Stadt Willich: Weiter Widerstand gegen Wohngebiet

Stadt Willich: Weiter Widerstand gegen Wohngebiet

Heute Abend steht im Planungsausschuss wieder das kleine Neubaugebiet "Villa Langels" an der Bahnstraße in Willich auf der Tagesordnung. Eine Bürgerinitiative kämpft weiter gegen das Projekt eines privaten Investors.

Ein halbes Jahr lang war es still um das geplante kleine Baugebiet "Villa Langels" an der Bahnstraße in Willich - in der heutigen Sitzung des Planungsausschusses könnte es aber einen entscheidenden Schritt weitergehen. Denn jetzt entscheiden die Politiker, ob sie dem Stadtrat empfehlen sollen, den Bebauungsplan zu ändern. Die erste von zwei Runden der Beteiligung der Öffentlichkeit ist soweit abgeschlossen, viele Einwendungen von Bürgern sind eingegangen.

Bisher ist die parkähnliche Fläche hinter der unter Denkmalschutz stehenden Villa als Gartenland ausgewiesen. Damit der Investor es mit bis zu elf Häusern bebauen kann, müsste sie in eine Wohnbaufläche umgewandelt werden. Eine Bürgerinitiative, der sich vor allem, aber nicht nur Anwohner der Bahn-, der Grunewall- und der Wilhelmstraße angeschlossen haben, möchte verhindern, dass das Gelände bebaut wird - zum einen, weil dadurch der Ausblick von den das neue Baugebiet umgebenden Grundstücken verändert werde, zum anderen, weil die Eingriffe in die Natur zu groß seien. Auch um die Verkehrssituation machen sich die Bebauungsgegner Gedanken und werden heute Abend wieder anwesend sein, um zu überlegen, welche Schritte sie nun noch unternehmen können. "Für uns ist das alles nach wie vor eine Mogelpackung", sagt Reinhard Krämer, ein Sprecher der Bürgerinitiative.

Aus Sicht der Stadtverwaltung sind nun alle Interessen gegeneinander abgewogen, und einer Änderung des Bebauungsplans steht nichts mehr entgegen. So seien die zulässigen Gebäudehöhen dem Umfeld angepasst worden. Reinhard Krämer sieht das anders: "Aus unserer Sicht sind das die gleichen Klötze wie vorher." Zulässig sein sollen maximal zwei Geschosse plus einem umlaufend zurückspringendem Staffelgeschoss. Forderung der Bebauungsgegner war eigentlich eine maximal anderthalbgeschossige Bauweise. Damit die neuen Häuser allerdings nicht unmittelbar an die bestehenden Nachbargrundstücke stoßen, sieht der überarbeitete Plan laut Verwaltungsvorlage jetzt "eine Anlegung Garten an Garten vor, um den Abstand zwischen der vorgesehenen Bebauung und der Nachbarbebauung zu vergrößern".

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Als zu eng und gefährlich empfinden die Mitglieder der Bürgerinitiative auch die Zufahrt zum neuen Wohngebiet, die über den jetzigen Parkplatz der Firma Holzleitner erfolgen soll. Hermann-Josef Schmitz, der in der Villa direkt nebenan wohnt und auf einem ausreichenden Lärmschutz besteht (laut Gutachten werden Grenzwerte allerdings nicht überschritten), hat schon gefährliche Situationen vor Augen, wenn zusätzliche Fahrzeuge auf die Bahnstraße fahren werden. "Mit dem Verkehrsproblem hat man sich noch gar nicht befasst", moniert Reinhard Krämer. Er kann auch nicht glauben, dass die Auswirkungen auf die Natur durch das neue Wohngebiet so gering sein sollen, wie es die Verwaltung darstellt. Diese beruft sich allerdings auf ein eigens in Auftrag gegebenes Gutachten, zudem wird es ökologische Ausgleichsmaßnahmen auf einer Fläche in Neersen geben. "Das hilft uns hier in Willich aber nicht weiter, was die kühlende Funktion der Grünfläche und die Luftfilterfunktion angeht. Hier geht Lebensqualität verloren", so Krämer.

Auch die Frage nach dem Denkmalschutz ist laut Bürgerinitiative noch nicht abschließend beantwortet. Aus Sicht der BI ist die gesamte Parkanlage unter Schutz gestellt, die Verwaltung zählt hingegen nur die unmittelbar an der Villa stehenden, alten Bäume dazu. Nach wie vor unklar ist laut Krämer auch, wie man den Investor vertraglich dazu zwingen will, die alte Villa zu sanieren, wenn er im Gegenzug dazu dahinter Wohnhäuser errichten will. Eine Absichtserklärung dazu gab es seitens der Stadtverwaltung bereits, allerdings wurde schon in vergangenen Sitzungen deutlich gemacht, dass dies juristisch schwierig werden könnte. Das Amt für Denkmalpflege im Rheinland führt in seiner Stellungnahme daher aus: "Bevor mit der Erschließung und Neuplanung im Detail begonnen wird, sollte die Villa instandgesetzt werden". Grundsätzlich sieht das Amt die geplante Bebauung kritisch, toleriert sie aber, da dadurch die Villa saniert werden soll. "Insgesamt gibt es für uns aber mehr unbeantwortete Fragen als vorher", sagt Reinhard Krämer.

(RP)