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Tönisvorst: Verräterisches Schweigen der Ehemänner

Tönisvorst : Verräterisches Schweigen der Ehemänner

Sollten die Scheidungsanwälte in dieser Woche regen Zulauf haben, könnte das an Rüdiger Höfken liegen. Der Krefelder Kabarettist hatte die männlichen Besucher seines Programms aufgefordert, aufzuspringen und laut "Ja, da simmer dabei" zu rufen, wenn sie ihre Frau ohne Zögern sofort wieder heiraten würden. Es wurde der Lacher des Abends, dass keiner der etwa 15 Männer aufstand und sich statt begeisterter Rufe tiefes Schweigen im Saal ausbreitete.

"Schöner wird's nicht oder: Das Leben beginnt mit 40 und andere Märchen" war dann auch der Titel des Programms, das Höfken im Sitzungssaal des St. Töniser Rathauses zeigte. Ursprünglich hatten Höfken und seine Frau Betti Ixkes, zusammen bekannt als "Theater ohne Namen", das Broadway-Stück "Der letzte der feurigen Liebhaber" spielen wollen, aber eine gebrochene Hand hinderte Ixkes am Auftritt. "Trotz der spontanen Programmänderung haben nur zwei Besucher die Karten zurückgegeben", erzählt Günter Scheuer vom Verein "Kultur im Rathaus". Zwei weitere Besucher hatten Höfkens Midlife-Comedy erst vor vier Wochen in Krefeld gesehen und blieben trotzdem, "weil es so lustig war". Und das fanden die etwa 40 Besucher im St. Töniser Rathaus auch. Zwar gelang es dem Kleinkünstler nicht über die gesamte Dauer von fast zwei Stunden, das Publikum in seinen Bann zu ziehen, aber viele witzige Geschichten, absurde Ideen und lustige Verknüpfungen sorgten immer wieder für Heiterkeit und spontanen Beifall. Das Thema Midlife-Crises zog sich wie ein roter Faden durch das Programm, mit dem der 45-jährige Kabarettist seit zwei Jahren tourt. Kleine Ausflüge in eine Ehetherapie-Praxis oder zum bekannten Szenario "Familiendrama am Heiligen Abend" gehörten ebenso dazu, wie bissige Bemerkungen über Joppi Hesters und wirre Zitate von Edmund Stoiber.

25 Jahre Bühnenerfahrung waren dem Krefelder anzumerken: Mit guter Mimik, starker Stimme, origineller Lyrik und schauspielerischem Talent unterhielt Höfken seine Zuhörer. Und am Ende des Abends bekam jeder Besucher ein paar Geschenkideen für den nächsten Geburtstag von Gleichaltrigen mit auf den Weg: Ein Hochglanzprospekt über Treppenlifte oder — auch schön — ein Gutschein zum Probeliegen beim Bestatter. Schließlich habe der Arzt, laut Höfken, ja schon darauf hingewiesen, "dass Moorbäder zwar bei Rückenleiden nicht helfen, man sich aber bei der Gelegenheit schon mal an die feuchte Erde gewöhnen kann".

(RP)