Unfallschwerpunkt Kreisverkehr: Studenten analysierten Situation in Willich

Projekt: Studenten nehmen Kreisverkehr unter die Lupe

Er ist einer der Unfallschwerpunkte in Willich: Der große Kreisverkehr an der St. Töniser Straße. Studenten erarbeiten Lösungsansätze.

„Wir standen gerade hier, da hörte ich schon die ersten quietschenden Reifen“, sagte André Bresges, der hauptberuflich die „Physikdidaktik“ an der Kölner Uni lehrt. Der Professor hatte sieben Studenten mitgebracht. Die angehenden Gymnasial- und Gesamtschullehrer trafen sich mit Vertretern der Kreispolizeibehörde und der Deutschen Hochschule der Polizei (Münster) an einer Unfallhäufungsstelle, am großen Kreisverkehr in Alt-Willich, wo gleich vier Straßenzüge aufeinandertreffen – und der ab Montag komplett saniert wird.

Obgleich die Kreispolizeibehörde mit ihrer Direktion „Verkehr“ ständig daran arbeitet, den Verkehr für radfahrende Kinder und Jugendliche sicherer zu machen (erinnert sei nur an die Aktion „Vorkids“), hatte man sich zuletzt um wissenschaftlichen Beistand bemüht, um den Gründen der Beinahe-Kollisionen und Unfällen auf die Spur zu kommen. Einen generellen Handlungsbedarf machten Polizeisprecher Achim Braun und sein Leiter der Direktion „Verkehr“, Michael Okuhn, deutlich. Zuletzt hatte der Kreis Viersen bei der Verkehrssicherheit von Rad fahrenden Kindern unter den 47 Kreispolizeibehörden in NRW den letzten Platz belegt. Den großen Kreisverkehr und die Unfallhäufungsstelle zwischen Bahn-, Park- und St. Töniser Straße hatte man sich für dieses Modellprojekt ausgesucht, weil es dort 2017 zu insgesamt 19 Unfällen gekommen war, davon war sieben Mal zumindest ein Fahrradfahrer beteiligt, vier davon waren Kinder.

12 Uhr mittags, der Betrieb an dem großen Rondell ist noch einigermaßen überschaubar. Dennoch ist einiges los, bringen beispielsweise Landwirte ihre erste Getreideernte ins Trockene, suchen Lkw-Fahrer die benachbarten Auffahrten auf A 52 oder A 44 oder Autofahrer den direkten Weg in die Ortsmitte. Die Schüler der benachbarten Gesamtschule und von den weiterführenden in Schiefbahn sind zu dem Zeitpunkt noch nicht mit ihren Rädern oder mit dem Bus da, ebenso wenig die vielen Auspendler. Die Studenten postieren sich an einigen Punkten, befragen Passanten, wie sie den Bereich dort wahrnehmen. Einige Studenten, so Julian Schilling und Barbara Falk, leihen sich ein Fahrrad aus, um dies alles besser beurteilen zu können. Was den Beiden sofort auffällt: dass auf einigen Zebrastreifen, die Fußgänger und Radfahrer passieren müssen, die Autos dicht an dicht stehen, dass für eine gefahrlose Überquerung wenig Platz vorhanden ist. „Das ist hier ständig so eine Art Spießrutenlaufen“, kommentiert eine etwa 50-jährige Willicherin, die gerade auf dem Wochenmarkt eingekauft hat.

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Ohne die Fußgänger und Radfahrer hatte eine Verkehrszählung vor einiger Zeit ergeben, dass den Kreisverkehr dort täglich über 30.000 Fahrzeuge passieren. „Das ist einfach zu viel Verkehr. So kann eine optimale Steuerung überhaupt nicht erfolgen“, kommentierte ein Rentner. Studenten schilderten ihre eigenen Beobachtungen: Einige Markierungen der Radwege seinen unklar, die kleine Mauer an der Tankstelle schränke ebenso die Sicht ein wie der starke Baumbewuchs in der Mitte des Kreisverkehrs. „Der Autofahrer soll sehen, wie es bei den anderen Ein- und Ausfahrten aussieht, vielleicht wird er dann geduldiger, gerade was das Vorbeilassen der Radler und Fußgänger angeht“, meinte in einer ersten Stellungnahme Professor André Bresges. Fürwahr: So mancher Autofahrer wollte nicht mehr länger warten, fuhr in den Kreisverkehr hinein, behinderte dadurch die Passanten. Berges: „Vielleicht kann man hier einige Schilder aufstellen, um die motorisierten Verkehrsteilnehmer zu einer größeren Rücksichtsnahme zu veranlassen.“ Allerdings wurden auch Schilder mit der Aufschrift „Radfahrer bitte absteigen“ gewünscht, um Unfälle an den verschiedenen Ein- und Ausfahrten zu minimieren.

Vertreter der Kreispolizeibehörde sagten noch, dass zur Sicherheit der Kinder unter www.vorkids-viersen.de eine zweite Fragebogenaktion laufe. Die Deutsche Polizei-Hochschule plant einen weiteren Fragebogen, speziell für Zehn- bis Vierzehnjährige. In der Kölner Uni sollen die Ergebnisse und Beobachtungen der Studenten jetzt zusammengetragen werden. „Daraus wird ein Abschlussbericht, den wir dann auch an den Landrat des Kreises Viersen, Andreas Coenen, schicken “, sagte zum Abschluss André Bresges.