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Udo Hormes, Stadt Willich: In Zeiten von Insektensterben, Klimawandel und Ressourcenknappheit kann jeder Einzelne etwas für die Umwelt tun.

Willich : Chemie gegen Wildwuchs ist tabu

In Zeiten von Insektensterben, Klimawandel und Ressourcenknappheit kann jeder Einzelne etwas für die Umwelt tun. Oft sind es Kleinigkeiten, über die keiner nachdenkt, die der Natur aber massiv schaden.

Es tut der Natur nicht gut, und es ist zudem eine Ordnungswidrigkeit, die geahndet wird. Doch weder das eine noch das andere ist vielen Bürgern bekannt, wenn sie zum Drucksprüher greifen, ein Unkrautbekämpfungsmittel in der entsprechenden Verdünnung einfüllen und Einfahrten, Terrassen, Parkplätze oder Gehwege besprüher, weil dort unerwünschtes Grün zwischen den Fugen oder durch eine Kiesschicht wächst. „Pflanzenschutzmittel dürfen auf nicht gärtnerisch genutzten Flächen nicht aufgebracht werden. Das ist nur mit ausdrücklicher Sondergenehmigung erlaubt“, erklärt Udo Hormes vom Geschäftsbereich Stadt- und Landschaftsplanung der Stadt Willich.

Mit den einsetzenden wärmeren Temperaturen musste Hormes bei Fahrten durchs Willicher Stadtgebiet schon vermehrt feststellen, dass Bürger zu den Chemiespritzen gegriffen haben. Es handelt sich um Ordnungswidrigkeiten, die dem Pflanzenschutzamt in Bonn gemeldet und von dort aus weiter verfolgt werden. „Vielen Menschen ist gar nicht klar, was sie auf ihrem eigenen Grund und Boden aufbringen und wie es nicht nur das Grün zum Absterben bringt, sondern den Boden weiter schädigt“, sagt Hormes. Der Fachmann nennt den Wirkstoff Glyphosat. Der ist in vielen Unkrautvernichtungsmitteln enthalten. Und die gibt es im Handel zu kaufen. Was in der Landwirtschaft immer wieder für negative Schlagzeilen sorgt, ist auch im heimischen Garten ein Problem. Glyphosat schädige auch hier Boden und Grundwasser. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Haus- und Gartenbesitzer das bewusst machen. Ich vermutet eher, dass die Unwissenheit über diese Chemikalie nach wie vor sehr groß ist. Verstärkte Aufklärung tut daher not“, betont Hormes.

Udo Hormes mit einem der typischen Spritzgeräte, die Gartenbesitzer gegen unerwünschte Pflanzen in Fugen und auf Kieswegen verwenden. Foto: Wolfgang Kaiser

Das gilt auch für den Einsatz von Essig oder Salz. Rechtlich ist dies zwar eine Grauzone, aber ökologisch ist es ebenfalls eine Katastrophe, wenn damit gearbeitet wird. Die Stadt Willich selbst geht – wie viele andere Kommunen – mit gutem Beispiel voran. Schon seit etlichen Jahren werden überhaupt keine Unkrautvernichtungsmittel mehr verwendet. Stattdessen wird mechanisch gearbeitet. Das heißt, die Mitarbeiter kratzen unerwünschten Bewuchs beispielsweise mit Stahlbesen auf Bodenplatten ab. Dazu kommen thermische Verfahren. Mit einem ausgeklügelten Heizwassersystem werden Pflanzen zum Absterben gebracht.

Wer auf dem eigenen Grundstück befestigte Flächen hat, die stark mit Unkraut bewachsen sind, sollte erst einmal überlegen, ob die Fläche falsch angelegt ist. „Auf einer Fläche, die stark beansprucht wird, entsteht nicht viel Unkraut. Ist eine Pflasterfläche voll unerwünschter Pflanzen, sollte die Befestigung geprüft werden. Es kann ein Zeichen dafür sein, dass man die Befestigung gar nicht braucht“, meint Hormes. Ansonsten gilt: Unerwünschter Bewuchs zwischen Platten oder durch Kies kann man mit einer Schere oder einem anderen Gerät problemlos entfernen. Schuffeln ist eine weitere Möglichkeit. Abbrennen ist ebenfalls eine Alternative, wobei Hormes aber aus Erfahrung weiß, dass bei manchem Gartenbesitzer dadurch auch schon mal die angrenzende Hecke in Brand geraten ist. Ein Effekt, der nun gar nicht gewünscht ist.

„Alle klagen über Insektensterben und wollen mehr Einsatz für den Klimaschutz. Jeder sollte bei sich daheim anfangen und überlegen, ob es generell nötig ist, Gift – in welcher Form auch immer – im eigenen Garten zu verbreiten. Einen artenfreundlichen Garten kann man auf einer noch so kleinen Fläche anlegen“, sagt Hormes. Er sei immer wieder schockiert, wenn er neuere Luftbilder von Willich sieht und diese mit früheren Aufnahmen vergleicht. Es verschwinde immer mehr Grün in den Gärten, und es gebe weniger Bäume.