Verein „Freunde von Kanew“ verwertet Inventar des Willicher Katharinen-Hospitals

„Freunde von Kanew“ : Hospital-Inventar für die Ukraine

Seit über 25 Jahren leistet der Viersener Verein „Freunde von Kanew“ Hilfe in der Ukraine. Nun sucht der Verein für einen Tag Helfer, die einen Teil des Inventars des Katharinen-Hospitals abmontieren.

Wer mit dem Akkubohrschrauber umgehen kann und am kommenden Freitag, 12. Juli, Zeit hat, der könnte sich um 14 Uhr am Haupteingang des ehemaligen Katharinen-Hospitals einfinden. „Wir gehen schrauben und suchen noch Helfer“, sagt Paul Schrömbges. Der Willicher ist der erste Vorsitzende des Vereins „Freunde von Kanew“, der seinen Sitz in Viersen hat.

Der von dem bereits verstorbenen Fritz Meies ins Leben gerufene Verein ist seit über 25 Jahren für die Viersener Partnerstadt Kanew im Einsatz. Im Laufe der Jahre entstand in der ukrainischen Stadt unter anderem eine Altenstube, in der ältere Menschen Betreuung und Hilfe finden. Ein Reha-Zentrum für Kinder mit Handicaps wurde ins Leben gerufen. Das Krankenhaus erfuhr eine Modernisierung, Schulen und Kitas wurden saniert, es kam zur Gründung eines Familienzentrums in Kombination mit einer ärztlichen Einrichtung – kurzum, die gesamte Infrastruktur wird dank des koordinierenden Vereins und des Einsatzes vieler Bürger aus Viersen sowie Umgebung gestärkt und aufrechterhalten.

Gerade hat ein 40-Tonner das Lager in Dülken verlassen und sich mit Hilfsgütern unterschiedlicher Art auf den Weg nach Kanew gemacht. Auf dem Lkw samt Anhänger, der von einer ukrainischen Spedition gefahren wird, befinden sich Kartons für die einzelnen Einrichtungen. Die Palette reicht von Krankenhausbetten und –bettwäsche über Verbandsmaterial und Bekleidung bis hin zu Windeln für Senioren und feuerwehrtechnischem Material, unter anderem in Form von Atemschutz und Schläuchen.

Dazu hat sich der Verein ein neues Großprojekt vorgenommen – und bei dem spielt das Katharinen-Hospital eine wichtige Rolle. Schrömbges, der Anfang des Jahres den Vorsitz übernahm, plant dafür am Freitag eine etwas ungewöhnliche Aktion. Das sich kurz vor der Entkernung und dem sich anschließenden Abriss befindliche Willicher Krankenhaus verfügt noch über eine Menge an Inventar, das die „Freunde von Kanew“ gut für ihr neues Projekt in der Ukraine gebrauchen können. Der Verein möchte ein weiteres Familienzentrum mit Ärzten und Krankenschwestern ins Leben rufen, um noch mehr Menschen in Kanew Arztbesuche zu ermöglichen. „Kanew ist eine langestreckte Stadt. Der öffentliche Nahverkehr ist so gut wie nicht gegeben. Wir möchten daher ein zweites Familienzentrum einrichten. Derzeit sind wir auf der Suche nach Räumlichkeiten, wo wir das Zentrum realisieren können“, berichtet Schrömbges. Er selbst war erst vor Kurzem im Katharinen-Hospital und erstaunt, was sich noch alles im Haus befindet. Der Kontakt zum Abrissunternehmen macht es nun möglich, dass die „Freunde von Kanew“ vorab in das Krankenhaus dürfen und Möbel, die sie für das geplante Zentrum nutzen können, abbauen dürfen. Und genau dafür wird Hilfe gesucht.„Vom Verein kommen einige Mitglieder, aber es wäre toll, wenn wir aus der Willicher Bevölkerung Verstärkung erhalten würden“, sagt Schrömbges. Unter anderem sollen zwei Küchenwände abgebaut, die Einzelteile für einen späteren Aufbau in Kanew nummeriert und auf einen Lkw geladen werden.

Das Wandrelief am Haupteingang wurde inzwischen abmontiert. Foto: Norbert Prümen

Bei der Grundstücksgesellschaft der Stadt freut man sich, dass mit dem alten Mobiliar noch Gutes getan werden kann. „Wir freuen uns, wenn die Sachen nicht verschrottet werden müssen“, hebt Aufsichtsratsvorsitzender Christian Pakusch hervor. Zu den Sachen, die für Willich gerettet wurden, gehört das Wandrelief in der ehemaligen Eingangshalle des Krankenhauses. Das Kunstwerk aus den 60er-Jahren wurde bereits demontiert.

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