1. NRW
  2. Städte
  3. Willich

Willich: Tod von Marc vor Gericht

Willich : Tod von Marc vor Gericht

Im August 2007 wurde ein neunjähriger Junge von einem rollenden Kanalrohr in Mettmann getötet. Die Staatsanwaltschaft Wuppertal klagt Inhaber und Mitarbeiter einer Willicher Baufirma der fahrlässigen Tötung an.

willich/Mettmann Die Umstände des Todes des neunjährigen Marc, der am Nachmittag des 25. August 2007 von einem herabfallenden Rohr an der Südstraße in Mettmann überrollt wurde und dabei ums Leben kam, sind jetzt vor dem Amtsgericht Mettmann verhandelt worden. Es hat drei Jahre gedauert, bis die Hauptverhandlung mit der Beweisaufnahme eröffnet wurde.

Die Staatsanwaltschaft Wuppertal erhebt im Zusammenhang mit dem Tod des Jungen Anklage wegen fahrlässiger Tötung gegen den Inhaber einer Willicher Hoch- und Tiefbaufirma, den Bauleiter und einen Arbeiter des Unternehmens. Ihnen wird vorgeworfen, die Baustelle nicht abgezäunt und den Röhrenstapel nicht ordnungsgemäß gesichert zu haben.

Zwei Gutachter sagen aus

Zwei Gutachter kamen vor Gericht zu unterschiedlichen Ergebnissen. Während der eine der Meinung ist, dass die Sicherung des Röhrenstapels mit einem Hemmschuh eine ausreichende Sicherung darstellt, sieht der andere Gutachter dies anders.

Die Vorsitzende Richterin bat die Kinder, die damals mit Marc auf der Baustelle gespielt hatten, um ihre Aussage. Sie konnten sich nur teilweise an das schreckliche Unglück erinnern und leiden noch immer unter den traumatischen Ereignissen. Der Junge hatte am Nachmittag des 25. August 2007 auf einem Röhrenstapel, der auf einem nicht abgesicherten Grundstück an der Südstraße lag, gespielt. Das Kind fiel von dem Röhrenstapel und lag auf dem Bürgersteig. Ein 2,58 Meter langes, bis zu 60 Zentimeter starkes und mehrere hundert Kilogramm schweres Betonrohr löste sich von den Stapel, rollte auf den Bürgersteig und traf Marc am Kopf. Er erlitt schwerste Verletzungen, an denen er trotz intensivmedizinischer Behandlung starb. Unter den Spielkameraden, die Zeugen des Unfalls waren, befand sich der Zwillingsbruder von Marc. Die geschockten und verzweifelten Kinder wurden mit den Angehörigen nach dem tragischen Unfall von Notfall-Seelsorgern betreut. Noch heute leidet der Zwillingsbruder. Er habe psychische Probleme, schlaflose Nächte und befinde sich in ärztlicher Behandlung, so der Anwalt der Mutter. Auch sie, die als Nebenklägerin an der Verhandlung teilnahm, leidet nach wie vor unter dem schrecklichen Unglück.

Willicher Chef: "Ein Alptraum"

Nach dem Unglück zeigten sich der Inhaber der Willicher Baufirma und seine Mitarbeiter tief betroffen. "Die Mitarbeiter und der Bauleiter stehen unter Schock. Das ist der absolute Alptraum für uns. Es ist so schrecklich, wenn man an die Eltern denkt", sagte der Firmenchef damals in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Die Arbeiten an der Baustelle ruhten nach dem Unglück mehrere Wochen.

Die drei Angeklagten machten jetzt selbst keine Aussage vor Gericht, sondern ließen ihrer Verteidiger eine Erklärung verlesen. Demnach sehen sie keine persönliche Schuld am Tod des Jungen. Es ging auch um die Frage, ob das Verfahren gegen den Firmenchef eingestellt wird. Er habe seinen Betrieb stets vorbildlich geführt und die Verantwortung für die Baustelle an seine Mitarbeiter delegiert. Der Firmenchef hatte über seine Versicherung mehrere tausend Euro Schmerzensgeld an die Mutter, den Opa und den Bruder des kleinen Marc gezahlt. Er trug auch die Kosten der Beerdigung.

(RP)