Stadt Willich: Testkäufe wären sinnvoll

Stadt Willich : Testkäufe wären sinnvoll

Die Stadt Willich zählt zu den jüngsten Städten Deutschlands: 6005 Einwohner sind zwischen zehn und 18 Jahre alt. Und gerade die Gruppe der älteren Jugendlichen feiert gerne. Es sei heute schwierig zu sagen, wie viel Alkohol bei Jugendlichen noch normal ist, sagt Martin Zinnel. Der Ordnungsamtsleiter findet es jedenfalls "bedenklich, dass so viele Jugendliche alkoholisiert sind". Bei Jugendschutzkontrollen auf den Straßen treffen die Ordnungsamtsmitarbeiter der Stadt Willich immer wieder auf "Extremfälle". Auch bei Veranstaltungen fällt das exzessive Trinken Jugendlicher auf. "Ansonsten haben sie ihre Plätze und sind manchmal schwierig zu finden."

Streetworkerin Marion Tank meint: "Es gibt heute keine Stadt oder Kommune, in der es kein Alkoholproblem gibt." Auch bei ihrer Arbeit in Willich dreht sich vieles um dieses Thema. Warum die Jugendlichen so oft und viel trinken? "Dafür gibt es viele Gründe. Manche langweilen sich, andere haben so mehr Spaß, wieder andere trinken, weil sie Probleme haben, andere bekommen durch den Alkohol ein Problem."

Mehr Projekte mit Verantwortung

Für das Ordnungsamt ist es nicht leicht, das öffentliche Trinken in den Griff zu bekommen. "Wir haben nicht so viele Leute, dass wir das ganze Stadtgebiet durchsuchen könnten", sagt Zinnel. Das größte Problem: Den Verkauf von Alkohol an Minderjährige zu kontrollieren. "Da gibt es eine gewisse Ohnmacht unsererseits" – Testkäufe zu unternehmen ist dem Ordnungsamt nämlich nicht gestattet. Sowohl der Leiter des Ordnungsamtes, als auch die Streetworkerin fänden diese Maßnahme jedoch sinnvoll, um "schwarze Schafe" aufzuspüren.

Die Jugendlichen selbst verraten ihre Quellen nicht, weiß Zinnel. An Kioskbesitzer und Händler zu appellieren, helfe nicht immer. "Erst wenn eine Ordnungswidrigkeit vorliegt, das Geschäft bei einem zweiten Verstoß droht, geschlossen zu werden, es also an den Gewinn geht, überlegen sich die Verkäufer, doch besser Ausweise zu kontrollieren." Drei Ordnungsamtsmitarbeiter sind bei der Stadt Willich im Außendienst tätig. Ein weiteres Problem laut Zinnel: Häufig kaufen ältere Jugendliche für jüngere ein.

Mehr Kontrollen

Streetworkerin Marion Tank glaubt, dass verschiedene Dinge angekurbelt werden müssen. Dazu gehören auch mehr Kontrollen, aber vor allem weitere Projekte für Jugendliche. Die Bauwagenprojekte, die Sportart Parkour und Fußballturniere bringen viel. "Weil Jugendliche hier lernen, Verantwortung zu übernehmen", erklärt Tank. Dass sich der Alkoholkonsum bei Jugendlichen reduzieren lässt, hat in diesem Jahr der Karnevalszug in Willich gezeigt, bei dem das Ordnungsamt verstärkt Kontrollen bei Jugendlichen durchgeführt hat und die Streetworker Krisenintervention betrieben haben.

(RP)
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