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Stadt Willich: Wechselbäder zwischen Wortgefechten und Versöhnung

Stadt Willich : Wechselbäder zwischen Wortgefechten und Versöhnung

Bei ungemütlichen Außentemperaturen heizte das Ensemble der Neersener Schlossfestspiele den Premierenbesuchern mit hitzigen Wortgefechten ein. Auf dem Spielplan: Yasmina Rezas Schauspiel "Der Gott des Gemetzels".

Intendantin Astrid Jacob versprach in der Begrüßung zu Recht einen "Krimi, der im Kopf stattfindet". Doch Regisseur Martin Maier-Bode beschränkt die Inszenierung des Vier-Personen-Stücks nicht auf die Aktion im Dialog. Er lässt sein Darstellerquartett Claudia Dölker, Markus Rührer, Juliane Ledwoch und Hartmut Scheyhing raumgreifend agieren. So erzählen sie witzig ironisch und natürlich hemmungslos persiflierend von zwei Ehepaaren, die einen Streit zwischen den Söhnen kultiviert regeln wollen.

Silke von Patay entwarf beispielhaft für den gut situierten Lebensstandard des Schauplatzes eine idyllische Terrassenlandschaft, die zur Arena der Wortgefechte wird. Damit ist das Kammerstück passend zum Freilichtcharakter der Festspiele und in der (für die Premierenbesucher trügerischen) Hoffnung auf eine laue Sommernacht in den Außenbereich verlegt. Doch auch der ist ohne Fluchtsituation: Ein Teich schafft über die gesamte Breite eine Barriere und wird zum nassen Grab für ein Handy und anderes mehr.

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Der vom Kabarett kommende Maier-Bode reizt den satirischen Gehalt des Schauspiels aus, dessen Verbalattacken zur Zerreißprobe werden. Unter seiner Regie werden die Wechselbäder zwischen Eskalation und bemühten Versöhnungsversuchen stetig vorangetrieben. Das Ensemble betont im temperamentvollen Stellenwechseln die ohnehin dramatisch rasch wechselnden Paarkonstellationen im Schlagabtausch. Es treibt die Reaktionen immer aufs Neue auf die Spitze und gibt den Figuren doch nachvollziehbare Züge.

Claudia Dölker mimt Véronique im kontrastreichen Spiel. Sie gibt die Rolle zunächst gnadenlos korrekt als hehre Verfechterin des zivilisierten Handelns, als Meisterin der selbstgerechten Sticheleien. Temperamentvoll startet sie dann aber zum expressiven Gegensatz von hysterischen Ausfällen und alkoholbedingten Entgleisungen durch. Juliane Ledwoch steht ihr als Vermögensberaterin Annette in nichts nach, um eine Palette voller Emotionen zwischen Triumph und Niederlage auszuspielen.

In der Rolle des Alain begibt sich Hartmut Scheyhing überzeugend auf eine explosive Gratwanderung. Er navigiert zwischen Unverständnis ob des Aufwands um den Kinderstreit und den Interessen eines getriebenen Workoholikers. Zwischen den Polen des Gegenspielers und verständnissinnigen Gleichgesinnten rudernd, rundet Markus Rührer als Michel das streitbare Quartett ab.

Weitere Termine: 24. und 30.Juni sowie fünf Aufführungen im Juli und zwei im August. Theaterkasse: Hauptstraße 6, Neersen. Öffnungszeiten: mo- fr 8.30-17.30 Uhr, sa 11-13 Uhr.

(RP)