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Wie der Kreis Viersener MdB Uwe Schummer in der Corona-Krise arbeitet

Willich/Berlin : Schummer: Politik ist im Turbomodus

Der CDU-Bundestagsabgeordnete für den Kreis Viersen, Uwe Schummer, sammelt derzeit Probleme der Bürger und trägt sie nach Berlin. Sein Team unterstützt ihn dabei aus dem Homeoffice.

Schnelleres Handeln, konkretere Hilfen, existenzielle Ängste der Bürger: Die Corona-Krise hat auch den Arbeitsalltag des CDU-Bundestagsabgeordneten Uwe Schummer stark verändert. Der 62-Jährige, der in Neersen lebt und dessen Wahlkreis der gesamte Kreis Viersen ist, erlebt die Politik derzeit „wie von einem Turbo beschleunigt. Es ist die Zeit der Regierung, Beratungen und Verhandlungen sind schneller geworden, um schnell helfen zu können. Die Kontrollfunktion des Parlaments ist zwar derzeit nicht so ausgeprägt wie sonst, aber natürlich haben wir Parlamentarier trotzdem Zeit, uns einzubringen“, sagt Schummer. Und diese Möglichkeit nutzt er rege. „Meine Mitarbeiter und ich sammeln die Probleme vor Ort im Kreis Viersen und tragen sie nach Berlin, um Lösungen herbeizuführen.“

Seine Mitarbeiter, das sind der Berliner Büroleiter Julian Schwerdt und der Jurist Oliver Zoufall sowie der Leiter des Wahlkreisbüros in Viersen, Christian Pakusch. Sie alle sitzen seit knapp fünf Wochen im Homeoffice und kommunizieren oft per Videokonferrenz miteinander. Darin sieht Schummer eine Chance, die aus der Krise erwächst: „Sie gibt der Digitalisierung einen Schub.“ Und sie zeige, wie wichtig die Demokratie sei. „Eine Lehre aus der Krise ist eine neue Ernsthaftigkeit der Politik, dank derer wir in Deutschland bisher gut durch die Krise gekommen sind“, sagt Schummer und nennt als Beispiel die Zahl von 28.000 Intensivbetten in Deutschland, die es sogar möglich mache, Corona-Patienten aus anderen Ländern aufzunehmen.

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Ob Sitzungen der Unionsfraktions-Arbeitsgruppe „Arbeit und Soziales“, deren Vorsitzender er ist, Konferenzen mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und dem Fraktionsvorstand, dem er angehört, Besprechungen mit der CDU-Landesgruppe NRW: Vieles findet derzeit in anderer Form, nämlich teilweise per Videoübertragung, statt, manche Fragen werden per SMS geschickt. „Ein Vorteil ist natürlich, dass lange Anreisewege wegfallen, andererseits fehlt die unmittelbare, persönliche Kommunikation mit den Gesprächspartnern. Politik lebt vom Wort“, sagt Schummer, der im Gespräch mit unserer Redaktion ebenfalls per Videokonferenz in die Kreisgeschäftsstelle der CDU in Viersen zugeschaltet ist.

Viele Bürger aus dem Kreis Viersen melden sich derzeit beim „Lotsen-Telefon“ zur Corona-Krise für Betriebe, Sozialeinrichtungen und Bürger aus dem Kreis Viersen, das Christian Pakusch betreut. Mehr als 300 Bürger haben sich bereits per Telefon, WhatsApp oder E-Mail gemeldet. So auch eine Frau aus Willich, die mit ihrem zweijährigen Kind in Marokko festsaß und die mit Schummers Hilfe über Belgien zurück nach Deutschland kam, noch bevor das Auswärtige Amt seine Rückholaktionen für deutsche Touristen startete. „Etwa 40 Personen aus dem Kreis Viersen saßen im Ausland fest“, sagt Schummer, die letzten beiden, zwei Ärzte, sollen am Donnerstag aus Afrika nach Hause kommen.

Auch Landwirte wendeten sich an den Bundestagsabgeordneten, weil sie durch fehlende Erntehelfer aus dem Ausland vor arge Probleme gestellt waren. „Darüber sprachen wir mit dem Landwirtschafts- und dem Innenministerium in Berlin. Nach den Verhandlungen gab es einen guten Kompromiss: verstärkt für heimische Erntehelfer zu werben, aber auch gezielt für Vorarbeiter und Maschinenführer professionelle Erntehelfer unter strengen Hygienevorschriften aus Rumänien einzufliegen“, so Schummer.

Über das „Lotsen-Telefon“ kamen auch viele Anrufe von Unternehmern und Künstlern, die Probleme bei der Beantragung von KfW-Krediten bei ihren Hausbanken schilderten. Dies veranlasste Schummer dazu, einen „Brandbrief“ an den Unionsfraktionsvorsitzenden Ralph Brinkhaus zu schicken. „Nachdem die Koalitionsrunde wenige Tage später getagt hatte, bekam ich noch abends den erlösenden Anruf aus Berlin. Brinkhaus teilte mir mit, dass mit der Verbesserung der KfW-Bürgerschaften von 90 auf 100 Prozent dieses Thema weitgehend gelöst sei.“

Gelöst sehen würde Schummer gern auch ein anderes Problem: Im Bundestag hat er mit seinen Mitarbeitern eine „untere Auffanglinie beim Kurzarbeitergeld“ erarbeitet. „Geringverdiener müssen beim Kurzarbeitergeld von 60 Prozent des Einkommens oft Sozialleistungen beantragen. Um dies zu verhindern, soll – orientiert am Mindestlohn – das Existenzminimum von der Bundesagentur für Arbeit automatisch aufgestockt werden. Die zusätzlichen Kosten werden aus Steuermitteln finanziert“, schildert Schummer die Idee.

Insgesamt merke er derzeit, wie sich seine Arbeit weniger um abstrakte, theoretische Politik drehe. „Im Moment wenden sich Menschen mit existenziellen Sorgen an mich, und wir versuchen, ihnen schnell zu helfen“, sagt Uwe Schummer.