Tönisvorst: Straßenkarneval: Letzte Chance für Vorst

Tönisvorst: Straßenkarneval: Letzte Chance für Vorst

Das Tönisvorster Karnevals Komitee startet eine Fragebogen-Aktion. Die Stadt will nur noch einen Zug genehmigen. Jetzt soll ein gemeinsamer Zug abwechselnd in St. Tönis und Vorst veranstaltet werden. St. Tönis bekommt ein Dreigestirn.

Daniela Hüskes, Geschäftsführerin der Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß Vorst 1977, unterstreicht den Ernst der Lage: "Das ist für Vorst die letzte Chance." Mit "das" ist eine Umfrage der Tönisvorster Karnevals Komitees gemeint, in der unter den Vereinen der Stadt die Stimmung herausgefunden werden soll.

Da die Stadt nur noch einen Karnevalszug im Jahr genehmigt, haben die Karnevalisten die Idee geboren, einen gemeinsamen Karnevalszug am Tulpensonntag abwechselnd in St. Tönis und Vorst zu veranstalten. Was man vorher wissen will: Werden die Fußgruppen in St. Tönis auch in Vorst mitmachen und umgekehrt? Wenn jetzt kein Rücklauf der Fragebögen komme, "dann war es das in Vorst".

Den Nelkensamstagszug in Vorst wird es in der alten Form sowieso nicht mehr geben. 2010 und 2011 hatten sich Jugendliche über Facebook in Vorst verabredet. Vor allem an der Ecke Süchtelner Straße/Oedter Straße gab es immer wieder Schlägereien, 2011 wurde auch ein Einsatzfahrzeug des Roten Kreuzes beschädigt. Polizei und Ordnungsamt hatten vor Ort viel zu tun. Das Tönisvorster Karnevalskomitee entschied sich angesichts dieser Situation, den Samstagszug in Vorst nicht mehr auszurichten.

Bei einem Gespräch im Rathaus, an dem Bürgermeister Goßen und das Ordnungsamt auf der Seite der Stadt sowie das Vorster Vereinskomitee, die KG Rot-Weiß Vorst und das Tönisvorster Karnevalskomitee (TKK) teilnahmen, wurde zwar mitgeteilt, dass die Kreispolizei die Anforderungen an einen Karnevalsumzug in Vorst auf das Maß des Zuges in St. Tönis herabgesetzt habe, man also wieder einen Umzug in Vorst durchführen könne. Bürgermeister Goßen kündigte aber gleichzeitig an, die Stadt werde künftig nur noch einen Umzug in Tönisvorst genehmigen, egal in welchem Stadtteil dieser stattfinde.

Für die Karnevalisten ist das keine Katastrophe, weil die Kosten für einen Karnevalsumzug ohnehin so stark gestiegen sind, dass nur noch ein Zug im Jahr finanzierbar sei.

Am Nelkensamstagszug in Vorst nahmen rund 27 Gruppen teil, am Tulpensonntagszug in St. Tönis etwa 33. In der neuen Situation beantragten das Vorster Vereinskomitee und die KG Rot-Weiß Vorst als "fairste Lösung" für beide Stadtteile, den Zug wechselseitig ein Jahr in Vorst und ein Jahr in St. Tönis einheitlich am Tulpensonntag durchzuführen. Für Vorst hieße das, 2015 könnte es wieder einen Umzug zu Karneval geben. Im Vergleich zu den Nachbarstädten sei die Teilnehmerzahl beim Zug in St. Tönis eher gering.

So erhofft sich das Komitee, durch die Verschmelzung beider Stadtteil-Züge zu einem wahren Tönisvorster Zug einen größeren Umzug zu erreichen. An ihm müssten aber auch die Menschen beider Stadtteile teilnehmen. Jürgen Schmitz, Vorstand des TKK, und Daniela Hüskes, Präsidentin KG Rot-Weiß Vorst, wollen jetzt mit ihrem Fragebogen herausfinden, ob ihre Vorstellungen – in Vorst gab es dazu einen einstimmigen Mitgliederbeschluss – auch der Realität entsprechen. "Wenn die Vorster nur alle zwei Jahre in Vorst und die St. Töniser nur alle zwei Jahre in St. Tönis mitziehen, wäre ja nichts gewonnen. Wir hoffen daher, dass viele über ihren Schatten springen und wir zum Wohle des Tönisvorster Straßenkarnevals viele positive Rückmeldungen bekommen."

Die Stimmung bei den Karnevalisten ist nicht schlecht. Auf ihrer Jahreshauptversammlung spürte das Tönisvorster Karnevals Komitee sogar "Aufbruchstimmung". Bei den Neuwahlen wurden Dieter Hackstein, Zugleitung, Harald Gengnagel, Wagenbau, Mirko Klücken, Finanzen, und Ex-Prinz (1981) Jürgen Schmitz für die Öffentlichkeitsarbeit gewählt. Das TKK meldet außerdem, dass es für die Session 2013/2014 erstmals ein närrisches Dreigestirn gibt. Die Namen werden allerdings noch geheim gehalten. Damit sei der Tönisvorster Karneval in der neuen Session bestimmt gut aufgestellt.

(RP)