Stadt Kempen: Von den Verrücktheiten der Liebe

Stadt Kempen: Von den Verrücktheiten der Liebe

Die Lautten Compagney Berlin und Dorothee Mields widmeten sich der englischen Musik des 17. Jahrhunderts.

Eines haben Liebe und Medikamente gemeinsam: Risiken und Nebenwirkungen sind nie ganz auszuschließen. Dichtern und Komponisten ist das schon seit langem klar, jedenfalls, wenn es um die Liebe geht. Die "Lautten Compagney Berlin", nicht zum ersten Mal in Kempen zu Gast, hat sich unter diesem Aspekt einmal die englische Musik des 17. Jahrhunderts etwas genauer angesehen und wurde schnell fündig. In dieser Zeit entstand zu diesem Thema ein eigenes Genre, der englische Mad Song. Komponisten wie Robert Johnson, Matthew Locke, Thomas Ravenscroft, John Gay, Johann Christoph Pepusch und vor allem Henry Purcell steuerten viel zu dieser Thematik bei.

Und der Volksmund hatte natürlich auch seine eigenen Erfahrungen auf diesem Gebiet. Davon kündeten in der Paterskirche melancholische Lieder, auch aus dem 16. und 18. Jahrhundert.

Lautten hatte unter dem Titel Love's Madness (Wahnsinn, Verrücktheit) ein buntes musikalisches Mosaik zusammengestellt. Volks- und Kunstlieder wechselten mit Instrumentalstücken aus dieser Epoche in dramaturgisch gut überlegter Folge einander ab, so dass beim Konzert in der Paterskirche ein zusammenhängendes Ganzes entstand. Zum Dreh- und Angelpunkt wurde "Bess of Bedlam", als einleitendes und abschließendes Volkslied und auch als Ballade von Purcell. "Bedlam" ist der verballhornte Name der Londoner psychiatrischen Klinik "Bethlem Royal Hospital".

Viel Gefallen hatten die zahlreich erschienenen Zuhörer an der mustergültigen Liedinterpretation durch Dorothee Mields. Die Sopranistin sang mit klarer, ausdrucksvoller Stimme, bewältigte mühelos Koloraturen und gewann darüber hinaus durch die Lockerheit und den Charme ihres Auftretens die Sympathien des Publikums.

Durch Kompetenz zeichnete sich ebenfalls das Instrumentalensemble "Lautten Compagney Berlin" unter der Leitung von Wolfgang Katschner aus. Besetzt war es mit zwei Lauten (im Wechsel mit Gitarre und Theorbe), Blockflöte, Oboe, zwei Violinen, Viola, Perkussion und Cembalo (im Wechsel mit Orgel). Anders als angekündigt wurden Cello und Kontrabass ersetzt durch eine Acht-Fuß-Violone, die im Tonumfang so irgendwo zwischen Cello und Kontrabass angesiedelt war.

Durch den geschickten Aufbau war das Programm abwechslungsreich und kurzweilig. Will man einen Komponisten hervorheben, dann am ehesten wohl Henry Purcell. Da war es konsequent, ihn nach dem begeisterten Beifall noch einmal mit einer Zugabe zu berücksichtigen, mit einer virtuosen Arie aus "The Fairy-Queen".

(RP)