Stadt Willich: Viele Häftlinge, viel Arbeit

Stadt Willich: Viele Häftlinge, viel Arbeit

Die Justivollzugsanstalt (JVA) Willich I hat mit den gleichen Problemen wie andere Gefängnisse zu kämpfen. Es gibt mehr Gefangene als Haftplätze und zu wenig Personal. Das führt zu Überstunden und einem hohen Krankenstand.

Wenn NRW-Justizministerin Rosiwtha Müller-Piepenkötter (CDU) in knapp zwei Wochen die Justizvollzugsanstalt (JVA) Willich I besucht, wird sie viele Gespräche führen. Unter anderem mit der Anstaltsleitung, mit dem Beirat und mit dem Personalrat des Anrather Männergefängnisses. Was die Ministerin dann zu hören bekommt, dürfte sie aus Gesprächen mit Vertretern anderer Anstalten im Lande kennen. Die Überbelegung und der Personalmangel sind Probleme, die viele – wenn nicht alle – JVAs in NRW belasten.

Hundert Überstunden

Beate Peters, seit rund zwei Jahren Leiterin des Männergefängnisses in Anrath, hat jüngst aktuelle Zahlen für ihre Anstalt genannt. "Derzeit schiebt jeder Bedienstete bei uns rund 100 Überstunden vor sich her." Der Landesdurchschnitt liegt mit 70 Stunden immer noch hoch, aber deutlich unter dem Wert aus Anrath. "Mitunter müssen die Bediensteten zwei Wochenenden nacheinander arbeiten", erzählt Peters. Das sei gerade älteren Kollegen nicht lange zumutbar. In einer landesweiten Umfrage unter den JVA-Bediensteten gaben viele denn auch kürzlich auch an, dass die Arbeitsbelastung nicht das Problem sei, sondern die Intensität.

In Anrath hat sich inzwischen eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich mit der Dienstplanung befasst. Eine personelle Aufstockung ist hingegen nicht zu erwarten. "Wir fordern eigentlich permanent neues Personal an", so Peters. Das Landesfinanzministerium genehmigt das aber nicht. "Die Situation kann zu Unzufriedenheit unter den Bediensteten führen", sagt Peters. Das befürchtete Szenario: Die Mitarbeiter werden anfälliger für Krankheiten, sie fehlen häufiger bei der Arbeit. Das wiederum führt zu Schwierigkeiten der Bediensteten untereinander.

Der Krankenstand unter den Bediensteten in der JVA Willich I liegt derzeit bei etwas mehr als acht Prozent. "Damit können wir nicht zufrieden sein", sagt Peters. Vor zwei Jahren aber lag die Quote noch bei 13 bis 14 Prozent. Erfasst werden nicht nur körperliche Gebrechen. "Die psychische Belastung beim täglichen Umgang mit Strafgefangenen darf man nicht unterschätzen", betont Peters. Zumal die JVA in Anrath mit beinahe chronischer Überbelegung zu kämpfen hat. "Wir haben zum Teil mehr als 450 Gefangene bei 415 Haftplätzen."

Das bringt zusätzliches Konfliktpotential mit sich. "Je mehr Leute auf engem Raum zusammen leben, desto mehr Probleme gibt es auch", sagt Otto Sommerfeld. Er ist Personalratsvorsitzender der JVA und Vorsitzender des Ortsvereins Willich im Bund der Strafvollzugsbediensteten Deutschlands (BSBD). Seit 28 Jahren arbeitet er im Strafvollzug. "Die Situation für die Bediensteten hat sich nicht von heute auf morgen verschlechtert", sagt er. Vielmehr gebe es eine konstante Entwicklung. "Die äußeren Umstände haben sich geändert", sagt Sommerfeld. Gekürzte Bezüge und Eingriffe in die Mitbestimmung durch das 2008 geänderte Landespersonalvertretungsgesetz (LPVG) habe man in den vergangenen Jahren hinnehmen müssen.

Aussicht auf Besserung besteht derzeit nicht. Das wird auch das Gespräch mit der Ministerin nicht ändern können. Vielversprechender erscheinen Aktionen wie der Gesundheitstag, den die JVA gemeinsam mit dem benachbarten Frauengefängnis im Oktober für die Bediensteten beider Anstalten organisiert hat. "Es gab viele positive Rückmeldungen", sagt Sommerfeld. Frage des Tages

(RP)