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Stadt Willich: "Was ihr wollt" kommt gut an

Stadt Willich : "Was ihr wollt" kommt gut an

Im schillernden Spiel um das Gesicht unter der Maske begeisterte das Ensemble der Schlossfestspiele Neersen mit Shakespeares Komödie "Was ihr wollt". Der Himmel meinte es gut mit den Premierenbesuchern am Schloss.

Das Schloss Neersen ist gleich zu Beginn der Inszenierung eindrucksvoll ins Geschehen eingebunden. Aus allen Türen schreiten Maskenträger zu alter Musik ins Rampenlicht. Das anmutige Bild eröffnet in feinsinniger Symbolik das turbulente Durcheinander um vertauschte Identitäten und die Fülle menschlicher Gefühlsmöglichkeiten. Die Darsteller geben bald die Gesichter frei, und doch bleibt die Maske präsent. Intendantin Astrid Jacob erläuterte den Premierenbesuchern: Die Masken seien in Anspielung auf den Originaltitel der Verwechslungskomödie ("Twelfh Night or What You Will") und den damit gemeinten Hinweis auf das einst karnevaleske Treiben am Ende der weihnachtlichen Feste gewählt.

Der Narr ist ideal besetzt

Jacobs Regiearbeit lässt den Besuchern zunächst Zeit mit dem wechselseitigen Liebesspiel der Hauptfiguren und dem Rankwerk von Neben- und Randfiguren vertraut zu werden. Hier ist Raum für die in Wort- und Sinnspielen getarnten Weltweisheiten des Narrs, ideal besetzt mit Hartmut Scheyhing. Dem Darsteller gelingt eine feine Schwingung von Tiefsinn und Schwermut, vertieft um den geschickt verwirrenden Umgang mit den beiden Masken im zweifachen Echo auf sein Gesicht.

Im üppigen Kontrast dazu stehen deftige Szenen um den von Sven Post mit praller Lebendigkeit gespielten Sir Toby Rülps. Jennifer Sabel gibt die als Jüngling verkleidete Viola mit einer gelungenen Mischung von Zartheit und zur Schau gestellten Männlichkeit. Sie ist witzig, pfiffig und zeigt zugleich Gespür für die tragischen Seiten der Rolle. Claudia Dölker spielt temperamentvoll das Gefühlschaos der Gräfin Olivia, die den Herzog Orsino (Michael Foerster) hart abweist und sich in den vermeintlich hübschen Jüngling verliebt. Die tragikomische Figur des Haushofmeisters Malvolio, der sich zum Narren macht und als gebrochene Figur zurück bleibt, ist bei R.A. Güther sehr gut aufgehoben.

Am Ende wieder Masken

Silke von Patays Ausstattung mit Stufen und Flächen erlaubt in der reduziert anspielungsreichen Gestaltung eine nahtlose Folge der Szenen. In stetig verdichteten Spannungsbögen ist die Inszenierung im zweiten Teil zum temporeichen Spiel gesteigert. Auf den Höhepunkt der Turbulenzen folgt Ruhe, die in diesem Gegensatz um so berührender wirkt. Viola findet den Bruder wieder und damit den Schlüssel zur Auflösung aller Verwirrungen.

Der Kreis der Aufführung schließt sich: Wie das Stück im Maskenspiel beginnt, so klingt es auch wieder aus.

(anw)