Stadt Willich: Wenn das Theater auf die Bühne geht

Stadt Willich : Wenn das Theater auf die Bühne geht

An der Aufführung einer Kriminaltragikkomödie arbeitet derzeit der Literaturkursus 1 des Lise-Meitner-Gymnasiums in Anrath. Die letzten Proben laufen auf Hochtouren, denn am Donnerstag ist die Premiere. Sie wird sehr unterhaltsam.

Auf der Bühne in der Aula des Anrather Lise-Meitner-Gymnasiums ist der Zickenkrieg ausgebrochen. Die beiden Schauspielerinnen Julia Neumann, gespielt von Patricia Schmitt, und Rosalinde Renner, dargestellt von Katharina Held, keifen sich an. Es geht um die Rolle der Julia, die Renner spielt, aber die Neumann auch gerne haben würde.

"Das sieht sehr gut aus. Richtig authentisch", meint Literaturkursuslehrerin Anne Tendyck. Sie sitzt vor der Bühne und beobachtet aufmerksam Text, Gestik und Mimik der Schüler. Es gibt nichts zu korrigieren. Auch Souffleuse Stefanie Nys muss nicht helfend einschreiten, denn die Texte sitzen. Allerdings verpasst das Publikum, bestehend aus weiteren Schülern des Literaturkursus 1 der Oberstufe des Lise-Meitner-Gymnasiums (LMG), seinen Einsatz. Die müssten nämlich Julia-Rufe laut werden lassen, weil der Streit Backstage auf der Bühne stattfindet und man quasi auf das Theater vor einem blickt, wie es das Bühnenbild geschickt vorgaukelt. Und Julia muss noch einmal auf die Bühne zum Verbeugen. Held lässt die Augen rollen und wedelt mit den Armen, was letztendlich die Julia-Rufe auslöst und damit den Abgang von Julia. Schmunzler bei Schauspielern und Schüler-Publikum. Es geht weiter.

Seit September vergangenen Jahres laufen die Proben für die Kriminaltragikkomödie "Kommissar Kleinhans und der Tod im Theater", die der Literaturkursus 1, musikalisch unterstützt durch den Musikkursus 1 unter der Leitung von Julia Tadych und Jenny Ross, auf die Bühne bringt. Das Bühnenbild mit der optischen Täuschung von Tiefe ist ein Werk des Kunstkurses von Ina Hartmann sowie der Anrather Künstlerin Beate Krempe.

Auf der Bühne hat es mittlerweile die erste Leiche gegeben. Renner ist tot und Kommissar Kleinhans, gespielt von Lena Schwinge, der zufällig im Theater war, ist einer der ersten, die am Tatort auflaufen. Die erste Szene findet ihren Abschluss, langsam fällt der Vorhang zu.

Vor der Bühne setzt rege Betriebsamkeit ein. Auf der Vorbühne lassen viele fleißige Hände das Büro von Kleinhans entstehen und das samt ganz besonderer Fahndungsfotos. "Das sind die Kollegen auf den Bildern", sagt Tendyck. Auch die nächste Szene sitzt bestens, wobei Kleinhans mit Bierbauch, Staubmantel und Schirmmütze und seiner barschen Art hervorragend rüberkommt. Erneute Umbauphase. "Den Tisch könnt ihr stehen lassen. Holt schon mal das Silbertuch, das kommt darüber", ruft Tendyck zur Bühne.

"Wann sollen wir die Radiosequenz einspielen?", will die Technik derweil wissen. "Jetzt, während der Umbauphase", ruft die Literaturkurslehrerin nach oben zur Technik, während sie gleichzeitig den Seziertisch mitvorbereitet. Auf den muss nämlich Julian Bloy als Leiche rauf. "Den Kopf und die Füße sowie den linken Arm nicht mit dem blauen Tuch abdecken. Auf den Arm kriegst du Todesflecken drauf, das wirkt dann gut", bemerkt Tendyck. Simon Strack, der den Pathologen spielt, zieht seine blutbefleckten Gummihandschuhe an und geht in Position. Die nächste Szene wird geprobt.

Die Zuschauer können sich auf ein unterhaltsames Theaterstück freuen, das neben einem Mord auch einen spannenden Einblick hinter die Kulissen der Theaterwelt gibt.

(tref)
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