Stadt Kempen: Wie aus Wurzeln leckerer Spargel wird

Stadt Kempen: Wie aus Wurzeln leckerer Spargel wird

Beim St. Huberter Spargel- und Erdbeerhof Goetzens ist die Saison angelaufen. Das edle Gemüse und die leckeren Früchtchen sorgen für reichlich Arbeit im April.

Ein wenig erinnert der Inhalt der Kisten, die Karl Goetzens gerade auf die Pflanzmaschine packt, an Reisigbüschel. Aber das sieht nur auf den ersten flüchtigen Blick so aus. Es sind Hunderte von Spargelpflanzen, die der St. Huberter Landwirt neben dem Pflanzrad in die Ablageflächen an der Maschine legt. "Wir sind gerade mit der Neuanlage von Spargelfeldern beschäftigt", informiert Goetzens und greift einen der Sämlinge heraus. An der so genannten Krone sind bereits die Ansätze für den späteren Spargel zu sehen. Dazu gibt es viele lange Wurzeln, die wie ein Vorhang herunterhängen. Es ist kaum vorstellbar, dass dies das Aufgangsmaterial für das edle Gemüse ist.

Kurze Zeit später rattert der Traktor samt Pflanzmaschine in Richtung Feld, um die Neuanlage zu starten, wobei gleich mehrere Arbeitsgänge in einem vereint sind. Vorne zieht die Schar durch den Boden und sorgt für den Graben. Die eigentliche Arbeit geschieht indes auf der Pflanzmaschine selber und das per Hand. Rechts und links neben dem Pflanzband sitzt je ein Mitarbeiter und greift Spargelpflanze um Spargelpflanze aus der Menge heraus. In dem rund 40 Zentimeter breiten Gummiband, das sich über dem großen Metallrad spannt, liegen kurz hintereinander gelbe Ausbuchtungen.

Mit seiner Mitarbeiterin Anna-Maria kümmert sich Karl Goetzens im Treibhaus um die Erdbeeren. Foto: Kaiser Wolfgang

In diese müssen die Kronen der jeweiligen Sämlinge gelegt werden. Wobei die Wurzeln zu beiden Seiten ihren Platz über Metallstiften finden. So ausgebreitet geht es in die Erde. Keine der Ausbuchtungen darf dabei ausgelassen werden. "Was jetzt fehlt oder falsch gemacht wird, können wir nicht mehr korrigieren. Wenn die Erde über den Pflanzen liegt können wir nicht mehr ran. Nachpflanzen ist nicht", informiert Goetzens. Wenn alles korrekt gepflanzt ist kommen fünf Pflanzen auf einen Meter Ackerfläche. Mit der aktuellen Pflanzung wird ein neues Spargelfeld für zehn Jahres angelegt.

Je nach Spargelsorte hält ein Feld zwischen acht bis zwölf Jahre. Das geschulte Auge sieht, wenn es Zeit ist, das Feld umzumachen. Spargelfelder werden in der Regel in West-Ost-Richtung angelegt. Der Hintergrund: So kann der Wind gut durch die Dämme gehen und trocknet das Laub im Herbst immer schön ab. Für den Spargel ist es von Vorteil, wenn das Laub nicht so schnell welk wird. Bei welken Laub ist die Pilzgefahr größer. Frisch gesetzter Spargel wird im darauffolgenden Jahr - je nach Witterung - zehn bis zwölf Tage gestochen. Im zweiten Jahr kann bis Anfang Juni und ab dem dritten Jahr bis zum 24. Juni geerntet werden.

So sehen die Spargelpflanzen im Detail aus. Foto: Kaiser Wolfgang
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Inzwischen gibt das rotierende Rad Sämling für Sämling in den Boden. Der sogenannte Zustreicher an der Maschine schüttet die Erde wieder zu, die danach mit zwei Räder angedrückt wird. Währendder einen Mitarbeiter mit der Spargelfeldneuanlage beschäftigt sind, läuft auf den bestehenden Feldern die Ernte. Wobei diese derzeit besonders arbeitsintensiv ist. Es muss nämlich nicht nur die Tunnelfolie entfernt werden, sondern zunächst einmal die Lochfolie. "Wir arbeiten aktuell mit drei Folien", sagt Goetzens. Zu der Folie über dem Dämmen, aus denen der Spargel wächst, kommt die Tunnelfolie, und über der folgt die Lochfolie. Jeweils sechs Reihen Spargel liegen zusammen unter der Lochfolie, die zusätzlich wärmt, aber auch sehr windanfällig ist. Bei 13 Meter Breite und 100 Meter Länge pro Folienstück reicht eine kleine Angriffsfläche aus, um für Chaos zu sorgen. "Bei dem windigen Wetter sind uns etliche Lochfolien fliegen gegangen. Auch heute müssen wir wieder welche neu befestigen", sagt Goetzens. Festgemacht werden sie mit Erde.

In den Treibhäusern hingegen ist vom Wind nichts zu spüren. Es herrschen, dank des eigenen Kraftwerks, das mit zertifizierten Pflanzenölen aus nachwachsenden Rohstoffen betrieben wird, angenehm warme Temperaturen. Das gefällt auch den Erdbeeren. Erste rote Früchte sieht man im Grün. Hummel brummen zwecks Bestäubung umher, ansonsten herrscht Stille, die nur durch ein leises klackerndes Geräusch unterbrochen wird. Verursacher sind die Mitarbeiterinnen, die auf metallenen Stelzenschuhen unterwegs sind. Die Rinnen, in denen die Erdbeerpflanzen stehen sind nämlich 1,10 Meter hoch. Mit einer durchschnittlich 35 Zentimeter hohen Schuherhöhung arbeitet es sich einfach leichter.

Zurzeit ist noch kein Durchpflücken angesagt ist, vielmehr werden die Blüten sortiert. Annamaria hebt gerade die Blüten, die in den hinteren Reihen liegen, vorsichtig nach außen. Damit können die Hummeln sie zum einen besser bestäuben, zum anderen sind die Früchte dort später besser zu ernten. Eine reine Das gilt auch für die schon laufende Spargelernte, wobei bei dieser jetzt das Folienmanagement das A und O ist. "Je nachdem wie sich das Wetter gestaltet müssen wir Folien auf- und abziehen oder von der schwarzen auf die weiße Seite drehen", sagt Goetzens.

(RP)