Stadt Kempen: Von Bach bis zu Fritz Kreislers "Liebesleid"

Stadt Kempen: Von Bach bis zu Fritz Kreislers "Liebesleid"

Vorweg wollte Alexander Krichel in der Paterskirche einem Missverständnis vorbeugen. Sein Programm - von Bach über Beethoven und Ravel bis zu Wagner und Fritz Kreisler - sei, sagte der Pianist, keineswegs "ein wildes Potpourri".

Der erste Teil hatte Tänze in barocken Suiten zum Thema und begann mit Johann Sebastian Bachs Englischer Suite a-moll (BWV 807). Krichel spielte sie flüssig und akzentuiert. Durch gezielte Betonungen machte er die versteckte Melodie hinter den gleichmäßigen schnellen Noten deutlich. Wohl klangen manchmal die schnellen Passagen ein wenig verschwommen - schwer zu sagen, ob das eher am Spiel oder an der Akustik lag. Eine ausgezeichnete Wiedergabe bot Krichel von Ravels "Le tombeau de Couperin". Tombeau (Grabstätte) meint einmal das Gedenken Ravels an seine im Krieg gefallenen Freunde, zum zweiten eine Hommage an Couperin und damit zugleich an die Komponisten der Barockzeit generell. Das Werk klingt in jedem Takt nach Ravel, aber die Erinnerung an Barockmusik schimmert immer wieder durch. Genau das machte Krichel mit seiner Interpretation deutlich. Markant gespielte Bässe wie in der Toccata kamen genau so zu ihrem Recht wie zarte impressionistische Klänge.

So, wie Bach und Ravel Sätze wie Allemande oder Rigaudon komponierten, waren es natürlich keine Tänze mehr. Sie machten mehr daraus. Ein Leitgedanke Krichels bei der Programmgestaltung war das Kriterium "Bearbeitungen."

Um die ging es auch im zweiten Teil, beim Thema Liebe in der Musik. Die wurde schon oft besungen - jetzt ging es um Bearbeitungen für das Klavier. Dabei zeigte sich, dass Meisterpianisten wie Liszt und Rachmaninow Kompositionen so zu transkribieren wussten, dass sie wie original fürs Klavier geschrieben klangen. Klingt Fritz Kreislers charmantes Violin-Schmankerl "Liebesleid" noch nach leiser Melancholie, wirkt es in Rachmaninows Klavierfassung schon eher nach Tragödie. Aber pianistisch dankbar ist die Transkription allemal, genau so wie bei "Liebesfreud".

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Auch Liszt verstand sich darauf, in Beethovens "An die ferne Geliebte" oder in Wagners "Isoldes Liebestod" die Singstimme vergessen zu lassen. Krichel spürte die Spannungsbögen der Musik auf und bot eine fesselnde Wiedergabe.

Für den begeisterten Beifall bedankte sich der Pianist mit einer eigenen Komposition. "Lullaby" (Wiegenlied) hatte er mitfühlend vor einiger Zeit einem Freund mit Schlafstörungen gewidmet.

(RP)