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Willich: Wahlen auch für Eltern

Willich : Wahlen auch für Eltern

Es ist eine schwierige Entscheidung für viele Eltern: In welcher weiterführenden Schule melde ich in den nächsten Wochen mein Kind an? Es gibt für jede Schulform Gründe.

Willich/Tönisvorst Gesamtschule oder eine Schule im dreigliedrigen System? Wie die Entscheidung der Eltern ausfällt, hat unterschiedliche Hintergründe, weiß Paul Birnbrich, der Leiter des Michael-Ende Gymnasiums (MEG) in St. Tönis: „Die Wahl der Schulform hängt von den Ausbildungszielen ab, die man für sein Kind für möglich hält.“ Dazu kommen subjektive Auffassungen. So sei im ländlichen Raum das dreigliedrige Schulsystem beliebter als in der Stadt.

Die Entscheidung, Abitur am Gymnasium oder an einer Gesamtschule, werde von der Idee bestimmt, dass Eltern die Schulausbildung, das Abitur auf dem Gymnasium als wertiger betrachten. Für das MEG entschieden sich die Eltern, weil der Unterricht bilingual strukturiert sei und „die Eltern merken, dass Zweisprachigkeit wichtig ist“, so Birnbrich. Weitere Vorteile seien die individuellen Förderkonzepte für Schüler mit Defiziten und in der Begabtenförderung sowie die gute IT-Ausstattung.

Fächer nach Eignung und Neigung

Die „frühzeitige Beschäftigung mit der Berufswahlreife“ sieht Hermann-Josef Müller, Leiter der Willi-Graf-Realschule in Willich, als Stärke dieser Schulform. Eine frühe Differenzierung ab der siebten Klasse ermögliche es, die Fächer nach Eignung und Neigung zu wählen. Außerdem hätten viele Realschulen individuelle Förderkonzepte, sie „sind mit dem Blick auf Einzelkompetenzen unterwegs.“ Für die Willi Graf-Realschule sprächen drei Aspekte: die Werte-Orientierung zu Frieden und der Blick auf die deutsche Geschichte, die Förderung der Berufswahlreife in Kooperation mit lokalen Partner sowie die Förderung derjenigen, deren Halbjahreszeugnis zeige, dass die Versetzung gefährdet sei, so Müller: „Wir haben damit die Quote der Wiederholer um 50 Prozent gesenkt.“

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Andreas Irkens, Leiter der Hauptschule in St. Tönis, sieht trotz der Diskussion um die Hauptschulen ihre Berechtigung: Wenn ein Kind nicht die Voraussetzungen für eine Realschule oder ein Gymnasium mitbringe, bleibe den Eltern trotzdem eine eingeschränkte Wahl: „Sie können das Kind zur Hauptschule oder zur Gesamtschule schicken. Aber ich gebe zu bedenken, dass nicht jedes Kind für den Massenbetrieb einer Gesamtschule geeignet ist. Unsere Hauptschule ist überschaubarer.“ Das Kleinreden der Hauptschule verunsichere Eltern und „wir wissen, dass Schüler Schwierigkeiten haben, sich zur Hauptschule zu bekennen. Wir haben Lernstandserhebungen wie andere Schulen und müssen uns nicht verstecken.“ Die Stimmung unter seinen Schülern sei gut, so Irkens: „Sie fühlen sich angenommen. Wichtig ist, dass die Eltern die Schulform gut überlegen. Viele unserer Kinder haben nach einer falschen Schullaufbahn eine schmerzhafte Schulkarriere hinter sich und wir müssen das auffangen. Hauptschule ist keine Sackgasse, es gibt Schüler, die in die Oberstufe oder an die Berufsschulen wechseln.“

(RP)