Stadt Willich: Tafeln: Essensausgabe läuft problemlos

Stadt Willich: Tafeln: Essensausgabe läuft problemlos

Die Tafel in Essen steht derzeit bundesweit in der Kritik. Vergangene Woche wurde bekannt, dass dort ein Aufnahmestopp für Migranten verhängt wurde. Anders sei die Versorgung mit Lebensmitteln nicht mehr zu gewährleisten gewesen, argumentierte die Tafel. Deutsche seien kaum noch gekommen, der Chef der Einrichtung sprach von einem "Nehmer-Gen" und einer fehlenden "Anstellkultur" unter den Asylbewerbern, die mittlerweile mehr als 70 Prozent der Essener Kundschaft ausmachen sollen.

Doch wie sieht die Lage eigentlich in der Region aus? Bei den Tafeln in Willich und Tönisvorst gibt es bei der Essensausgabe keine Probleme mit ausländischen Kunden. "Die Ausgabe verläuft bei uns reibungslos", sagt Sabine Neumann, Vorsitzende der Willicher Tafel, die in allen vier Bezirken gespendete Nahrungsmittel verteilt. Bis zu einem gewissen Grad könne sie die Situation der Essener Kollegen nachvollziehen, die Entscheidung hält sie aber für falsch. "Bei uns zählt der Grundsatz: Bedürftigkeit vor Herkunft", sagt Neumann. "Wir würden niemals einzelne Gruppen von der Ausgabe ausschließen. Das wäre nicht in unserem Sinne." Mehr als 1400 Bedürftige kommen pro Woche zu den Ausgabestellen. Die Zahl der Kunden hat sich seit Beginn des Flüchtlingszuzugs vor knapp drei Jahren zwar auch in Willich erhöht - der Anteil der Migranten liegt bei knapp 50 Prozent -, zu Streitereien oder Engpässen in der Versorgung sei es aber nicht gekommen. "Wir haben aber trotzdem reagiert und eine zusätzliche Ausgabestelle am Mittwoch eingerichtet, weil es anfangs doch recht lange Wartezeiten gab", sagt Neumann.

Auch in Tönisvorst hat man die Ausgabe entzerrt, um das Warten vor der Ausgabestelle so kurz wie möglich zu machen. Die Kunden werden hier in drei Gruppen eingeteilt, die um 11.30, 12 und 12.30 ihre Lebensmittel erhalten. Dabei wird auch auf den Gesundheitszustand der Bedürftigen geachtet. Wer zum Beispiel auf einen Rollator angewiesen ist, wird in der ersten Gruppe und damit früher bedient. Laut dem Tafel-Vorsitzenden Jürgen Beyer sind auch in Tönisvorst die Hälfte der Kunden Migranten. Zu größeren Probleme sei es in den vergangenen Jahren aber nicht gekommen, im Gegenteil: Einige Kunden hätte sogar zugunsten der Flüchtlingen auf einige ihrer Lebensmittel verzichtet.

(atrie)