tätigkeit aus, die er mit diesem ausübt. Der Bienen-, Wespen- und Hornissenexperte der Nabu-Ortsgruppe Willich hat nämlich ein Bienenhotel von der Wand genommen und schabt die einzelnen Bohrungen der Wildbienennistbretter Stück für Stück sorgsam aus.

„Im Prinzip handelt es sich um das Reinigen der Bretter, wie man auch einen Vogelnistkasten im Herbst reinigt. Allerdings steckt hier noch ein wenig mehr dahinter“, sagt Abraham. Das, was er nämlich vorsichtig aus den länglichen Röhren schabt, sind die Kokons der Wildbienen, und die müssen weiter behandelt werden. In jedem befindet sich die Larve einer Wildbiene. Doch leider nicht nur die Larven liegen in der schützenden Hülle. Parasiten haben sich auf ihr breit gemacht. Und genau hier sitzt das Problem der Wildbienennistkästen: Parasiten wie Taufliegen, Milben, Trauerschweber, Diebeskäfer und Schmalbandwespen legen ihren Nachwuchs ebenfalls gerne dort ab, wo Wildbienen ihren Kokon aufbauen. Sie töten die Larve ab und vermehren sich kräftig. Im Frühjahr fliegt so nicht eine Wildbiene aus dem Insektenhotel, sondern es machen sich jede Menge andere Kleinlebewesen auf den Weg nach draußen. „Das wird zu einem wirklichen Problem. In den ersten zwei bis drei Jahren hält sich die Problematik bei den normalen Wildbienenhotels, die überall gebaut und auch verkauft werden, in Grenzen“, sagt Abraham. „Danach ist es so, dass der Betrachter zwar auf geschlossene Löcher in den Nisthilfen blickt, aber in diesen sind keine Bienen, sondern Parasiten angesiedelt. Im Prinzip müssten die Hotels dann neu angelegt werden. Aber wer macht das?“

Vor dem Hintergrund, dass sich die herkömmlichen Bienenhotels nicht reinigen lassen, beginnen damit die Probleme. Statt den Wildbienen zu helfen, wird ihnen unbeabsichtigt eher Schaden zugeführt. Alles fängt dabei schon mit der Installation eines entsprechenden Wildbienen-Nistkastens an. Wer einen solchen in seinen Garten hängt, sollte beim Bau auf vorgefertigte Wildbienen-Nistbretter zurückgreifen. Dabei handelt es sich um 16 mal 16 Zentimeter große und 18 Millimeter dicke Platten. Eine jede Platte verfügt über elf mehrere Zentimeter lange ausgefräste Gänge, in die Bienen später ihre Eier in einem Kokon ablegen. Dazu kommt pro Kasten eine Schlüpfplatte mit Ausgang. Hierbei handelt es sich um eine Platte mit einem mehrere Zentimeter großen ausgehöhlten Kreis. Die Platten, in der Regel vier bis fünf, werden aufeinandergesetzt, wobei die zusätzliche Schlüpfplatte als letztes folgt.

 Zum Trocknen legt Abraham die Kokons auf Küchenpapier.

Zum Trocknen legt Abraham die Kokons auf Küchenpapier.

Foto: Ja/Wolfgang Kaiser (woka)

Mit naturbelassenem Holz, das später von außen gegen Wettereinflüsse lasiert wird und gegebenenfalls einen weiteren Dachschutz in Form einer Kunststoffplatte erhält, erfolgt der eigentliche Bau um die Nistplatten, wobei eine jede Platte herausgezogen werden kann. Vor den vorderen Bereich, wo die acht Millimeter großen Bohrungen, also die Eingänge für die Bienen, zu sehen sind, setzt man eine abschraubbare Kunststoffplatte in einem Abstand von gut zwei Zentimetern davor. „Ich habe Versuche gemacht und festgestellt, dass die Bienen Kästen mit einer abgedunkelten Platte denen mit einer durchsichtigen Variante vorziehen“, berichtet Abraham.

In Höhen von ein bis zwei Meter, ausgerichtet nach Süden oder Süd-Ost, hängen die Nisthilfen optimal. Gibt es noch einen Wetterschutz in Form eines Dachüberstandes, ist es perfekt. Im Herbst beginnt die eigentliche Fürsorge für die Bienen. Die Wildbienen-Nistbretter müssen mit dem Kokonheber, dem umgebauten Mauerfugeisen, gereinigt werden. Alles, was Abraham aus den Röhren geschabt hat, gibt er in ein Sieb und hält es unter den Wasserhahn im Garten. „Mit dem Wasser spüle ich einen Großteil der Parasiten weg“, erklärt der Fachmann, während er das Sieb unter dem Wasserstrahl dreht und wendet.

Zum Trocknen legt er die Kokons auf Küchenpapier. Wenn sie richtig trocknen sind, wandern die Kokons, je nachdem wie viele es sind, in die Schlüpfplatte, die dann zusammen mit den gereinigten Wildbienen-Nistbrettern wieder in den Holzbau geschoben und aufgehängt werden. Sind es viele Kokons – immerhin können es bei optimaler Belegung eines Bienenhotels 550 sein –, wandern diese in einen Schuhkarton, wo sie zweilagig aufeinandergelegt werden können. Dieser Karton, in den Schlupflöcher gebohrt werden, sollte über Winter, geschützt vor anderen Tieren, in einem Schuppen stehen. Wobei die Schlupflöcher mit Gaze abgeklebt sein sollten. Im Frühjahr wandert der Karton in den Garten, die Gaze wird entfernt, und die Wildbienen können ausfliegen. „Wichtig ist hier, dass der Karton in der Nähe von Wildbienenhotels steht, die dann direkt wieder für die erneute Eiablage genutzt werden können. Wildbienen haben nur einen Aktionsradius von rund 250 Meter“, informiert Abraham.

Noch viel wichtiger ist es, dass Futter vorhanden ist, und das bietet nur ein Garten mit vielen blühenden Pflanzen, darunter auch Frühblühern wie Krokussen und Traubenhyazinthen. „Die einfachste und effektivste Wildbienenhilfe ist und bleibt ein naturnaher Garten. Dann werden auch keine Wildbienenhotels benötigt“, erinnert Abraham.

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