Unter dem Titel „Denk Mal“ startet in Willich ein Projekt zum Thema Demenz

Kulturforum Willich : Kunst setzt sich mit Demenz auseinander

Sieben Wochen, 25 Veranstaltungen von Theater über Informationsabend bis Ausstellung: Vom 25. Mai bis zum 12. Juli steht Willich ganz im Zeichen der Demenz. Unter dem Titel „Denk Mal“ startet ein etwas anderes Projekt.

Ein begehbares Gehirn, in die wundersame Welt der Demenz eintauchen wie Alice im Wunderland, eine sich mit Vorlieben auseinandersetzende wachsende Foto-Ausstellung, ein Labyrinth namens „Demente Weltsicht“, das Thema Inkontinenz, ein Abend zum „Ver-Rücken“, ein Mitsingkonzert, Theater erleben und die Möglichkeit, mit einer Künstlerin zu sprechen, die selbst mit der Diagnose vaskuläre Demenz konfrontiert ist und ihre Bilder mitgebracht hat – mit einem bunten Mix rückt das Thema Demenz in der Stadt Willich in den Mittelpunkt. Unter dem Titel „Denk Mal“ läuft ein einmaliges Demenzprojekt des Kulturforums Willich an, bei dem alle Altersgruppen angesprochen werden.

Unterschiedliche Sparten der Kunst laden vom 25. Mai bis 12. Juli an verschiedenen Orten in Willich zum Betrachten, Nachdenken, Staunen, Hingeben, Erleben und Mitmachen ein. So wird ein begehbares Gehirn, an dem Beate Krempe und Waleed Ibrahim derzeit arbeiten, über den gesamten Zeitraum auf dem Kaiserplatz stehen. Der Auftakt von „Denk Mal“ findet bei Kunst im Kern am kommenden Samstag, 25. Mai, statt. Demenzexperte Erich Schützendorf setzt sich in den Räumen der Altenhilfe am Kaiserplatz mit der Frage auseinander, ob Inkontinenz ein öffentliches Thema ist. Auf der Willicher Bügelbahn lädt Martin Heinrich Hensel mit einem Labyrinth aus Gitterbahnen dazu ein, räumliche Desorientierung zu erfahren.

Beate Krempe zeigt unter dem Titel „Alice im Wunderland“ Malereien, die die Erlebniswelt ihrer an Demenz erkrankten Mutter widerspiegeln. Was bleibt, wenn der Verstand nicht mehr im Vordergrund steht? Was macht einen Menschen aus? Was ist ihm wichtig? Diesen Fragen wird mit der wachsenden Foto-Ausstellung „Wenn ich mal dement werde …“ nachgegangen, die am 28. Mai auf dem Kaiserplatz und am 13. Juni im Saal Krücken stattfindet. Pfarrer Rolf Klein liest am 5. Juni, begleitet von Klaviermusik, aus dem Buch „Der alte König in seinem Exil“ vor. Am 15. Juni können sich die Besucher auf szenisches Theater freuen, bei dem Generationen aufeinandertreffen. Es gibt an gleich drei Terminen ein kreatives Angebot für Jugendliche am Gehirn.

Der 13. Juni, 19 bis 21 Uhr, bringt im Saal Krücken viele Informationen zum Thema Demenz. Im Pfarrheim St. Katharina wird es am 16. Juni ein Mitsingkonzert mit alten deutschen Schlagern geben, und am 28. Juni ist in der Stadtschmiede mit dem Film „Vergiss mein nicht“ Kino angesagt. Kreativangebote für Angehörige von Menschen mit Demenz, Gottesdienst unterwegs, Besuch vom Kreschtheater – die Liste der Angebote ist lang und endet am 12. Juli mit einer großen Veranstaltung auf dem Kaiserplatz.

Die Idee zu dem Ganzen hatte Beate Krempe. Die Willicher Diplom-Designerin und Künstlerin schuf für eine Ausstellung im Niederrheinischen Freilichtmuseum mit dem Thema „Heimat“ Werke, die sich mit dem Verlust der inneren Heimat beschäftigten, also der Demenz. Die künstlerische Auseinandersetzung sowie die Tatsache, dass sie Hospizmitarbeiterin ist und die eigene Mutter an Demenz erkrankt ist, weckte in ihr den Wunsch, ein größeres Projekt entstehen zu lassen. „Menschen mit Demenz nicht alleine lassen, sondern vielmehr dazu beitragen, dass Demenz nicht mit einer großen Angst gleichgesetzt wird, liegt mir am Herzen. Dazu braucht es Aufklärung und Akzeptanz in der Gesellschaft“, sagt Krempe. Sie sprach unterschiedliche Organisationen, Institutionen, Träger, Gruppen und die Stadt Willich an und stieß überall auf große Begeisterung, Unterstützung und Sponsoring. Aus einem kleinen Schneeball ist so eine große Lawine geworden, die auf unterschiedliche künstlerische und informative Arten an das Thema Demenz heranführt und sich damit auseinandersetzt. Über 100 Mitstreiter haben sieben Wochen voller Leben zu einem doch eher im verborgenen stehenden Thema auf die Beine gestellt und holen es damit ans Tageslicht. „Das Projekt lebt von den vielen engagierten Menschen, die es mittragen“, hebt Krempe hervor. Das Engagement werde sich gelohnt haben, wenn ein Leben mit Demenz lebenswert erscheine und die Menschen mit Demenz am öffentlichen Leben ganz selbstverständlich teilhaben werden, fügt Schützendorf an.

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